Philipp Löhles preisgekrönte Globalisierungssatire feiert in Magdeburg Premiere / Publikum amüsiert sich ausgiebig Zwischen Ding und Unding und Zufall
Magdeburg l Der Dramatiker Philipp Löhle errang mit seinen Werken mehrfach Preise. Für die Globalisierungssatire "Das Ding" erhielt er 2012 den Publikumspreis der "Mülheimer Stücke-Tage". Und auch bei der Premiere dieses Stückes am Freitag im Studio des Magdeburger Schauspielhauses amüsierten sich die Zuschauer von Anfang bis Ende ausgiebig.
Der Abend beginnt mit einer Audienz des Seefahrers Magellan beim portugiesischen König Manoel. Peter Weiss überzieht in der Rolle des Königs gnadenlos in Sprache, Gestik und Mimik, und der Herrscher verwandelt sich per Zugaben der Regie zu einer Witzfigur. Weiss findet große Zustimmung bei den Besuchern.
In dieser Szene offenbart sich sozusagen in der Verkehrung viel Substanz vom Ideengehalt des Textes: Wie sich Menschen geben, erzählt noch gar nichts darüber, wie sie am Ende eines Lebens gewirkt haben können. Wir alle sind nicht die Herrscher über unser eigenes Schicksal und schon gar nicht in einer globalisierten Welt. Passend dazu ist die Bühne im Grunde genommen nichts als ein Karussell, bei dem man nicht weiß, wo die Gondel anhält.
Eigentlich berichtet die Inszenierung davon, wie unsere Bemühungen, Sinnhaftigkeit im Dasein zu verankern, in ein sinnloses Ding sich wandeln. Nur das Ding selber nicht.
Das Ding ist eine Baumwoll-Blüte, die erfährt, dass sich ein Sinn erfüllt. In Südamerika aufgewachsen, dann geerntet, bearbeitet und verschifft, in China zu einem T-Shirt gewebt, welches in Deutschland ein hoffnungsvoller Nachwuchsfußballer mit seinem Namensaufdruck trägt, endet dieses Baumwollding am Ende als Abfallprodukt dort, wo es als Frucht aufwuchs. Das Ding kehrt heim und interpretiert das Unding seiner Karriere als Glück. Fazit: Nur Leben ohne Bewusstsein kann einen Sinn in dieser Welt erfühlen.
Das Ding verkörpert Susanne Krassa mit ungekünstelter, überzeugender Souveränität. In der Rolle einer Journalistin kann sie dann ihr komisches Talent zeigen. Wie sie spielen auch andere Darsteller mehrere Rollen. Komik, Groteske, aber auch Albernheit sind dabei mehr oder weniger angesagt.
Die Geschichte kommt geistig schmal daher
Der Autor hat einen Text geschaffen, der zwischen philosophischem Anspruch und banalen Aussagen schwankt. Löhle setzt Szenen und Aussagen zu- und gegeneinander und entwickelt aus einem globalen Puzzle Zusammenhänge, deren geistiger Wert vollständig in die Bewertung des Publikums verlagert wird.
Regisseur Alexander Marusch bewältigt dieses komplexe Widerspruchsgebilde, indem er Figuren mal ernst nimmt und dann wieder zum Spaß freigibt. Diese Methode macht den Abend zu einem unterhaltsamen Ereignis, dennoch drängt sich die Frage auf, ist nun alles besonders geistreich, was die Aufführung bietet, oder ist es platt und mangelt es gerade an Geist?
So viel der Premierenabend auch Anerkennung fand, bleibt doch die Überlegung, ob wir nicht mehr und besser über die globalisierte Welt Bescheid wissen, als uns der Autor mitzuteilen weiß: Die Geschichte, so verschachtelt und intellektuell aufgebläht sie sich gebärdet, ist simpel gestrickt und kommt geistig schmal daher. Aber aller Geschmack gestaltet sich inzwischen so undurchsichtig wie die globalisierte Welt. Also dann durch und durch ein Erfolg? Am Ende entscheidet vielleicht der Zufall darüber, ob eine Vorstellung ein Ding ist oder ein Unding.