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Keine Western in Osten Kult in der DDR: Diese Indianerfilme muss jeder Ossi kennen

Für viele Ossis begann im Kino der DDR die erste große Filmleidenschaft. Die Defa schuf mit ihren Indianerfilmen ein eigenes Genre und widersprach bewusst Hollywood. Welche dieser Filme bis heute Kult sind.

Von Jonas Lohrmann 05.01.2026, 16:51
Zeitweise haben Defa-Indianerfilme zu den erfolgreichsten Filmgenres der DDR gezählt.
Zeitweise haben Defa-Indianerfilme zu den erfolgreichsten Filmgenres der DDR gezählt. (Foto: Rialto Film GmbH)

Magdeburg/Halle (Saale). – Federschmuck, weite Landschaften, galoppierende Pferde und ein Mann, der schweigend für Gerechtigkeit kämpft: Für viele Menschen in Ostdeutschland begann so die erste große Kinoleidenschaft.

Nach dem Erfolg der Karl-May-Filme im Westen Deutschlands, entschied man sich in der DDR, ähnliche Filme zu drehen. In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte die Defa dabei ein eigenes Genre: den Indianerfilm.

DDR-Kult: Keine Western, sondern Indianerfilme mit Gojko Mitić

Die Streifen setzten bewusst einen Kontrapunkt zu Hollywood: Nicht Cowboys bestimmten die Handlung, sondern die indigene Bevölkerung Nordamerikas.

Die Filme erzählten von Unterdrückung, gebrochenen Versprechen und Widerstand – und hießen deswegen auch nicht Western, sondern Indianerfilme.

1. "Die Söhne der großen Bärin"

Der Anfang dieser Erfolgsgeschichte trägt den Titel "Die Söhne der großen Bärin". Der Film kam im Jahr 1966 in die Kinos und erzählt vom Widerstand des Stammes der Dakota gegen die Enteignung ihres Landes: Verträge werden gebrochen, Versprechen nicht gehalten, ganze Familien verlieren ihre Heimat.

Das Publikum war begeistert. Mehr als zehn Millionen Menschen lockte der Film in die Kinos.

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Mit diesem Film begann auch der Aufstieg des Schauspielers Gojko Mitić. Er spielte die Hauptrolle und wurde über Nacht bekannt. Zwar hatte er zuvor bereits kleine Nebenrollen übernommen, doch erst dieser Film machte ihn zum Star.

Schnell bekam er den Beinamen "Chefindianer der DDR". Im Westen Deutschlands wurde er als "Winnetou des Ostens" bekannt.

Gojko Mitić in einer Filmszene aus "Die Söhne der Großen Bärin"
Gojko Mitić in einer Filmszene aus "Die Söhne der Großen Bärin"
Foto: Defa-Stiftung

Anfangs war der Akzent des muskelbepackten Serben noch deutlich hörbar, weshalb seine Stimme im Film synchronisiert wurde. Seiner Wirkung schadete das jedoch kaum. Mit seiner Präsenz, seiner Körperlichkeit und der glaubwürdigen Darstellung eines stolzen, widerständigen Indianers überzeugte er das Publikum.

2. "Chingachgook, die große Schlange"

Der erste große Erfolg blieb kein Einzelfall. Schon ein Jahr später folgte "Chingachgook, die große Schlange". Der Film wirkte ernster und deutlich trauriger als sein Vorgänger.

Er erzählte vom langsamen Verschwinden der indigenen Kultur und davon, dass Widerstand nicht immer siegt. Ein klassisches Happy End blieb aus.

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Gerade das machte den Film so eindringlich. Viele Zuschauer verließen das Kino nachdenklich: ein ungewöhnliches Gefühl für einen Abenteuerfilm.

3. "Spur des Falken"

Mit "Spur des Falken" rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das sich durch fast alle Defa-Indianerfilme zog: Verrat. Immer wieder zeigten die Filme, wie Verträge geschlossen und gebrochen und wirtschaftliche Interessen über Menschenleben gestellt werden.

Szene aus dem Film "Spur des Falken"
Szene aus dem Film "Spur des Falken"
Foto: Defa-Stiftung/Waltraut Pathenheimer

Die Erzählungen waren historisch angelehnt, aber leicht verständlich erzählt. So wurde Geschichte für ein breites Publikum greifbar.

4. "Tecumseh"

In den 1970er-Jahren wurden die Filme spürbar härter. "Tecumseh" erzählt die Geschichte eines realen historischen Shawnee-Anführers, der versuchte, verschiedene Stämme zu vereinen, um gemeinsam gegen die Expansion der Vereinigten Staaten zu kämpfen.

Der Film zeigt ihn als klugen Strategen, aber auch als Mann, der ahnt, dass sein Kampf kaum zu gewinnen ist.

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Gedreht wurden die Indianerfilme nur selten in den USA. Stattdessen nutzte die Defa Landschaften in Rumänien, Bulgarien oder der damaligen Tschechoslowakei.

Wälder, Berge und Ebenen wurden so mit vergleichsweise einfachen Mitteln zur Prärie Nordamerikas. Für das Publikum spielte das kaum eine Rolle. Die Bilder wirkten glaubwürdig und authentisch.

5. "Apachen"

Noch kompromissloser ist "Apachen". Gewalt, Rache und Verzweiflung stehen hier im Mittelpunkt. Der Film verzichtet weitgehend auf romantische Bilder und zeigt eine raue, oft brutale Welt.

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Einige Zuschauer waren damals schockiert, andere beeindruckt. Gerade diese Schonungslosigkeit macht "Apachen" bis heute zu einem der härtesten und realistischsten Defa-Indianerfilme.

Ende der Defa-Indianerfilme: Warum das Genre verschwand

Anfang der 1980er-Jahre verlor das Genre langsam an Bedeutung. Das Kino insgesamt geriet unter Druck, das Fernsehen gewann an Einfluss, und aufwendige Abenteuerfilme wurden zunehmend teurer.

Viele Motive waren erzählt, neue Impulse blieben aus. Mit "Der Scout" erschien im Jahr 1983 der letzte klassische DEFA-Indianerfilm.

Heute sind die Defa-Indianerfilme in der Gesamtedition "Filmjuwelen" gesammelt auf DVD und Blu-Ray erhältlich.