Kinderoper erlebt beim Kurt-Weill-Fest eine frenetisch gefeierte Uraufführung / Geschichte über jugendliche Obdachlose Viel Frische, Unbekümmertheit und bemerkenswerte Klasse
Dessau-Roßlau. l Da muss man sich um den künstlerischen Nachwuchs keine Sorgen machen", erklärte Ute Gfrerer, Artist in Residence des diesjährigen Kurt Weill Festes, unmittelbar nach der Uraufführung der Kinderoper "Oskar und die Groschenbande" von Christoph Reuter und August Buchner am Sonnabend im Anhaltischen Theater Dessau. Sie und mit ihr die Besucher im restlos ausverkauften Großen Haus des Theaters feierten frenetisch diese gut zweistündige Aufführung im Rahmen des Kurt-Weill- Festes, die im Wesentlichen von mehr als 50 Kindern und Jugendlichen gestaltet wurde.
Begeistert haben vor allem die faszinierende Frische, Unbekümmertheit und bemerkenswerte Klasse, mit denen sich die jungen Darsteller und Sänger unter der Regie von Silke Wallstein in dieses Theater-Spektakel einbrachten. Und es war ein fabelhaft ineinander verwobenes Gesamtkonzept.
Es ist eine Geschichte, die im Heute beginnt. Der Dessauer Junge Oskar Hobusch wird während einer Klassenfahrt nach Berlin beim Lesen eines spannenden Buches traumartig in das Berlin des Jahres 1928 versetzt. Traum und Realität verschmelzen miteinander.
Oskar trifft auf eine Berliner Kinderbande junger Obdachlosen und Waisen, die von dem erwachsenen Pit Schumann auf Diebestour geschickt werden. Oskar freundet sich mit dem Kaiser Georg, dem Dietrich mit dem Dietrich und den anderen an. Sie machen gewitzte Pläne, dem Kinderausbeuter Pit das Handwerk zu legen.
Dabei konnten die Zuschauer in einfallsreichen und pfiffig wechselnden Bühnenbildern (Nicole Bergmann) eine kurzweilige, spannend unterhaltsame Handlung verfolgen. Kostüme (Katja Schröpfer) ebenso wie Videos und Filmanimationen (Barbara Janotte) gaben den darzustellenden Situationen treffliche charakterisierende Unterstützung. So gelang es mit unterschiedlicher Farbgestaltung, den unmittelbaren Zeitsprung erlebbar zu machen.
Der aus Dessau stammende Komponist und Musiker Christoph Reuter schuf eine Musik für großes Streichorchester, Bläser und Schlagzeug, die sowohl an die Traditionen der 1920er Jahre mit Jazz, Swing, Tango anknüpft und sich ebenso mit dem heutigen Zeitgeist des Pop-Songs und Hip-Hops bruchlos verbindet. Das Orchester mit Musikern der Anhaltischen Philharmonie und Schülern der Dessauer Musikschule unter Leitung von Stefan Neubert spielte sehr engegiert.
Zu besonderen Höhepunkten der gesanglich-musikalischen Interpretation erwiesen sich die für diese Kinderoper eigens getexteten und komponierten reizvollen Songs, in denen Text und Musik eine stimmige Symbiose bilden. So erinnert der Song "Meine Stadt" eben ganz explizit an Dessau, die Stadt von Junkers und Bauhaus. In "Pollys Lied" widmet sich die Polly sehr humorvoll und treffend den "zwischenmenschlichen Beziehungen" von Knaben und Mädchen. Bezüge zu Kurt Weill und dessen "Dreigroschenoper" sind durchaus gewollt.
Die Weill-Nähe wird besonders bei der "Ballade von der Kuhdamm-Polly" deutlich, mit der Hannah Fricke als Polly Braun wahre Beifallsstürme auslöste.
Ohne die anderen Darsteller benachteiligen zu wollen, sind Conrad Felix Papesch (Oskar), Hannah Fricke (Polly), Hans Höpfner (Kaiser Georg) und Moritz Barth (Dietrich mit dem Dietrich) doch besondes zu würdigen
Aktiv mitgewirkt haben der Kinderchor und das Kinderballett des Anhaltischen Theaters Dessau. Lediglich vier erwachsene Darsteller waren in die Kinder- oper harmonisch eingebunden: Patrick Rupar, Sebastian Müller-Stahl, Frank Roder und Kristina Baran. Das gesamte Ensemble dieser künstlerischen Novität am Anhaltischen Theater Dessau, einer Oper für Kinder mit Kindern, erhielt sehr viel Beifall.