Herbstsalon im Landesfunkhaus Wie in einer Talkshow kommt ein Dialog zustande
Marmor auf Roststelen zieht vor dem MDR-Landesfunkhaus die Blicke auf sich. Auf der grünen Wiese mit Elbpanorama weisen die Arbeiten des Magdeburger Bildhauers Wolfgang Roßdeutscher den Weg zur Ausstellung im Fernsehhaus. Zwischen Glas und Beton zeigt dort der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Sachsen-Anhalt seinen Herbstsalon.
Von Grit Warnat
Magdeburg. Die vor der grauen Betonwand stehenden Porträtplastiken von Almuth Lohmann-Zell (Halle) blicken in die Weite des Raumes. Ebenso die Porträts und Bildnisse von Petra Schwenzfeier (Halle), die für ihre Kunst Pappelholz verarbeitet hat. Durch die sparsam aufgetragene Farbe wirken die Gesichter asymmetrisch auf den Betrachter.
Die Bildnisse stehen in Kombination mit Malerei des Franzosen Geoffroy Gross. Einzelne Acryl-auf-Leinwand-Tafeln führt er mit einer Linie zu großflächigen Kompositionen zusammen. Davor auf dem Boden eine Serie kleiner Figuren. Fünf sind es, gebückt, die Arme geöffnet. "An den Horizont" hat Anne-Karen Hentschel (Halle) dieses Kunstwerk benannt.
Paare werden gezeigt von Adelheid Fuss (Halle), groß und figürlich, und von Daniel Priese (Magdeburg), klein und abstrakt.
Für Jochen P. Heite, den Vorsitzenden des BBK und Kurator des Herbstsalons, treten alle ausgestellten Arbeiten in einen Dialog. Vor allem wegen ihrer Unterschiedlichkeit, sagt er. Heite vergleicht die Ausstellung mit einer Art Talkshow, in der sich verschiedene Gäste zusammenfinden und ganz unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Ansichten und Meinungen aufeinandertreffen. "Solche Konstellationen bringen doch automatisch einen Dialog zustande", sagt Heite.
Das Verschiedene steht in diesem vierten Herbstsalon aber nicht nur für die dort präsentierten Arbeiten, sondern auch für deren Künstler. Erstmals hat der BBK zu seiner alljährlich im Landesfunkhaus stattfindenden Schau Maler und Fotografen aus Frankreich geladen. Laut Heite beteiligt sich der Landesverband damit an dem Großprojekt "Art & Dialog" des Bundesverbandes. Ausstellungen in 60 Städten laden in ganz Deutschland zeitgleich zu Kunst und Dialog ein. Heite lobt diese Gleichzeitigkeit der Veranstaltungen. Sie bringe eine stärkere regionale und überregionale Öffentlichkeit. Magdeburg sei schließlich auch im Katalog des Bundesverbandes vertreten, der Kunstinteressierten eine Übersicht über sämtliche Ausstellungen gibt.
Für Heite soll dieser internationale Austausch, dieser Dialog nicht auf 2010 beschränkt bleiben. "Ich kann mir sehr gut ein weiteres Miteinander in dieser Präsentationsform vorstellen", sagt er. Dafür seien Partner wichtig, wie beispielsweise Yves Charnay, der als Kokurator für die Franzosen Geoffrey Gross und Brigitte Perroto fungierte – und für sich. Auch von Charnay sind Arbeiten zu sehen, wie eine großflächige Abbildung seiner Installation "Die Farben des Geistes".
Kleinere Werke der französischen Künstler, die sich in der räumlichen Großzügigkeit des Landesfunkhauses verlieren würden, sind in einer Parallelausstellung im Kulturzentrum Moritzhof zu sehen. Der ARTist! e.V., Veranstalter der französischen Tage in Magdeburg, ist für die diesjährige Schau Kooperationspartner.
Der Herbstsalon ist bis zum 24. Oktober geöffnet, die Malerei von Geoffrey Gross nur bis zum 22. Oktober.
Für Kunstgespräche steht Jochen P. Heite zur Verfügung (0391) 5628511.