Eriko Daimo aus Japan musizierte gemeinsam mit der Magdeburgischen Philharmonie Warme Marimbaklänge verschmelzen mit den Streichern
Magdeburg l Ein wahrlich exotisches Instrument stand im Mittelpunkt des Sinfoniekonzertes der Magdeburgischen Philharmonie - die Marimba, ein Holzstabspiel (wie das Xylophon), jedoch mit einem viel größeren Tonumfang. Resonatoren an der Unterseite der chromatisch angeordneten Klangplatten verleihen der Marimba eine besonders angenehm warme und volle Klangqualität.
Generalmusikdirektor Kimbo Ishii-Eto stand bereits mit der Marimba-Solistin und Percussionistin Eriko Daimo in Texas/USA und dem Amarillo Symphony Orchestra auf der Bühne, dessen Musikdirektor er ebenfalls ist. Nun brachte er die beeindruckende Eriko Daimo anlässlich des Sinfoniekonzertes nach Magdeburg mit.
Die junge Japanerin interpretierte mit dem Konzert für Marimba und Streichorchester des Franzosen Emmanuel Séjourné und der "Prism Rhapsody" der japanischen Komponistin Keiko Abe zwei Höhepunkte aus dem überschaubaren Konzertrepertoire für dieses noch recht junge Instrument. Denn in ihrer jetzigen Form und Größe gibt es die Marimba erst seit etwa 20 Jahren.
Schon im ersten Satz des Séjourné-Konzertes bewies Eriko Daimo mit viel Gefühl und Musikalität, wie die Klänge der Marimba und die der Streicher offenbar verschmelzen können. Zuerst stellten sich die lyrischen Violinen vor und kaum hörbar schlich sich die Marimba aus dem zartesten Pianissimo dazu - sehr beeindruckend, ebenso im Folgenden die pure Romantik à la Rachmaninow. Im rhythmischer betonten zweiten Satz entbrannte quasi ein Wettstreit zwischen Soloinstrument und Tuttistreichern. Von Energie und großer Dynamik geprägt mit Affinitäten zu Jazzrock und Flamenco führte die zarte Frau diesmal das musikalische Geschehen. Das Orchester stellte sich perfekt auf sie ein.
Die Virtuosität der Marimbasolistin wurde schließlich mit der "Prism Rhapsody" ihrer bedeutenden Landsmännin Keiko Abe herausgefordert. Abwechselnd griff Eriko Daimo zu zwei, vier oder auch sechs Schlegeln, mit denen sie eine enorme Klangfülle erzeugte. Diesmal mit vollem Orchester ergänzten Reibungen der Blechbläser, vier Schlagwerker und eng beieinander liegende Holzbläserstimmen die Rhythmik und Klangvielfalt. Faszinierende Motivzuspiele zwischen Marimba und Orchester gipfelten in großen Linien und Bildern. Die Schlussekstase glich fast einer sportlichen Übung - es wäre aber nicht die faszinierende Eriko Daimo, wenn da nicht auch noch eine Unmenge an musikalischem Empfinden zutage träte. Das Publikum war in seiner Begeisterung ebenso ekstatisch und ließ sie nur nach einer bezaubernden Zugabe von der Bühne.
Zu den Klangmalereien der Marimba passten stilistisch im zweiten Konzertteil die "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky hervorragend. Vom Komponisten ursprünglich als Klavierzyklus geschrieben, erfreut sich das Werk heute vor allem in verschiedensten Bearbeitungen für Orchester großer Beliebtheit. Die Magdeburgische Philharmonie spielte es in der Orchestrierung des Dirigenten und Pianisten Vladimir Ashkenazy, der als Interpret der Klavierfassung seine ganz eigenen, besonderen Klangvorstellungen von Mussorgskys Werk entwickelt und umgesetzt hat. Kimbo Ishii-Eto und die Magdeburgische Philharmonie folgten den Klangvorstellungen Ashkenazys bestens. Gegenüber der oft brachial angegangenen Interpretation der opulenten Ravel-Fassung wählte Ishii-Eto hier bei der entschlackten Ashkenazy-Orchestrierung eine angenehme poetische Herangehensweise.
Kluge Phrasierungen und Rubati dienten der wunderbaren Dynamik und ließen den Orchesterapparat dennoch als einheitlichen Klangkörper agieren. Auch bei rhythmisch vertrackten Stücken wie "Gnomus", "Limoges" oder der "Baba Yaga" folgte der Dirigent dem Askenazy-Gedanken "weniger ist mehr" und ließ der instrumentierten Wirkung freien Lauf. "Das große Tor von Kiew" am Schluss zelebrierten Kimbo Ishii-Eto und die Philharmoniker ohne Brachialgewalt.
Das Publikum dankte am Ende des Konzertes mit Begeisterungspfiffen und lautstarkem Trampel-Applaus.