Magdeburg l  Wie es mit kleinen Formaten weitergeht für die Theater im Land, steht in den Sternen. Und die Empfehlungen der Berufsgenossenschaft zum Arbeitsschutz in Corona-Zeiten bereiten zusätzlich Kopfzerbrechen. Magdeburgs Generalintendantin Karen Stone wollte eigentlich mit kleinen Formaten vor Publikum spielen. Vor einigen Tagen hatte sie der Volksstimme gesagt: „Wir stehen in den Startlöchern.“ Mit der Fünften Corona-Eindämmungs-Landesverordnung aber bleiben Theater – egal welcher Eigentumsform – erst einmal bis zum 27. Mai dicht. Das Magdeburger Haus vermeldete daraufhin am Montag sein Spielzeitende. Das Domplatz-Open-Air war eh schon abgesagt.

Nächste Woche aber lädt die Theaterchefin zur Pressekonferenz, um über die neue Spielzeit zu reden. Sie will da verkünden, was sie seit langem alles plant, aber ob das auch ab September stattfinden kann? Keiner weiß, was wird. Vielleicht will Stone auch vor allem eines: Einen Ruf aussenden. Wir sind noch da! Wir planen! Wir wollen auf die Bühne! Seit 14. März schon ist das Haus leer. Keine Vorstellungen, kein Publikum.

Es ist die Ungewissheit, die die Theatermacher lähmt. Sie zermürbt, hört man. Die Häuser hängen in der Luft, sagt ein Intendant. Denn fraglich ist, was mit der nächsten Landesverordnung den Theatern erlaubt sein wird. Thüringen hat längst den Betrieb der vom Land geförderten Häuser bis 31. August eingestellt. Sachsen beschloss am 23. April das Saisonende für seine Theater und Orchester.

Ulrich Katzer, Geschäftsführer des Landesverbandes Ost des Deutschen Bühnenvereins, spricht von einer Hängepartie für die die hiesigen Häuser, die große Verunsicherung und Enttäuschung bringe. Er vergleicht es mit dem Spitzensport: Man trainiert auf einen Wettkampf hin, der dann doch abgesagt wird. Rechtsträger, so sagt Katzer, sollten eine Entscheidung treffen.

Ist die nicht da, wird vielerorts abgespeckt weitergeplant. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagen sich Häuser wie das Puppentheater Magdeburg. Es will sein Hofspektakel spielen – mit Gesundheitsschutz und Abstandsgeboten allerorten. Das Hygienekonzept wird jetzt eingereicht. Die Bühnen Halle planen kleine Formate. Auch das Nordharzer Städtebundtheater hat den Sommer mit seinen Gastpielen in der Harzregion noch nicht aufgegeben. Man wolle unbedingt was machen, heißt es vom Sprecher. Das Theater an der Angel in Magdeburg, privat geführt, hat für kleine Aufführungen unter freiem Himmel eine Bühne aufgebaut. Die Stühle – auf Abstand gestellt – mussten wieder zusammengeräumt werden.

Während die Theater weiter in der Warteschleife verharren, treiben neue Arbeitsschutzstandards manch Intendanten um. Vorgaben zum Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandard gibt es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Empfehlungen zudem von der Berufsgenossenschaft als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Letztere beinhalten Sätze wie: „Bei Singenden oder expressiv Sprechenden ist ein Abstand von mindestens 6 Metern einzuhalten.“ Für Musikerproberäume wird empfohlen: „Musiker mit Blasinstrumenten müssen in Blasrichtung mindestens 12 Meter Abstand zur nächsten Person einhalten, in den anderen Richtungen mindestens drei Meter.“ Weltfremd, raunen Theaterchefs. Mancher Intendant sieht den Probebetrieb gefährdet bzw. eingeschränkt auf Kleinstformate.

Das gesundheitliche Konzept der Berufsgenossenschaft sei ohne Rücksprache mit den Theatern erfolgt, sagt Katzer. Das Papier beinhalte Empfehlungen, nichts sei verpflichtend. Aber was wäre im Fall der Fälle?

Eine einheitliche Lösung, so sagt Katzer, könne es nicht geben. Jedes Haus brauche mit Blick auf Räumlichkeiten, Kapazitäten, vorhandenes Personal individuelle Ansätze. Längst arbeiten die Häuser an eigenen Konzepten mit Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Dass aber ein gemeinsames Vorgehen wenigstens in Minimalpunkten und laute Rufe höchst wichtig sind, zeigen andere Branchen.