Staßfurt/Schönebeck l Ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Busse und Bahnen, Behörden, Abwasser- und Müllentsorgung. Standards sind gesetzt. In vielen Bereichen sogar relativ hoch. Doch das Angebot richtet sich an immer weniger Menschen, die das als Solidargemeinschaft tragen. Die Bevölkerung schrumpft. Weil sie aber auch immer älter wird, muss sich alles Vorgehaltene eher noch verbessern und auf die neuen Bedingungen ausrichten. Im Salzland sprechen die Zahlen für sich. Laut der neuesten Bevölkerungsprognose für das Land Sachsen-Anhalt nimmt die Bevölkerung im Salzlandkreis bis 2030 um 17 Prozent ab. Elf Prozent der Menschen hier sind Kinder und Jugendliche, 36 Prozent Rentner. Zu Beginn der 1990er Jahre war das noch umgekehrt.

Der demographische Wandel bringt viele Herausforderungen mit sich. Der Salzlandkreis will diese Entwicklungen nicht abwarten, sondern gestalten und in der Praxis tragfähige Lösungen finden. In Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium sowie dem RKW Sachsen-Anhalt (Rationalisierungs- und Innovationszentrum) und unter der Schirmherrschaft von Landrat Markus Bauer will die Kreisverwaltung Schwerpunkte auf Versorgung und Mobilität setzen. Deren langfristige Sicherung ist der Inhalt eines Modellprojektes.

Auftakt in Staßfurt

Dafür gab es am Montag die offizielle Auftaktveranstaltung in Staßfurt, Projektende ist 2018. Zu dem Abend im Sparkassenschiff waren Vertreter aus der Politik, aus Wirtschaft, Sozialbereich und Kultur, aber auch von Vereinen und Institutionen eingeladen. Auch Bürger werden nach dem offiziellen Auftakt beteiligt. „Nur unter der Mitwirkung aller Zielgruppen können moderne Standortkonzepte und Mobilitätsangebote entwickelt und umgesetzt werden“, sagt Landrat Markus Bauer. Die Ansätze des Vorhabens seien langfristig ausgerichtet.

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Der Salzlandkreis ist eine von 18 Modellregionen im Bund (Beitrag unten). Bis 2018 gibt es umfangreiche Analysen und ein Konzept wird entwickelt. „Das Ziel ist der Erhalt der Wirtschaftskraft und der Lebensqualität im Salzlandkreis durch eine langfristige Sicherung von Daseinsvorsorge und Mobilität.“ Es gehe, so der Kreischef, um die Sicherung ortsnaher Versorgung mit öffentlichen und privaten Dienstleistungen sowie bedarfsgerechter Mobilität.

Das alles klingt sehr theoretisch. Am Ende des Modellprojektes soll aber der Entwurf eines kreisweiten Kooperations- und Mobilitätskonzeptes stehen, das auch auf den Salzlandkreis ausgerichtete Strategien beinhaltet und flexibel auf sich verändernde Gegebenheiten reagiert. In diesem und im nächsten Jahr wird daraufhin gearbeitet. „Versorgung“ und „Mobilität“ sind die Leitbegriffe der Doppelstrategie. Zunächst gibt es eine Bestandsaufnahme für die Versorgung mit Daseins- und Nahversorgung sowie für die Mobilität mit ihren Verkehrs- und Mobilitätsnetzen. In einem zweiten Schritt sollen „zukunftsfeste“ Versorgungszentren identifiziert werden, die auf einen Bevölkerungskreis ausstrahlen. Schließlich sollen hieraus sogenannte Kooperationsräume mit einem Zentrum entstehen, die ein breites Angebot der Versorgung - vom Einkauf über die Medizin bis zu Dienstleistungen - vorhalten und mit dem Öffentlichen Personennahverkehr oder dem Individualverkehr auch immer zugänglich sind. Standort- und verkehrsplanerische Ansätze werden zusammengeführt. „Angebote der Daseinsvorsorge werden mittel- und langfristig an räumlich möglichst günstigen Standorten gebündelt, um damit deren wirtschaftliche Tragfähigkeit und Erreichbarkeit langfristig sicherzustellen“, sagt Markus Bauer.

Landrat Bauer: Eine Chance für den Kreis

Der Kreischef glaubt, dass die Durchdringung des Salzlandkreises anhand dieser Themen einen Mehrwert für seine zukünftige Ausrichtung hat. Dabei müsse nicht überall das Rad neu erfunden werden, sagt der Kreischef mit Blick auf Medizinzentren, Rufbusmöglichkeiten oder Fahrangebote zu Einkaufsmöglichkeiten. „Aber wir bringen das alles in eine in sich schlüssige Systematik, die uns unter den gegebenen Bedingungen nicht überfordert.“ Markus Bauer spricht deshalb von einer „zweieinhalbjährigen Chance“ und einem „Beispiel der Generationenzusammenführung“, wenn er auf den Zeitraum des Modellvorhabens zur Sicherung von Versorgung und Mobilität im Salzlandkreis blickt.