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Interview Schweighöfer: „Ich habe Musik im Herzen“

Matthias Schweighöfer setzt seine Tour zum Album „Lachen Weinen Tanzen“ mit neuen Songs im Gepäck fort. Am 19. Januar singt er in der GETEC-Arena von ehrlichen Gefühlen und großen Träumen.

03.01.2019, 11:16

Mit der Single „Fliegen“ und dem Album „Lachen Weinen Tanzen“ begann Matthias Schweighöfers musikalische Karriere. Er denkt nicht daran, nur ein One-Hit-Wonder zu sein. Im Januar und Februar 2019 wird er gemeinsam mit seiner achtköpfigen Band wieder auf Tournee gehen und sich die Seele aus dem Leib singen. Am 19. Januar ist er ab 20 Uhr in der Magdeburger GETEC-Arena zu erleben. Für den Biber sprach Janina Heinemann mit Matthias Schweighöfer.
Die meisten kennen Sie aus dem Kino. Ist es fu¨r Sie als Sa¨nger eher fo¨rderlich oder hinderlich, als Schauspieler bekannt zu sein?
Matthias Schweighöfer: In meinem Fall ist es fo¨rderlich, weil die Leute, die zu den Konzerten kommen, sich erst einmal fragen: „Ha¨, der singt? Das kann doch nicht sein, wie soll das werden? Das klingt bestimmt total beschissen.“ Und sie haben meist Recht. (lacht) Aber viele gehen eben zum Konzert und gucken sich das an. Das ist toll, weil die Leute nicht wissen, was sie geboten kriegen. Ich finde es scho¨n, dass die meisten trotzdem mit einer guten Stimmung nach Hause gehen. Wir hatten ein Konzert vor 7000 Leuten, und keiner kannte das Album. Aber nach zwei Stunden hatten alle die Ha¨nde oben und haben mitgesungen. Darauf bin ich stolz. Konzerte machen echt Spaß.
Mit „Lachen Weinen Tanzen“ hatten Sie bereits 2017 ein paar Auftritte. Warum jetzt noch mal?
Schweighöfer: 2017 haben wir auf Festivals und in kleineren Sta¨dten gespielt, um die Band zusammenzuschweißen. Wir wollten sehen, wie ist das, wenn wir auf Tour gehen wu¨rden und haben vorgeprobt. Jetzt haben wir ein paar neue Songs im Gepa¨ck und touren los, um uns und dem Album eine Chance zu geben.
Inwiefern geho¨ren Schweigho¨fer und Musik zusammen?
Schweighöfer: Wenn ich einen neuen Film mache, gebe ich vorher Playlists in alle Abteilungen, damit jeder weiß: So klingt der Film, so klingt das, was auf uns zukommt. Deswegen ist Musik ein Teil meiner Arbeit. Fru¨her habe ich die Scores (Filmmusik, Anm. d. Red.) mit ausgearbeitet. Bei den Score-Tracks waren so viele gute Klavierideen dabei, dass wir gesagt haben, es wa¨re vollkommen bescheuert, die wegzuschmeißen. Daraus ist das Album entstanden.
Warum machen Sie ausgerechnet Deutschpop? Ha¨tten Sie von den Klavierlinien nicht auch bei Punkrock landen ko¨nnen?
Schweighöfer: Ich wollte deutsche Musik machen. Wenn wir Englisch singen wu¨rden, wa¨re das bescheuert. Natu¨rlich sind wir beim Pop gelandet. Denn Rap wa¨re nicht gegangen. Ich als Rapper, wa¨re ja noch krasser gewesen. Wenn es hieße, der Schweigho¨fer rappt jetzt und macht ein Album mit „Kollegah“ oder macht einen auf „Rammstein“, ha¨tten alle gedacht, dass ich vollkommen durchdrehe. Zum Pop passen auch unsere Themen. Die Konzerte zeigen, dass es die richtige Entscheidung war. Das Album macht Spaß – gerade weil es melancholisch und intim ist.
Warum sind Ihre Texte so nachdenklich?
Schweighöfer: Auch meine Filme haben als Grundthematik immer etwas Tragisches oder Trauriges. Es geht um die Definition von Mangel und Verlust. Mein Leben ist nicht nur rosig. Themen wie die Beziehung zwischen Mann und Frau, wie es ist, wenn man richtig liebt, ob man vielleicht doch nicht richtig liebt, Zuru¨ckweisung, Partnersein, wie es ist, eine Firma zu fu¨hren, bescha¨ftigen mich. All diese Themen kommen in dem Album zusammen. Und das ist eben nicht lustig.
Wie bringen Sie Musik in Ihrem Schauspieler-, Regisseur- und Produzenten-Alltag unter? Haben Sie mehr Stunden pro Tag zur Verfu¨gung als andere?
Schweighöfer: Mein Musikprojekt ist entstanden, damit ich mal wieder herauskomme und unter Leuten sein kann. Das ist wichtig, weil Film etwas sehr Anonymes ist. Und der Rest la¨uft auch mal ohne mich. Ich habe Mitarbeiter in der Firma. Der Laden ist groß, und die Aufgaben werden verteilt.
Das heißt, Sie nehmen sich bewusst Zeit fu¨r angenehme Sachen?
Schweighöfer: Klar, das muss ich machen. Ich muss und will ja noch ein bisschen leben.
Inwiefern a¨hneln oder unterscheiden sich die Berufe des Sa¨ngers und des Schauspielers?
Schweighöfer: Die Filmwelt ist sehr anonym. Da bin ich wenig mit Leuten unterwegs. Aber wenn ich als Sa¨nger abends live rausgehe und Musik mache – mit meiner Band und vor Publikum – ist das in dem Moment ultimativ nah. Wenn ich es verkacke, verkacke ich es an dem Abend richtig. Das ist das Scho¨ne und Verlockende am Musikmachen: Wenn ich falsch einsetze, und die ganze Band lacht, muss ich trotzdem wieder rauskommen.
Ist Ihnen das schon mal live passiert?
Schweighöfer: Ja klar, wir verkacken dauernd irgendetwas. Aber das ist lustig. Die Leute kriegen das gar nicht mit, nur wir als Band.
Sind Sie im Herzen mehr Schauspieler oder mehr Sa¨nger?
Schweighöfer: Ich bin mehr Schauspieler, aber jeder Sa¨nger ist auch Schauspieler. Denn das geho¨rt zum Entertainment dazu. Aber ich habe Musik im Herzen, bin sozusagen ein musikalischer Schauspieler.
Warum sind Sie nicht bei einer großen Plattenfirma? Die ha¨tten Sie doch sicher alle genommen.
Schweighöfer: Ich wollte erst einmal gucken, wie ich das allein hinkriege, ohne Vorgaben. Ich muss in meinem Leben und in der Filmwelt Freiheiten generieren ko¨nnen. Wenn ich bei einem großen Major-Label wa¨re, ko¨nnte ich schlecht sagen, dass ich das na¨chste Dreivierteljahr raus bin.
Wa¨re es nicht trotzdem Zeit fu¨r eine neue Platte?
Schweighöfer: Ja, wir schreiben sogar schon an einer neuen Platte. Ich denke, Ende 2019 ko¨nnen wir die vero¨ffentlichen. Was genau darauf ist, darf ich noch nicht sagen. Aber wir treffen uns gerade mit HipHop- und Pop-Produzenten und gucken, welche neuen Sounds wir generieren ko¨nnen.
Eintrittskarten für das Konzert am 19. Januar 2019 in der GETEC-Arena sind in allen biber ticket Verkaufsstellen erhältlich, außerdem online unter www.biberticket.de und über die Hotline 0391/5999-700.