Stunde der Abrechnung

Strom tanken - und bezahlen

Eigentlich ist Strom tanken einfach: Stecker rein und los. Aber es gibt unzählige Tarife und Anbieter. Wer nicht den passenden Zugang hat, geht leer aus, so die Befürchtung vieler Kunden. Zurecht?

Von Claudius Lüder, dpa
Rüssel unter Strom: Das Aufladen von E-Autos fühlt sich in einigen Momenten nicht viel anders an, als das Tanken beim konventionellen Verbrenner.
Rüssel unter Strom: Das Aufladen von E-Autos fühlt sich in einigen Momenten nicht viel anders an, als das Tanken beim konventionellen Verbrenner. Zacharie Scheurer/dpa-tmn

München - Rund 24.500 Stromtankstellen mit unterschiedlich vielen Ladepunkten gibt es derzeit in Deutschland. Besonders gut ist die Versorgung in Ballungszentren und entlang der Autobahnen.

„War es vor ein paar Jahren aufgrund weniger Lademöglichkeiten noch schwierig mit dem E-Auto vom Norden in den Süden zu fahren, ist das heute absolut kein Problem mehr“, sagt Guy Weemaes vom Portal GoingElectric.de. Dieses veröffentlicht Statistiken und News über Stromtankstellen, Ladekartenanbieter und Elektromobilität.

Doch während Autofahrer mit einem Verbrennermotor ihren Sprit einfach bar oder mit Giro- oder Kreditkarte bezahlen können, benötigt der E-Autofahrer einen Zugang zum Ladenetz des Anbieters.

Adhoc oder mit Vertrag

„Grundsätzlich gibt es dafür zwei Bezahlmöglichkeiten: Entweder über einen Ladevertrag mit dem Anbieter oder mit der Adhoc-Variante“, sagt Matthias Vogt vom ADAC-Technikzentrum. Bei einem Ladevertrag registriert sich der Kunde beim Anbieter und erhält dann eine Karte oder einen Chip, mit dem er die Ladesäule freischalten kann. Auch über die Anbieter-App ist das in der Regel möglich. „Die Abrechnung erfolgt dann meist monatlich über die hinterlegte Zahlungsart, also eine Kreditkarte zum Beispiel“, so Vogt.

Die Adhoc-Zahlung ist seit 2017 vorgeschrieben. Sie soll es ermöglichen, auch ohne Vertrag Strom zapfen zu können. „Im Grunde soll das der Zahlung mit Bargeld oder Girokarte an der Tankstelle entsprechen“, sagt Vogt. „Meistens müssen die Autofahrer dann einen QR-Code einscannen und kompliziert über eine Webseite oder heruntergeladene App bezahlen.“

Was wie für was abgerechnet wird

Unklar bleibt oft, was tatsächlich für eine Stromladung fällig wird. „Die großen Anbieter rechnen inzwischen alle rein nach Kilowattstunden ab, was fair und nachvollziehbar ist“, sagt Weemaes. Wer sein Fahrzeug besonders lange auflade, bezahle zudem oft einen Zuschlag von beispielsweise zehn Cent pro Minute ab vier Stunden Ladedauer. Nach wie vor aber gebe es auch Ladesäulenbetreiber, die nach Minuten abrechnen würden. Hat ein Auto nur eine langsame Ladeeinheit, kann das eine teure Geschichte werden“, sagt Weemaes. Aber auch die Abrechnung nach Kilowattstunde kann teuer werden, denn die Preise variieren stark.

„Einige Anbieter wie EinfachStromLaden oder Plugsurfing haben Festpreise, bei anderen gibt es keinen einheitlichen Preis für die Kilowattstunde oder Minute. Da sollte der Kunde sich unbedingt vorher informieren, wie viel er an der betreffenden Ladesäule bezahlen muss“, rät Weemaes.

Insgesamt gibt es inzwischen viele Anbieter, die gut vernetzt sind und ihren Kunden mit Ladekarten den Zugang zu Ladesäulen in ganz Deutschland und Europa anbieten. „Man kann den Markt ein bisschen mit dem Mobilfunkmarkt vergleichen: Es gibt Ladesäulenbetreiber und zahlreiche Elektromobilitätsprovider, die auf die Ladesäulen der Betreiber zugreifen und Ladetarife anbieten“, sagt Vogt.

Insgesamt listet GoningElectric.de über 250 Ladekartenanbieter an, 34 mit je mehr als 50.000 Ladepunkten. Die Tarifstrukturen der Anbieter sind höchst unterschiedlich. Daneben haben einige Anbieter auch Tarife für Vielfahrer, die dann eine monatliche Grundgebühr beinhalten, jedoch günstigere Preise für die Kilowattstunde. „Höher sind die Preise grundsätzlich für die Schnellladesysteme mit Gleichstrom, die liegen meist zehn Cent über den Wechselstrom-Preisen“, sagt Weemaes.

Wie finde ich den günstigsten Anbieter?

Welcher Anbieter der günstigste ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. „Das hängt auch vom Lade- und Nutzungsverhalten ab. Vielfahrer aber haben immer gleich die Ladekarten von mehreren Anbietern in der Tasche“, weiß Vogt. Zumal es auch passieren könne, dass der Strom an einer Ladesäule bei dem einen Anbieter 50 Cent pro Kilowattstunde koste und bei einem anderen 70 Cent. Grundsätzlich teurer sei aber meist das Adhoc-Laden ohne Vertrag, auch wenn es dafür keine nachvollziehbaren technischen Gründe gebe.

Günstiger als an den öffentlichen Ladesäulen ist der Strom übrigens fast immer Zuhause. „Der normale Hausstrom liegt bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde“, so Vogt. „Noch günstiger und vor allem nachhaltiger ist natürlich der Strom von der eigenen Solaranlage, der kostet den E-Autofahrer nur noch rund zehn Cent pro Kilowattstunde“. Aber es geht noch preiswerter. „Zwar ist der Anteil an kostenlosen Stromtankstellen geringer geworden, speziell aber einige Supermarktketten wie Aldi, Kaufland und Lidl bauen ihre Ladenetze nach wie vor weiter aus“, sagt Weemaes.

Moderne Zeiten: Sieht so aus wie eine Zapfsäule - ist auch eine, nur eben für Strom.
Moderne Zeiten: Sieht so aus wie eine Zapfsäule - ist auch eine, nur eben für Strom.
Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Und App dafür: Beim Aufladen von E-Autos kann auch das Smartphone eine wichtige Rolle spielen.
Und App dafür: Beim Aufladen von E-Autos kann auch das Smartphone eine wichtige Rolle spielen.
Zacharie Scheurer/dpa-tmn
An die Leine legen: Strom tanken kann beim E-Auto zuweilen etwas unübersichtlich werden - viele Anbieter und unterschiedliche Möglichkeiten zur Abrechnung.
An die Leine legen: Strom tanken kann beim E-Auto zuweilen etwas unübersichtlich werden - viele Anbieter und unterschiedliche Möglichkeiten zur Abrechnung.
Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn