1. Startseite
  2. >
  3. Leben
  4. >
  5. Auto
  6. >
  7. Autotest: Im Mercedes Zetros durch die eisige Wildnis der Mongolei

Autotest Im Mercedes Zetros durch die eisige Wildnis der Mongolei

Eisige Temperaturen, gefrorene Landschaft und buckelige Pisten – die mongolische Steppe im Winter ist kein Traumziel. Außer man reist im Mercedes Zetros 6x6 mit kuscheligem Wohncontainer.

Von Thomas Geiger, dpa 17.02.2026, 00:05
Passanten passieren selten: Falls sie dem Zetros dann doch begegnen, kommen sie meist auf allen Vieren daher.
Passanten passieren selten: Falls sie dem Zetros dann doch begegnen, kommen sie meist auf allen Vieren daher. Fabian Hoberg/dpa-tmn

Berlin - Eine Eiswüste bis zum Horizont, weit und breit kein Zeichen der Zivilisation und die letzte asphaltierte Straße liegt zwei Tage zurück im Süden – normale Autourlauber verirren sich selten in die nördliche Mongolei. Erst recht nicht im tiefsten Winter.

Doch wer einen Mercedes Zetros 6x6 fährt, ist ja auch nicht normal. Zumindest nicht, wenn er das freiwillig tut, privat und dann auch noch in den Ferien. Schließlich wird dieser extrem geländegängige Lastwagen für niedrig sechsstellige Preise mittlerweile eigentlich nur ans Militär oder an Katastrophenschützer verkauft. Und hinten drauf ist dann meist nicht viel mehr als eine Pritsche mit Plane oder irgendwelches Werkzeug.

Doch wer in seinem Urlaub gerne abseits ausgetretener Pfade fährt und das auch noch antizyklisch, der ist mit dem ganz großen Bruder der G-Klasse bestens bedient. Erst recht, wenn ihn ein Spezialunternehmen für noch einmal das gleiche Geld zum Luxus-Wohnmobil ausgebaut hat. 

Der Mercedes für Abenteurer wie Marco Polo

Dann nämlich verliert selbst das am wenigsten dicht besiedelte Land der Welt, das wir vor allem aus den Erzählungen Marco Polos kennen, seinen Schrecken. Auch wenn es dort auf mehr als viermal so viel Fläche wie Deutschland weniger asphaltierte Straßen gibt als in Berlin. Weder die spärliche Infrastruktur noch die Temperaturen zweistellig unter Null können einem die Urlaubsfreude vermiesen und wo andere noch nach der Straße suchen oder vergebens auf den Winterdienst warten, fährt der Zetros einfach weiter.

Wozu hat er schließlich nicht nur vier, sondern gleich sechs angetriebene Räder, jedes davon mehr als hüfthoch und mit Stollen groß wie Bauklötze. Zu den acht Standardgängen gibt es noch einmal genauso viele für die Untersetzung sowie drei Differenzialsperren, und sollte das meterdicke Eis auf Seen wie dem Dood Tsagaan den bis zu 27 Tonnen schweren Koloss mal nicht mehr tragen, sichern ihm 1,20 Meter Wattiefe trotzdem oftmals das Weiterkommen.

Ein gemütlicher Koloss in der Eiswüste

Dafür müssen sich Pkw-Fahrer allerdings ein wenig umstellen. Das beginnt bereits beim Ein- oder besser: beim Aufsteigen. Weil man wie auf einen Hochsitz klettert, bevor man sich in den luftgefederten Sessel fallen lässt. Dann liegt einem ein Lenkrad vor der Brust. Das ist so groß wie ein Gullydeckel, aber viel zu leichtgängig für den heißen Ritt auf der Ideallinie, wie wir in vom Sportwagen gewohnt sind.

Macht nichts, schließlich ist der Zetros von der gemütlichen Sorte. Zwar leistet sein 7,2 Liter großer Diesel solide 240 kW/326 PS und geht mit imposanten 1.300 Nm zu Werke, und dumpfes Röhren hallt wie ein ferner Donner kilometerweit durch die mongolische Steppe. Aber wenn sich mit lauten Zischen die Druckluftbremse löst, braucht es viel Geschick im Spiel mit dem manuellen Getriebe und fein dosiertes Zwischengas, um den Bullen von Benz überhaupt in Bewegung zu bringen. Und wenn er mal Fahrt aufnimmt, läuft der Sekundenzeiger schneller als der Tacho durch die analogen Instrumente.

Trampolinspringen auf dem Hochsitz 

Selbst wenn es hier kaum Straßen und deshalb auch keine Verkehrsordnung gibt und niemanden das europäische Laster-Limit von 80 km/h interessiert, sind mehr als 100, bergab vielleicht auch mal 110 km/h nicht drin. Und dann muss man schon sehr vorausschauend fahren und den Finger immer am Hebel für die Motorbremse haben, damit der Koloss nicht außer Kontrolle gerät. Denn lange bevor man den Laster mit der klassischen Bremse per Fuß zügelt, wirkt sie auf Motor und Getriebe und nimmt Fahrt heraus 

Außerdem achtet man besser auf Bodenwellen unter dem Schnee, aufgetürmte Eisschollen oder die Stämme der unter weißen Massen umgestürzten Bäume. Nicht, dass sie den Zetros stoppen könnten. Doch der Fahrer hüpft auf seinem luftgefederten Bock dann wie ein Kind auf dem Trampolin.

Dafür allerdings fühlt man sich wie der große Khan persönlich, wenn man so erhaben sitzt und scheinbar mühelos seinen eigenen Weg spurt. Bis irgendwann ein Knacken durch den Lärm dringt, einem in Mark und Bein fährt und man plötzlich doch ein Eisbad im Dood Tsagaan-See fürchtet. Selbst wenn die Einheimischen so vehement auf dessen Tragkraft schwören, dass man sie auch ohne Worte versteht.

Allein auf weiter Flur 

Rücksicht und Umsicht, die Grundtugenden im europäischen Straßenverkehr und unumgänglich im Umgang mit einem Wagen von mehr als acht Metern Länge, 2,50 Metern Breite und bald vier Metern Höhe, kann man in der Mongolei getrost ablegen. Denn andere Autos bekommt man hier oft stunden-, ja manchmal tagelang nicht zu Gesicht. Und ein paar Hirten mit ihren Schaf- oder Yak-Herden sind die einzigen Lebewesen in dieser Einöde.

Was man vor allem im Winter auch nicht sieht, das sind Straßen. Oft gibt es nicht einmal Spuren, sondern man fährt einfach dem Horizont entgegen wie ein Kapitän auf hoher See und freut sich daran, dass man hier oben in der Kabine des Zetros einen Panoramablick hat wie sonst keiner.

Der Weg ist das Ziel

Ob und wann man den Horizont erreicht, das steht heute allerdings genauso in den Sternen wie damals vor 500 Jahren, als Marco Polo die Abenteuerlust und der Geschäftssinn an den Hof des Dschingis Khan führten. Reisen in der winterlichen Mongolei sind auch heute schwer planbar, weil man nie weiß, ob man sich jetzt auf einer offiziellen Piste befindet oder sich gerade selbst seine Strecke planiert. Und weil hinter jeder Kurve oder Kuppe eine eingestürzte Holzbrücke, eine eisige Rutschbahn oder eine haushohe Schneewehe warten kann. Aber das stört echte Abenteurer nicht.

Denn erstens ist bei solchen Reisen eigentlich immer der Weg das Ziel, und zweitens wartet am Ende der Fahrt ohnehin nicht viel mehr als die Gästedecke in einer Jurte der Nomaden oder die Pritsche im einzigen Schlafsaal des einzigen örtlichen, nun ja, Hotels, wie sie so manche Bretterbude euphemistisch nennen.

Luxus-Oase in einer unwirtlichen Welt

Gut, dass der Zetros sein Appartement deshalb immer dabeihat. Erst recht, weil der Besitzer nicht aufs Geld, dafür aber auf seinen Komfort geschaut und ihn zur Luxus-Oase in der Einöde aufrüsten lassen hat. Es gibt deshalb nicht nur eine Küchenzeile samt Spülmaschine und eine gemütliche Sitzecke, sondern auch ein kleines Marmorbad mit Fußbodenheizung und eine Mastersuite mit mehr Komfort als in den meisten Hotelzimmern. Erst recht in denen, die man in der Mongolei so findet - die Hauptstadt Ulaanbaatar eingeschlossen.

Im Kuschelbett auf Abenteuer-Kurs

Eingehüllt in eine kuschelige Decke mit Kaminfeuer auf dem Flachbildschirm und Kaffeeduft aus der Küchenzeile – schöner kann ein Urlaubstag kaum beginnen. Wenn man nur bei -25 Grad nicht zwischendurch mal nach draußen müsste, um vorn in die Kabine zu klettern und den Diesel mit der Standheizung eine Viertelstunde vorzuwärmen, damit der Sechszylinder überhaupt zum Leben erwacht.

Fazit: Bis ans Ende der Welt und dann einfach immer weiter

Dann allerdings steht einem ein neuer Tag voller Abenteuer offen. Und dass auch der nicht reichen wird, um wieder zurück in die Zivilisation zu kommen, das stört hier niemanden. Solange noch Diesel im 500-Liter-Tank ist und frisches Wasser in diversen anderen, so lange zieht es hier keinen heim, sondern man fährt bis ans Ende der Welt und danach einfach immer weiter. Marco Polo ist schließlich auch 17 Jahre in der Mongolei geblieben.

Und Kontrollanrufe von zu Hause sind auch nicht zu befürchten. Denn auch wenn der Zetros so ziemlich alle Extras bietet, hat sich der Besitzer hier aus gutem Grund gegen eine Satelliten-Antenne entschieden. Warum sollte man sich schließlich mit so einem Auto alle Freiheiten erkaufen, die es auf Rädern gibt, nur damit ein einziges Telefonat die wieder zunichtemacht? 

Datenblatt: Mercedes Zetros 6x6 (Umbau: Hartmann Spezialkarosserien)

Motor und Antrieb:
Sechszylinder-Diesel
Hubraum:
7.200 ccm
Max. Leistung:
240 kW/326 PS
Max. Drehmoment:
1.300 Nm
Antrieb:
6x6-Allradantrieb
Getriebe:
16-Gang-Schaltgetriebe

 

Maße und Gewichte
 
Länge:
8.329 mm
Breite:
2.530 mm
Höhe:
2.830 plus Aufbauten
Radstand:
4.750 +1.450 mm
Gesamtgewicht:
ca. 27.000 kg