1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Zwischen Himmel und Stahl

Festival Zwischen Himmel und Stahl

Auf der Waldbühne Benneckenstein findet im August das „Theaternatur“-Festival statt.

Von Grit Warnat 20.07.2020, 01:01

Benneckenstein l Janek Liebetruth, der Macher des Theaternatur-Festivals, das 2015 aus der Taufe gehoben wurde, sagt, er habe nie wirklich darüber nachgedacht, die mittlerweile sechste Auflage zu streichen. Der August als recht später Termin und die Lockerungen der Corona-Regeln haben ihm Recht gegeben, an der Austragung festzuhalten. Nur das bereits im vergangenen Jahr gedachte Motto wurde leicht verändert. Hinter „Endstation: Einheit?“ steht nicht das ursprünglich geplante Fragezeichen, sondern ein Ausrufezeichen. Mit Blick auf die Krise, so sagt der künstlerische Leiter Liebetruth, habe man Solidarität, Hoffnung, Optimismus nicht infrage stellen wollen.

Das Programm ist sportlich. Nicht nur, weil es zwei eigene Festival-Produktionen zu stemmen gilt. Andere Festivals, so sie denn stattfinden, haben sich meist für ein abgespecktes Programm entschieden. Theaternatur nicht. 15 Gastspiele sind nach Benneckenstein geladen – so viele wie nie zuvor. Aus der gesamten Bundesrepublik werden Schauspieler, Musiker und Tänzer anreisen, sagt Liebetruth. Man wolle ein optimistisches Zeichen setzen in Zeiten, in denen auch darstellenden Künstlern massenhaft Aufträge wegbrachen und bis heute die Branche am Darben ist.

80 Bewerbungen gab es auf ein sogenanntes Open Call. Der Ruf aus Benneckenstein zog, auch wenn die meisten wohl nicht einmal wissen, wo der Ort liegt. Jetzt reisen sie an aus Leipzig, München, Berlin, Bochum, Göttingen, Köln, Düsseldorf. Wie Lunatiks aus Berlin. Die Schauspieler erzählen in „Blühende Landschaften. Stahl“, was bleibt, wenn ein Industriestandort verschwindet. Ausgangspunkt war ein Rechercheprojekt im Stahl- und Walzwerk Brandenburg, dessen Beschäftigte Treuhandverkauf, Modernisierung und Entlassungen erlebten und aus ihrem Arbeitsleben erzählten. Im dortigen Industriemuseum gab es 2019 die Premiere. Jetzt ist Produktion zu Gast zwischen Bäumen auf der Waldbühne.

In deren 70. Jahr gibt es nun zweieinhalb Wochen Schauspiel, Performances, Konzerte, auch Tanz und viel junges Theater. Zudem geht das Festival erstmals in den öffentlichen Raum. Mit dem Format Ha(e)rzarchiv“ bespielt der Verein Kulturrevier Harz Räume im Leerstand.

„Theaternatur“ startet am 7. August. Dann wird Liebetruths Handschrift als Regisseur zu sehen sein. Das Stück „Es ist noch nicht so weit“ ist eine Uraufführung, der Text stammt von Sören Hornung, einem Nachwuchsautor. Hornung hatte für das Festival im vergangenen Jahr bereits das Stück „Die Legende von Sorge und Elend“ geschrieben und mit Liebetruth für diese Auftragsproduktion zusammengearbeitet. Nun also Klappe zwei.

„Es ist noch nicht so weit“ – wer kennt sie nicht, diese Worte aus dem Sandmann-Lied, die neugierig machen sollen auf die Geschichte um den Sandmann Ost und den Sandmann West, die in Benneckenstein aufeinandertreffen. Es gibt nur einen Gewinner des Abendgrußes: Das ist der erfolgreiche Kollege aus dem Osten.

Überhaupt ziehe sich im 30. Jahr der Einheit Ost und West wie ein roter Faden durchs Programm, sagt der Festivalchef. Damit knüpfe man an das vergangene Jahr an, als drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall bereits Gemeinsamkeiten, Vorurteile, Klischees theatral ausgeleuchtet wurden. Bis 23. August wird gespielt. Die Waldbühne wird coronabedingt auf 200 Besucher begrenzt. Liebetruth bittet um einen Online-Kartenvorverkauf.

Karten kosten zwischen 5 und 26 Euro. Alle Veranstaltungen und Tickets unter www.theaternatur.de