Memleben l Memleben liegt idyllisch und abgelegen im hügeligen Unstruttal. Ein Falke ruft, die Rapsfelder blühen. Warum Heinrich I. und dessen Sohn Otto I. einst ausgerechnet diesen Ort für Aufenthalte auserkoren, könnte man sich ob der schönen Lage denken, überliefert ist aber nichts. Auch nicht, warum gerade dieses Fleckchen Erde Sterbeort für beide wurde. Im Jahr 936 starb Heinrich I. in Memleben, 973 sein Sohn.

Otto II. und seine Frau Theophanu entschieden, dass Mönche in diesem Tal für das Seelenheit der Familie beten sollen. Sie waren Stifter jenes Klosters, das als eine der frühesten benediktinischen Klostergründungen Mitteldeutschlands gilt. Die spätromanische Krypta ist erhalten, ebenso Mauern von historischen Kirchenbauten, die Klausur mit der riesigen Kastanie in der Mitte. Und es gibt ein Museum. Ab Montag lädt es zu einer Sonderausstellung.

Ottonischer Herrscher

Es geht um den heiligen Benedikt und die ottonischen Herrscher. Und es geht um die einst so reiche Klosterwelt in der Saale-Unstrut-Region und um die Bewohner, jene Ordensleute, die vor Jahrhunderten Impulse für unsere Kulturlandschaft setzten. „Wir spannen den Bogen vom Gründungsvater bis hin zur modernen Klosterlandschaft. 1700 Jahre auf 350 Quadratmetern“, sagte Museumschefin und Kuratorin Andrea Knopik bei der gestrigen Pressevorbesichtigung.

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Es geht um Klöster als Zentren von Glauben und Wissen, als Orte von Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Handel, als Verbindung von geistlicher Gemeinschaft und weltlicher Herrschaft. „Die Herrscher haben sich des Wissens der Mönche bedient“, sagt die Kuratorin und erklärt, dass man in den Klöstern des Lesens und Schreibens mächtig war, dass in den Skriptorien Bücher vervielfältigt wurden. Mönche sind mit Kaisern auf Reisen gegangen. Ihre Dienste: Schriftstücke aufsetzen.

Alte Schriftstücke

In einer abgedunkelten „Schatzkammer“ sind hoch lichtempfindliche Urkunden zu sehen, die einst in Memleben ausgestellt wurden. Es soll sich um die ältesten erhaltenen Schriftstücke der Region handeln.

60 Objekte wurden zusammengetragen: Kostbare Chroniken, Reliquien, Holzreliefs, liturgische Geräte, Gemälde, ein Vortragekreuz. Münzen sind zu sehen, die zeigen, dass Klöster wichtige Handelsorte waren. Dort wurde ein Münz- und Zollrecht ausgeübt. Der Abtei Hersfeld zum Beispiel wurde unter Abt Hagano (936–959) das Münzrecht verliehen. Zu sehen ist ein Brakteat dieser Abtei, datiert zwischen 1201 und 1213. Es ist das kleinste Objekt der Schau.

Lorscher Annalen

Zu den berühmtesten Exponaten zählen für die Kuratorin die Lorscher Annalen (um 835), das Reichenauer Schülerheft (9. Jahrhundert) aus dem Kloster St. Paul im österreichischen Lavanttal und die Benediktsregel (nach 799) aus dem schweizerischen Kloster St. Gallen.

Ausgestellt ist auch der Klosterschlüssel von Memleben, aus Bronze gegossen und datiert auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Wer ihn genau betrachtet, erkennt das Mischwesen aus Hahn und Drache. Eine kunstvoll ausgeführte Arbeit. Experten vermuten, dass mit diesem Schlüssel etwas Wertvolles beschützt werden sollte. Er kehrt als Leihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin auf Zeit nach Memleben zurück. Eine kleine Kostbarkeit – ging doch der Großteil des Klosterinventars verloren.

Seit 2015 in Arbeit

Seit 2015 hat ein Team von sieben Historikern und Wissenschaftern an der Ausstellung „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“ gearbeitet, unterstützt wird sie vom Zentrum für Mittelalterausstellungen Magdeburg. Die dort arbeitende Historikerin Uta Siebrecht sprach gestern von einer außergewöhnlichen Spurensuche, auf die sich die Besucher begeben können. Denn wer in Memleben mit der Ausstellung startet, kann anschließend elf weitere Klöster an Saale und Unstrut besuchen. Mit jenen in Huysburg und St. Marien zu Helfta gehören zur Korrenspondenzroute auch zwei „lebendige“ Klöster mit Gottesdienst und Gebet.