Magdeburg l Eröffnet wurde der Abend im Innenhof des Puppentheaters von sieben Monstern, denen der Krieg um Troja schon viel zu lange dauert. Sie sind gierig auf Aas, aber da, wo keine Schlacht stattfindet, da gibt es auch keine Toten. Hinter den Masken stecken Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, genauer des Studiengangs Zeitgenössische Puppenspielkunst.Nachwuchskünstler. Eine tolle Idee.

Sie haben aus Motiven von Shakespeares „Troilus und Cressido“ ein humorvolles Stück voller Ironie und Deftigkeit kreiert, das gerade mit der Überzeichnung die Absurdität von Kriegen verdeutlicht. Die Koproduktion des Puppentheaters mit der Hochschule ist in dieser kombinierten Form mit dem Hofspektakel wohl bisher einmalig. Eine Herausforderung für den Nachwuchs und für das Theater gleichzeitig eine Öffnung für neue Ideen. Nicht zuletzt profitieren vor allem die Zuschauer von der frischen und unverstellten Spielweise der

Da kann man gut verstehen, dass ein paar Oliven oder ein Bad im Meer die siebenjährige Belagerung fast beendet hätten. Fast, denn da war ja noch die komische Idee mit dem Pferd, die aber irgendwie auch nicht richtig funktioniert. Noch dazu, wo der Anlass des Krieges, die geraubte schöne Helena, allmählich älter wird und die Schönheit vergeht. Von Troja und Shakespeare im Innenhof geht es fast nahtlos über in ein außerordentlich imposantes Amphitheater im hinteren Teil des Theatergrundstücks.

Hier wird mit dem Stück „Gott“ von Woody Allen nicht nur die griechische Antike, sondern gleich das komplette Da- und Hiersein der Menschheit durcheinandergewirbelt.

Prägnante und schnelle Inszenierung

Wer ist Akteur und wer Zuschauer? Gibt es da einen Unterschied in einer Welt, in der alle auf den Fingerzeig eines imaginären Regisseurs hin ihre Rolle spielen?

Dieses Stück von Woody Allen für ein Hofspektakel zu wählen, ist ebenso ein Glücksgriff, wie mit der Inszenierung Moritz Sostmann zu betrauen. Es ist schon eine Herausforderung, den hintergründigen Humor Allens so auf die Bühne zu bringen, dass er das Publikum bestens unterhält. Bei der Vielzahl von Irrungen und Wirrungen auch noch die enthaltenen Bündel philosophischer Erkenntnisse über Absurditäten des menschlichen Seins unterzubringen, scheint fast unmöglich. Sostmann schafft das, und zwar so prägnant und schnell, dass diese Inszenierung ganz sicher noch nach Jahren zu den herausragenden Spektakeln gehören dürfte.

Den Inhalt von „Gott“ zu beschreiben, ist angesichts der Vielzahl von Spielebenen ziemlich aussichtslos. Wie soll man das alles erklären? Nur so viel sei verraten: Da steht 500 Jahre vor Christus ein von einer Schreibkrise befallener Autor in einem Amphitheater, in der Hand die Seiten eines Stücks, das in wenigen Stunden beim Athener Dramatiker-Wettbewerb einen Preis gewinnen soll. Neben ihm ein arbeitsloser Schauspieler, der einen Sklaven spielen soll. Beide suchen händeringend nach einem Schluss für das Stück. Aber es fällt ihnen nichts ein.

Aus dieser Suche entwickelt sich eine Geschichte, die nicht ein, sondern viele Enden hat, in der nahtlos Menschen- und Puppenspiel ineinander übergehen, in dem höchst intelligent regionale Bezüge untergebracht sind und das Publikum scheinbar mitspielt, während es vom Rund einer überdimensionalen Fotowand beobachtet wird.

Jana Weichelt, Anna Wiesemeier, Freda Winter, Richard Barborka, Florian Kräuter, Lennart Morgenstern und Leonhard Schubert spielen alle gleichsam wie aus einem Guss nicht nur die Menschenrollen, sondern führen abwechselnd auch die bis ins Detail gleich aussehenden Puppen. Interaktion zwischen Puppe und Mensch – das verlangt den Akteuren alles an schauspielerischem Können und Einfühlungsvermögen für das Spiel mit den Figuren ab. Diese Aufgabe bewältigt das Ensemble meisterhaft.

Woody Allen kommt zu Wort

Für die Anfertigung der Puppen hatte man Barbara Weinhold gewinnen können, die nicht nur mit dem Haus in Buckau bestens vertraut ist, sondern in der Villa P. auch eine eigene zeitweilige Puppenausstellung eröffnet hat.

Und ganz am Rande kommt neben Zeus, dem Gott der Götter, auch noch Woody Allen per Telefon zu Wort. Zwar nicht in persona, aber immerhin mit der deutschen Synchronstimme des US-amerikanischen Komikers, Filmregisseurs, Autors, Schauspielers und Musikers.

Aber eine Lösung für die gestressten Protagonisten hat er auch nicht. So kommt es, wie es kommen muss.

Nachdem selbst Zeus von der Leiter fällt und völlig ungöttlich das Zeitliche segnet, landen die beiden Schreiber als geistig verwirrt bei den Maltesern. Woody Allen behält wie immer recht: Die Menschheit ist verrückt.