Tourismus Wenn der Schlafplatz mitfährt: Caravan Salon zeigt Neuheiten
Mit Wohnwagen oder Wohnmobil zu verreisen, ist weiterhin beliebt. Was die Branche zu bieten hat, zeigt sie jedes Jahr in Düsseldorf. Zielgruppe sind dabei nicht nur vermögende Menschen.

Düsseldorf - Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: In Düsseldorf ist die Camping-Messe Caravan Salon gestartet. Zehn Tage lang werben vor allem Hersteller von Wohnmobilen und Wohnwagen für ihre Neuheiten. Auch Zubehör und Reiseziele werden präsentiert. Die Anzahl der Aussteller ist mit 810 so hoch wie noch nie. Es ist die weltweit größte Messe für Reisemobile und Caravans, sagt die Messe Düsseldorf.
Wer über einen neuen Wohnwagen nachdenkt, sich den Kauf eines Wohnmobils vorgenommen hat oder es erst mal mit einem Dachzelt probieren möchte, dürfte auf der Messe fündig werden.
So zeigt etwa der Hersteller Vickywood sein Dachzelt Little Bamboo 125, das einschließlich Leiter für 1.043 Euro zu haben ist. Es wiegt 49 Kilogramm und kann damit laut Hersteller auch auf Kleinwagendächer montiert werden.
Mini-Campinganhänger wiegt 220 Kilogramm
Bodennäher schläft man in einem Mini-Campinganhänger namens Shelter Travel von der Firma Kleox. Auch er besteht nur aus einem Schlafraum, in dem zwei Erwachsene Platz finden. Glasfaserverstärkter Kunststoff bildet die Außenhaut. 220 Kilogramm wiegt das rollende Zelt. Es kostet 6.290 Euro.
Klassische Wohnwagen in Leichtbauweise etwa für Elektroautos gibt es schon länger. Fendt-Caravan stellt in Düsseldorf ein neues Modell vor, das voll ausgestattet rund 1.000 Kilogramm wiegt. Der 5,88 Meter lange Wagen heißt Next 380 und kostet in der Grundausstattung 18.900 Euro.
Rolling Home ist ein umgebauter Bauwagen
Aufmerksamkeit erregen dürfte man auf Campingplätzen auch mit dem Wohnwagen Rolling Home, den der Hersteller HBU auf Basis eines Bauwagens fertigt. Das Grundmodell ohne Toilette und mit einer Außenlänge von 3,70 Meter bietet drei Schlafplätze und kostet 14.480 Euro. Auf Wunsch ist eine 100-km/h-Zulassung möglich.
Am oberen Ende der Preisskala bewegt sich das Modell Perfect 1200 Assoluto von Variomobil. Gut 2,8 Millionen Euro muss ein Käufer dafür hinlegen. Er bekommt dafür ein Luxus-Wohnmobil mit drei Achsen, 530 PS und einer integrierten Pkw-Garage. Vier ausfahrbare Erker ermöglichen den Bewohnern des Fahrzeugs die Nutzung eines Kingsize-Betts, das in einem zehn Quadratmeter großen Schlafzimmer steht. Alles ausgefahren stehen insgesamt rund 30 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Fahrzeuge werden einzeln angefertigt. Der Bau des ausgestellten Modells in Düsseldorf dauerte nach Herstellerangaben anderthalb Jahre.
Camping-Aufsatz für den Tesla Cybertruck
Der Cybertruck von Tesla wird bislang nur in Nordamerika verkauft. Kein Grund für Hotomobil, in Düsseldorf nicht seinen starren Wohnaufsatz für den Elektro-Pick-up zu zeigen. Cyberglad heißt der absetzbare Truck-Camper, der in der Grundausstattung für zwei Personen ausgelegt ist. Die Preistabelle startet bei 66.000 US-Dollar, was ungefähr 56.600 Euro entspricht.
Bastler sollen bei der Messe ebenfalls auf ihre Kosten kommen: Wer sein Fahrzeug selbst ausbauen will, kann sich in einer „Erlebniszone Abenteuer Selbstausbau“ Tipps bei Experten holen. Vier selbst ausgebaute Fahrzeuge sollen zeigen, was in der eigenen Garage möglich ist.
Dethleffs zeigt Elektro-Reisemobil-Studie
Dethleffs präsentiert eine weitere Fahrzeugstudie zum Thema Nachhaltigkeit. Das e.home Eco ist ein Elektro-Reisemobil mit einer Reichweite von aktuell noch 240 Kilometern. Beim Bau wurden nachwachsende Rohstoffe wie Flachs oder Mais verwendet. In der Isolierung verwendeten die Konstrukteure einen Spezialschaum aus recycelten PET-Flaschen. Auf den Markt kommt dieses Gefährt noch nicht. Allerdings will Dethleffs 2028 einen Campervan mit mindestens 400 Kilometer Reichweite auf den Markt bringen.
In Deutschland fahren 200 batteriebetriebene Reisemobile
Elektrisch betriebene Wohnmobile sind bislang die Ausnahme auf deutschen Straßen. Laut Caravaning Industrie Verband (CIVD) sind aktuell in Deutschland rund 200 batterieelektrisch angetriebene Reisemobile und weitere etwa 200 Hybridmodelle zugelassen. „Es wird noch einige Jahre dauern, bis elektrische Reisemobile in der Breite verfügbar sind“, sagte CIVD-Verbandssprecher Jonathan Kuhn auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Aktuelle Batterielösungen seien aufgrund des ungünstigen Verhältnisses von Gewicht und Reichweite derzeit nicht für Reisemobile geeignet. Sie seien zu schwer und hätten noch eine zu geringe Reichweite. „Diese eingeschränkte Reichweite lässt sich auch mit dem typischen Reiseverhalten von Reisemobilen nicht vereinbaren“, so Kuhn. Auch sei die Ladeinfrastruktur vor allem im Ausland noch ausbaufähig. „Darüber hinaus würden die heute verfügbaren elektrischen Lösungen mit deutlichen Preissteigerungen einhergehen, die insbesondere im Einsteigersegment viele potenzielle Käufer abschrecken würden.“
Der Caravan Salon geht noch bis zum 7. September. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als 250.000 Menschen die Messe.
Info:
Zahl der Übernachtungen auf Campingplätzen gestiegen
Laut Caravan-Salon-Direktor Stefan Koschke ist Caravaning eine Urlaubsform, die dauerhaft an Bedeutung gewinnt. So seien laut Statistischem Bundesamt 2024 rund 42,9 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen gezählt worden. Das seien 1,4 Prozent mehr als 2023 und fast 20 Prozent mehr als 2019.
Die Zahl der in Deutschland zugelassenen Wohnmobile hatte laut Caravaning Industrie Verband (CIVD) im April die Millionen-Marke überschritten. Hinzu kommen rund 800.000 Wohnwagen. Nach Angaben des Branchenverbandes wurden zwischen Januar und Juli knapp 65.300 neue Freizeitfahrzeuge zugelassen, 3,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Die Zahl der neu zugelassenen Wohnwagen ging dabei um rund zehn Prozent auf rund 13.500 zurück. Gleichzeitig wurden etwa 51.800 Wohnmobile zugelassen, 1,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.