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Mozart-Oper "Cosi fan tutte" wird am Anhaltischen Theater bejubelt Verwirrspiel um Liebe und Treue: Machen es alle so?

27.06.2011, 04:43

Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man die Mozart’sche Musik zu "Cosi fan tutte" ausführlich beschreiben. Sie ist, salopp formuliert, eine bekannte "Hammermusik": farbig, kurzweilig und stimmig zur Handlung, eben einfach schön anzuhören. Auch in Dessau – wo Dirigent Daniel Carlberg zur Premiere am Sonnabend selbst hin und wieder ebenfalls ein Hammerklavier "bediente".

Von Helmut Rohm

Dessau-Roßlau. Regisseur Florian Lutz verlegt die ursprünglich in Neapel des 18. Jahrhunderts angelegte Geschichte ins Heute. Mehr wird nicht konkretisiert. Das ist durchaus machbar, zudem gelungen: mit Augenzwinkern und in der Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Satire.

Es sind die Kernthemen wie Liebe, Treue und Untreue, Lügen und Wahrheit, Standhaftigkeit und Verführbarkeit, Moral und Unmoral ... – die, glaubt man den bunten Blättern, heute bei den Reichen und Schönen fast alltäglich und bei den "normalen" Menschen nicht so bekannt gemacht, aber dennoch ebenso präsent sind.

Florian Lutz, seine Kostüm- und Bühnenbildnerinnen Joki Tewes und Jana Findeklee (auch Video) präsentieren die sechs Protagonisten, meist ständig in sichtbarer Aktion, in einer Setzkasten- oder Labyrinth-ähnlichen Konstruktion. Die vielen teils kleinen Türchen, Klappen, Bodendeckel und Leitern sind von den Personen zu durchkriechen, nicht selten kaskadenähnlich. Gewollte optische Verwirrung wohl – das passt zu den Handlungssträngen.

Da sind die beiden Herren Guglielmo (Ulf Paulsen) und Ferrando (Oscar de la Torre), die der Treue ihrer beiden Verlobten total sicher sind. Beide, stimmstark und überzeugend im Spiel, bekunden das aus tiefsten Herzen. Ihre beiden Verlobten, die Schwestern Dorabella (Ulrike Mayer) und Fiordiligi (Susan Gouthro aus Kiel vertritt in zwei Vorstellungen die verletzte Angelina Ruzzafante), glauben andersherum auch an ewige Treue. In schönen, gefühlvoll gesungenen Arien und mehr sprudelnden Duetten verkünden sie mit großen Worten Standhaftigkeit. Ob es dennoch schon ein wenig kriselt in den Beziehungen, könnte man dem etwas lethargisch anmutenden Tun der beiden Frauen entnehmen. Oder auch nicht? Hat das vielleicht das Drama befördert? Sie sind jedenfalls, wenn auch mehr oder weniger zögerlich, später zu amourösen Abenteuern bereit.

Don Alfonso (Kyung Il Ko), ein smarter Typ, Freund (?) der beiden Männer, wohl mehr zynisch, schadenfroh und hinterhältig, "hetzt" diese auf, die Treue ihrer Geliebten zu "testen", fordert sie zu einer Wette heraus. Er bedient sich dabei der Unterstützung der Haushältertin Despina, die von Sharleen Joynt ungemein kokett, intrigant und durchtrieben, jedoch auch "lebenspraktisch" verkörpert wird.

Die Männer ziehen pro forma in den Krieg, kommen als verkleidete "Liebeshungrige" zurück und buhlen "über Kreuz" um die Liebe der Frauen – um zu beweisen, dass diese allen Anfeindungen widerstehen.

Ulf Paulsen und Oscar de la Torre leben die hinterhältigen Einfälle von Don Alfonso sowie deren teils kurzweilig aktionsreiche Umsetzungen von Florian Lutz – unter anderem mit urwaldähnlichem Garten mit Eingeborenen – voll aus. Für das Publikum ist das ungemein unterhaltsam, obwohl es eigentlich nicht richtig zum Lachen ist, wenn Menschen so manipuliert werden. Sei es, wie es sei. Die beiden Frauen werden schließlich weich, sinken in wahrsten Sinne des Wortes hin. Kurz vor der inszenierten Ehe lässt Don Alfonso die Story platzen. Dass allerdings die "alten" Paare wieder zusammenfinden, mag überraschen.

Doch was soll es: "So machen es alle (Frauen)", heißt es ja im originalen Operntitel.

Gut zehn Minuten stürmisch anhaltenden Beifall gibt es vom Publikum im jedoch nicht ausverkauften Großen Haus des Anhaltischen Theaters für die auf italienisch mit Obertiteln gezeigte Oper. Die nächste Aufführung ist am Sonntag, dem 3. Juli, um 17 Uhr.