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  7. Kino im Osten: Diese Filme waren in der DDR verboten

Kino im Sozialismus Verboten im Osten! Diese Filme durften in der DDR nicht gezeigt werden

Die Defa sollte große Filme für die DDR machen. Doch einige Werke waren der Politik zu ehrlich. Sie wurden verboten und verschwanden teilweise für Jahrzehnte. Welche Filme das waren und warum sie heute noch berühren.

Von Jonas Lohrmann 15.01.2026, 15:35
Die Schauspielerin Angelika Waller in "Das Kaninchen bin ich", einem der bekanntesten verbotenen Defa-Filme der DDR.
Die Schauspielerin Angelika Waller in "Das Kaninchen bin ich", einem der bekanntesten verbotenen Defa-Filme der DDR. (Foto: Defa-Stiftung/Jörg Erkens)

Magdeburg/Halle (Saale)/DUR. – Als die Defa im Jahr 1946 gegründet wurde, sollte sie das große Filmstudio und kulturelle Aushängeschild eines neuen sozialistischen Staates werden. Doch je fester die DDR-Politik das Ruder in die Hand nahm, desto kleiner wurde der Spielraum für echte Kreativität.

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Filme, die nicht ins Bild vom "neuen sozialistischen Menschen" passten, verschwanden still aus den Kinos. Sie wurden gekürzt, verboten oder gleich ganz weggeschlossen. Viele von ihnen konnten ihr Publikum erst Jahrzehnte später finden, oft erst nach dem Ende der DDR.

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1. "Das Beil von Wandsbek" (1951)

Als Falk Harnacks Film "Das Beil von Wandsbek" im Jahr 1951 in die Kinos kam, sah zunächst alles gut aus: ein klar antifaschistischer Film, nach einem Roman von Arnold Zweig, einem der großen Namen der DDR-Literatur. Doch die Freude währte nicht lange.

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Schon am 7. Juli 1951 verschwand der Film wieder aus den Spielplänen. "Aus dem Vertrieb genommen", hieß es. Das hatte es bis dahin noch nicht gegeben.

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Die Geschichte erzählt von einem einfachen Hamburger Schlachter, der von den Nazis als Henker angeworben wird, weil er dringend Geld für seine Familie benötigt. Er soll vier zum Tode verurteilte Kommunisten hinrichten, bevor Adolf Hitler die Stadt besucht.

Harnack zeigt diesen Mann dabei nicht als grausames Ungeheuer, sondern als jemanden, der aus Angst und Not Schritt für Schritt in Schuld gerät.

"Das Beil von Wandsbek": Nach kurzer Bedenkzeit willigt der Fleischer ein, doch obwohl die Tat geheim bleiben soll, spricht sich alles schnell herum.
"Das Beil von Wandsbek": Nach kurzer Bedenkzeit willigt der Fleischer ein, doch obwohl die Tat geheim bleiben soll, spricht sich alles schnell herum.
Foto: Defa-Stiftung/Erich Kilian

Genau das war der Parteiführung zu heikel. Der Faschismus sollte böse sein. Schließlich wollte man klare Fronten: hier die Guten, dort die Bösen. Die Angst war, dass sich die Zuschauer in diesem Mann wiedererkennen könnten. Und das war augenscheinlich gefährlicher als jede offene Kritik.

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1962 durfte auf Wunsch des Hauptdarstellers Erwin Geschonneck eine stark gekürzte Fassung noch einmal in die Kinos, später auch 1981. Doch die ursprüngliche Version blieb lange im Giftschrank.

2. "Das Kaninchen bin ich" (1965)

Schon in den 1960er-Jahren zeigte die DEFA, dass sie die Risse im eigenen System sehr genau erkannt hatte. Besonders deutlich wird das im Spielfilm "Das Kaninchen bin ich". Kaum ein anderes Werk steht so sehr für die verbotenen Filme der DDR.

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Erzählt wird die Geschichte der 19-jährigen Maria, deren Bruder wegen angeblicher "staatsgefährlicher Hetze" von einem linientreuen Richter für drei Jahre ins Gefängnis geschickt wird. Der Richter Paul Deister geht bei der Strafhöhe sogar über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

Weil ihre Familie damit als politisch belastet gilt, darf Maria nicht studieren und muss stattdessen als Kellnerin arbeiten.

"Das Kaninchen bin ich": Maria verliebt sich in den Richter, der ihren Bruder verurteilt hat und ihr dadurch den Zugang zum Studium verwehrte.
"Das Kaninchen bin ich": Maria verliebt sich in den Richter, der ihren Bruder verurteilt hat und ihr dadurch den Zugang zum Studium verwehrte.
Foto: Defa-Stiftung/Jörg Erkens

Dann verliebt sie sich ausgerechnet in den Richter. In dieser bitteren Wendung wird sichtbar, wie kalt und ungerecht ein System sein kann, in dem Loyalität zur Partei mehr zählt als Menschlichkeit und Recht.

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Auf dem XI. Plenum, einer kulturpolitischen Sitzung der SED-Führung, auf dem im Jahr 1965 zahlreiche Filme, Bücher und Künstler verurteilt wurden, wurde der Film als "staatsfeindlich" verurteilt.

Nicht die Liebesgeschichte war das Problem, sondern der Blick auf eine Justiz, die willkürlich und unmenschlich handelt. Der Film verschwand daraufhin bis 1989 im Archiv.

3. "Spur der Steine" (1966)

Mit Manfred Krug in der Hauptrolle sollte "Spur der Steine" eigentlich ein spannender Film über das Leben und Arbeiten in der DDR werden. Doch er geriet schnell zum Skandal.

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Der Film spielt auf der großen Baustelle Schkona, wo der raubeinige Bauarbeiter Hannes Balla mit seiner Truppe zeigt, wie man trotz schlechter Planung und Materialmangels den Alltag meistert. Dabei geht es nicht nur um Beton und Ziegel, sondern auch um den Alltag zwischen Regeln, Fehlern und kleinen Aufständen.

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Als der neue Parteisekretär Horrath auf die Baustelle kommt, prallen Welten aufeinander: Balla arbeitet eher nach Gefühl und mit  Pragmatismus, Horrath will alles richtig machen, strikt nach Buch und Plan.

Dazu tritt die junge Ingenieurin Kati, in die beide Männer verliebt sind. Es entsteht eine Mischung aus Konflikt, Humor und ein bisschen Liebesgeschichte.

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Während der Premiere kam es zu organisierten Zwischenrufen, kurz darauf verschwand der ehrliche Film nach nur wenigen Tagen aus den Kinos. Das Publikum hatte zu deutlich gespürt, dass hier nicht eine Idealfabrik, sondern ein zutiefst menschlicher, fehlerhafter Staat gezeigt wurde.

Hannes Balla (links) und Parteisekretär Werner Horrath (rechts) in einer Szene mit Kati Klee aus dem Defa-Film "Spur der Steine"
Hannes Balla (links) und Parteisekretär Werner Horrath (rechts) in einer Szene mit Kati Klee aus dem Defa-Film "Spur der Steine"
Foto: Defa-Stiftung/Klaus D. Schwarz

Erst im Jahr 1989 durfte der Film wieder laufen und gilt heute als einer der besten Defa-Filme überhaupt.

4. "Jadup und Boel" (1981)

In den 1980er-Jahren wirkte die DDR schon müde und erstarrt. Genau dieses Gefühl fängt "Jadup und Boel" ein. Im Mittelpunkt steht Jadup, der Bürgermeister der kleinen Stadt Wickenhausen.

Als bei der feierlichen Eröffnung einer neuen Kaufhalle ein altes Haus einstürzt, wird in den Trümmern das Buch "Der Aufbau des Sozialismus" von Friedrich Engels gefunden. Jadup hatte es früher einem Mädchen namens Boel geschenkt – und plötzlich kehren lange verdrängte Erinnerungen zurück.

Boel war nach dem Krieg als Geflüchtete in die Stadt gekommen. Jadup hatte ihr Lesen und Schreiben beigebracht, sie war in ihn verliebt. Doch nach einer nie aufgeklärten Vergewaltigung an ihr verschwand sie, und niemand übernahm Verantwortung. Auch Jadup nicht.

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Diese Vergangenheit lässt ihn an seinem Leben und an der Gesellschaft zweifeln. Er merkt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen.

Trotz mehrerer Überarbeitungen wurde der Film verboten. Er war der Parteiführung einfach zu ehrlich und zu nachdenklich. Erst im Vor-Wendejahr wurde das Verbot aufgehoben und er kam mit wenigen Kopien in die Kinos.

5. "Schnauzer" (1984)

Dieser Film war der letzte verbotene Spielfilm der Defa und durfte nicht einmal mehr fertiggestellt werden. "Schnauzer" wollte den ganz normalen DDR-Alltag zeigen, ohne Heldenpose und ohne schöne Fassaden.

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Im Mittelpunkt steht Siegfried Hirzek, der in einem großen Betrieb für Materialbeschaffung zuständig ist. Er soll dringend Teile für einen Exportauftrag besorgen, doch er stößt überall auf Chaos: fehlende Ware, schlechte Organisation und gleichgültige Kollegen. Der Stress wächst, bis er einen Herzinfarkt bekommt. Auch seine Ehe zerbricht an dieser Dauerbelastung.

Die Dreharbeiten zu dem Defa-Film "Schnauzer" wurden nach acht Monaten gestoppt und das gesamte Material vernichtet.
Die Dreharbeiten zu dem Defa-Film "Schnauzer" wurden nach acht Monaten gestoppt und das gesamte Material vernichtet.
Foto: Defa-Stiftung/Rigo Dommel

So ehrlich und trostlos hatte man das Arbeitsleben in der DDR selten gesehen. Genau das machte den Film gefährlich: Er passte nicht zum Bild eines erfolgreichen, gut organisierten Staates.

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Noch während der Dreharbeiten griff die Zensur ein: Auf Anordnung wurden die Arbeiten gestoppt, der Film abgebrochen und die Filmrollen zerstört. Eine Kopie hatte jedoch überlebt, weil sie zuvor zur Zwischenüberprüfung bei der Defa-Leitung abgegeben worden war. Deshalb konnte im Jahr 1996 in Chemnitz erstmals wieder eine unvollständige Fassung gezeigt werden.