Magdbeburg | Händel hatte die Oper „Riccardo I." in London uraufgeführt, Telemann schrieb sie für sein Hamburger Publikum um. Zu den Telemann-Festtagen im März bringt das Theater Magdeburg „Richard Löwenherz" auf die Bühne. Die Titelrolle singt Johannes Wollrab. Grit Warnat sprach mit dem Magdeburger Richard Löwenherz.

Volksstimme: Was wussten Sie vor Ihrer Rolle über Richard Löwenherz?
Johannes Wollrab: All das, was man aus der Jugendliteratur und aus Historienfilmen kennt. Dargestellt wird er immer als großer englischer König und Krieger, was so nicht stimmt. Die Dramaturgie hat uns bestens auf die Person eingestimmt.

Dann wissen Sie, ob der Stoff dieser Oper historisch verbürgt ist.
Die Geschichte hat einen historischen Hintergrund. Richard Löwenherz musste auf seinem Kreuzzug ins Heilige Land durch einen Sturm in Zypern bleiben. Der Sturm ist authentisch, die Flotte, die auseinanderfiel, auch.

Auch Berengera, seine Braut.
Um sie gibt es in der Oper eine erfundene Geschichte mit Verwicklungen und Verwechslungen. Der Herrscher von Zypern verliebt sich in Berengera, und weil er sie gern haben möchte, schickt er an ihrer Stelle seine Tochter zu Richard. Er kannte Berengera ja nicht. Es ist ein Frauentausch, ein Intrigenspiel mit viel Komik und auch Tragik.

Sie haben die Rolle des Richard Löwenherz. Wie stellen Sie ihn dar?
Er hatte nicht nur das Schwert an der Seite, sondern agierte gerade in Zypern auch diplomatisch. Er hatte ein Gefühl für Taktik. Das ist gut zu wissen für die Partie, die ja wesentlicher Teil dieser barocken Komödie ist.

Sie sind aber schon ein Ritter auf der Bühne?
Natürlich. Jeder bewahrt sich einen eigenen Kern, aber das ist ja der Reiz an unserem Beruf, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Im Moment bin ich Edwin in der „Csardasfürstin“, der Lebemann im Smoking. Als Richard Löwenherz trage ich einen Waffenrock.

Ist es Ihre erste Barockoper?
Ich war im Kreuzchor und habe dadurch viel Alte Musik gemacht und bringe sie bis heute auf die Bühne. Aber Richard Löwenherz ist ein Novum.

Die Titelrolle auch?
In einer Barockoper ja. Sie ist etwas ganz anderes, weil barockes Musiktheater eine ganz andere Form des Musizierens ist. Wir brauchen eine andere Darstellungsweise und wollen dabei musikalisch stilecht bleiben.

Wie präsent sind Sie auf der Bühne?
Sehr präsent. Die Länge der Oper musste stark eingekürzt werden, aber die meisten meiner Arien sind geblieben.

Bei Barockopern kann man nicht nur von der Länge, sondern auch vom Bühnenbild schnell erschlagen werden.
Unser Ausstatter Simon Banham setzt Requisiten sehr sparsam ein. Er bleibt in allen Kostümen historisch, aber die Bühne ist erst einmal leer. In barocker Theatermanier hängen Wolken wie in 3D im Bühnenhaus, die je nach emotionalem Zustand sinken und groß oder klein werden. Und zwischendrin kommt die Sonne heraus. Es ist eine von Wolken verhangene oder gelichtete Bühne.

Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit der Opera Fuoco aus Paris. Was macht die Zusammenarbeit aus?
Das Besondere ist, dass die Sänger allesamt junge Kollegen ganz am Anfang ihrer Karriere sind. Das ist eine spannende Konstellation zwischen Routine der Sänger aus unserem Ensemble und jungen Blicken auf solch eine Produktion. Wir inspirieren einander sehr stark. Ich denke, das gilt auch für das Orchester. Die Rezitative werden von der Opera Fuoco begleitet, die Arien und der sinfonische Anteil kommen von der Magdeburgischen Philharmonie.

Wie nah ist Ihnen Telemann?
Ich habe Orgelbau gelernt und nahm in dieser Zeit auch regelmäßig Orgelunterricht. Da kam mir Telemann zuhauf unter. Er ist ein bisschen der Exot. Er hat einen sehr eigenen Stil, was ich sehr bemerkenswert finde, weil in der Barockzeit viel kopiert und nachgemacht wurde. Aber selbst wenn man meint, man würde Telemann kennen, ist er immer wieder eine Herausforderung und gut für Überraschungen. Er hat eine andere Sprachbehandlung, eine andere Poesie als seine Zeitgenossen. Das kann ich jetzt in den Proben sehr intensiv für mich entdecken.