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von o bis o?

Winterreifen: Wann wird gewechselt und was ist bei Kauf und Nutzung zu beachten?

Von Oktober bis Ostern sollten Winterreifen gefahren werden. Ist nun also die Zeit gekommen, sich von den Sommerreifen zu verabschieden? Und was gilt es rund ums Thema Winterreifen außerdem zu wissen?

Von Linda May van Bui Aktualisiert: 14.10.2022, 11:20
Von Oktober bis Ostern auf Winterreifen: An dieser Faustregel kann sich grob orientiert werden, um die Winterreifen aufziehen zu lassen. Foto: Patrick Pleul/
Von Oktober bis Ostern auf Winterreifen: An dieser Faustregel kann sich grob orientiert werden, um die Winterreifen aufziehen zu lassen. Foto: Patrick Pleul/ dpa/ Symbol

Magdeburg/DUR - Der Herbst steht in den Startlöchern. Ganz allmählich halten nun die kalten und nassen Tage Einzug. Höchste Zeit die Winterreifen aufzuziehen? Wann sollten die Sommerreifen runter und was ist beim Wechsel zu beachten? Der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt gibt Auskunft und Tipps.

Von Oktober bis Ostern: Wann sollte man Winterreifen aufziehen?

In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Es gibt also laut Straßenverkehrsordnung (StVO) keinen vorgeschriebenen Zeitraum für Winterreifen, vielmehr ist die Witterung entscheidend. Das bedeutet, dass bei winterlichen Straßenverhältnissen wie Eis-, Reif- oder Schneeglätte sowie Schneematsch und Glatteis Winterreifen montiert sein müssen.

Bereits bei Temperaturen unter sechs Grad Celsius bieten Winter- bzw. Ganzjahresreifen deutlich mehr Sicherheit als Sommerreifen. Sobald die Witterungsverhältnisse also schlechter werden und erste Nachtfröste anstehen, wird es Zeit für den Reifenwechsel.

Davon abgesehen besteht ohnehin eine gesetzliche Pflicht zur Winterbereifung – schon bei Reifglätte. Hält man sich nicht daran, drohen Bußgelder in Höhe von 60 Euro bis 80 Euro und Punkte in Flensburg - im Falle eines Unfalls sogar der Verlust des Versicherungsschutzes.

Welche Anforderungen müssen Winterrreifen erfüllen?

Winterreifen sollten - wie alle Reifen - nicht älter als sechs Jahre alt sein und ausreichend Profil haben. Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, doch der ADAC empfiehlt mindestens 4 Millimeter. Ein Tipp zum Prüfen der Profiltiefe: der goldene Rand der 1-Euro-Münze ist exakt drei Millimeter breit, er sollte also nicht mehr sichtbar sein. Aktuelle Winterreifen erkennt man übrigens am Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke, welches sich auf dem Reifen befinden sollte. 

Sind M+S Reifen wintertauglich?

Ganzjahresreifen mit dem M+S-Symbol sind grundsätzlich erlaubt. Doch seit dem 1. Januar 2018 reicht dies für Neureifen nicht mehr aus. M+S-Reifen ohne zusätzliches Berg-Schneeflocke-Symbol gelten nur noch bis zum 30. September 2024 als wintertauglich, wenn sie vor dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden. Die Abkürzung M+S steht für Matsch und Schnee.

Wintertauglich: Alle Winterreifen, die seit dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden, brauchen das Berg-Schneeflocke-Symbol, um als wintertaugliche Bereifung durchzugehen.
Wintertauglich: Alle Winterreifen, die seit dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden, brauchen das Berg-Schneeflocke-Symbol, um als wintertaugliche Bereifung durchzugehen.
Foto: symbol

Winterreifen können im Zweifelsfall zwischen Leben und Tod entscheiden

Sommerreifen benötigen auf glatter Fahrbahn häufig einen doppelt so langen Bremsweg wie Winterreifen. Wertvolle Meter, die unter Umständen über Leben und Tod entscheiden können. Auch Ganzjahresreifen sind immer ein Kompromiss, beispielsweise für Stadt- oder Wenigfahrer, denn sie benötigen im Durchschnitt etwa eine Fahrzeuglänge mehr zum Anhalten als gute Winterreifen.

Auch der Unterschied zwischen abgefahrenen und neuen Winterreifen ist laut ADAC deutlich. Ein Reifen mit 2 Millimeter Profil kann einen doppelt so langen Bremsweg benötigen wie ein neuer, der in der Regel 8 bis 9 Millimeter Profiltiefe besitzt.

So unterschiedlich können Bremswege ausfallen.
So unterschiedlich können Bremswege ausfallen.
Grafik: ADAC

Was ist, wenn ich mit Sommerreifen im Winter einen Unfall habe?

Sollte es zu einem Unfall mit Sommerreifen im Winter kommen, können wegen grober Fahrlässigkeit Leistungen in der Kaskoversicherung gekürzt werden, so der ADAC. Auch mit der Haftpflichtversicherung kann es Probleme geben, weil es passieren kann, dass sich der Fahrer - je nach Einzelfall - ein Mitverschulden anrechnen lassen muss.

Winterreifenpflicht: Gibt es Ausnahmen?

Die Winterreifenpflicht gilt unter anderem für folgende Fahrzeuge nicht:

  • einspurige Kraftfahrzeuge (zum Beispiel Motorräder)
  • Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft
  • motorisierte Krankenfahrstühle

Welche Winterreifen sich auf nassen und eisigen Straßen besonders gut bewährt haben, hat der ADAC im Winterreifentest zusammengefasst.

Darf man im Sommer mit Winterreifen fahren?

Kraftfahrer, die im Sommer mit Winterreifen unterwegs sind, verhalten sich zwar nicht rechtswidrig - allerdings auch nicht sonderlich sinnvoll. Experten sehen in der Nutzung von Winterreifen bei warmen Temperaturen vor allem ein Sicherheitsproblem.

Im Sommer haben Winterreifen deutliche Schwächen gegenüber Sommer- oder Ganzjahresreifen. Auch beim Fahrverhalten auf nasser Fahrbahn, in Kurven und beim Verschleiß schneiden die Winterpneus schlechter ab.