Magdeburg l Die Entscheidung für Sean O’Casey’s „Ein Pfund abheben“ im Postamt und „Ende vom Anfang“ fiel relativ spät, so dass nicht mehr viel Zeit für Proben und die Erarbeitung der Stücke blieb. Das war hier und da nicht zu übersehen, obwohl Ines Lacroix, Lisa Klabunde, Matthias Engel und Thomas Mette alles aufboten, was ihnen an schauspielerischen Mitteln zur Verfügung steht. Das Stück ist nicht einfach, und die Hürden sind mit der über 50 Jahre alten Dresen-Inszenierung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters sehr hoch gelegt.

Marcus Kaloff, seit 25 Jahren als Schauspieler und Regisseur im Geschäft, wagte sich an den Stoff und blieb mit seiner Inszenierung ganz dicht an den Intentionen Sean O’Caseys. Dem ging es Zeit seines Lebens darum, die Menschen genau zu beobachten, ihre Redewendungen und Besonderheiten exakt wiederzugeben, ohne dabei immer einen tieferen Sinn, eine gesellschaftliche oder politische Botschaft zu suchen. Damit, so könnte man meinen, ist es genau der richtige Stoff für herzhaftes Lachen und Entspannen. Mit ihrer entspannten Fröhlichkeit hat sich die junge talentierte Lisa Klabunde mit Blick auf die geballte Bühnenerfahrung der übrigen Protagonisten ein Sonderlob verdient.

Wo Peter Wittig auftaucht, ist ein Anfang noch lange nicht das Ende, schon gar nicht „Das Ende vom Anfang“, wie das O’Casey-Stück heißt, das er für den zweiten Teil des Sommertheaters der Angler auf dem Magdeburger Werder inszenierte. Vor 20 Jahren tingelten Ines Lacroix und Matthias Engel mit diesem Stück durch die Lande. Damals hatten sie noch keine feste Spielstätte. Die genaue Kenntnis des Stücks war vermutlich mit ein Grund für die kurze Probezeit. Das, was darin geboten wird, ist deftig-kräftiges Volkstheater, das mit seinen Irrungen und Wirrungen alle Klischees einer Sommerkomödie erfüllt, bestens unterhält, allerdings auch nicht gerade durch Tiefgang auffällt.

Peter Wittig bringt Tempo in das Geschehen, bei dem die etwas einfach gestrickte Bauersfrau ihrem vom Feld kommenden Mann so lange mit Klagen über die Fülle der Hausarbeit zusetzt, bis der ihr vorschlägt, doch einmal die Rollen zu tauschen. Nun soll sie die Wiese mähen, während er sich an die Hausarbeit macht. Was dann passiert, ist weder gendergemäß, noch spiegelt es die Realität wider, denn in der sind die Männer durchaus in der Lage, den Anforderungen eines Haushaltes gerecht zu werden. Das Ganze endet im Chaos und lässt sich allenfalls mit einem irischen Tanz, zu dem dann auch die Zuschauer eingeladen werden, und ein paar kräftigen Guinness-Bieren wieder reparieren.

Ritt auf überdimensionaler Kuh

Und so, wie man bei einem zünftigen Sommertheater dem Affen auch mal Zucker geben kann, tun dies die Angler mit einem gemeinsamen Ritt auf einer überdimensionalen Kuh, die gerade so in den Bühnenraum passt.

Mit der Gelassenheit von Inselbewohnern, die auch und gerade über sich selbst lachen können, unterhalten die Schauspieler, unter denen man neben Ines Lacroix und Matthias Engel vor allem Thomas Mette als drittem im Bunde hervorheben kann, ihre Zuschauer bestens.

Etwas Zeit sollte man unbedingt für die Ankunft auf der Insel, einem Vorprogramm mit etlichen Stationen, einplanen. Da kann man Fragmente von Stonehenge auf dem Innenhof der Angler-Spielstätte bewundern, oder man nimmt an einem irischen tänzerischen Glaubensbekenntnis in dem zur Kirche umfunktionierten Gartenhaus teil, wobei man sich gleich noch am Dudelsack erproben kann. Nicht minder spannend ist ein Schäferstündchen mit Ines Lacroix, drei echten Schafen und diversen Limericks, oder man lässt sich Feengeschichten unter dem Götterbaum erzählen. All das versetzt schon vor Sean O’Casey in die richtige irische Stimmung.

SommerverwIR(r)LAND ist ein Sommerprogramm ganz wie die Grüne Insel im Atlantik. Manchmal etwas eigen, aber immer herzlich, manchmal etwas rau, aber immer voller Humor, und am Guinness-Bier mangelt es auch nicht.