AUSFLUGSTIPPS Schritt für Schritt abschalten: Fünf Routen für einen schönen Spaziergang in Sachsen-Anhalt
Ein Spaziergang pustet Kopf und Körper ordentlich durch – ganz ohne aufwendige und zeitraubende Vorbereitung. Routen fürs Spazierengehen in Halle, dem Wörlitzer Park oder um den Süßen See.

„Spazierengehen ist eine Einladung an den Zufall“, sagt Bertram Weisshaar über den Zauber des Bummelns, Flanierens und Schlenderns. „Man ist draußen mit allen Sinnen, ist in Bewegung und lässt sich darauf ein, dass da etwas des Weges kommt.“ Er muss es wissen, denn der Leipziger ist Promenadologe – also Spaziergangsforscher.
Weisshaars Lieblingsstrecke befindet sich im Revierpark Profen (Burgenlandkreis). Gerade hat er mit „Letzte Kohle. Andere Landschaften“ einen Überblick zum Rheinischen, Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlerevier geliefert. In dem Buch zeigt er gelungene Transformationen der Landschaft nach dem Kohleabbau.
Und er ist sich sicher: „Der größte Fehler, den man beim Spazierengehen machen kann, ist, nicht loszugehen.“ Seine Tipps: Auf das Wetter achtgeben, anständige Kleidung und gutes Schuhwerk und: „Nicht nur den ausgewiesenen Wegen folgen!“ Hier sind fünf Vorschläge aus der Redaktion zum einfach Losgehen.
Großstadt am Fluss: ein Spaziergang entlang der Saale in Halle
Inmitten der Großstadt bietet sich in Halle eine naturnahe, etwa sieben Kilometer lange Route zum Spazierengehen, die auch mit einigen Lokalen zur gemütlichen Einkehr begeistert. Los geht es am Café „Hafenmeister“ am Pfälzer Ufer. Hier tanken Spaziergänger schon einmal Energie für die etwa zweistündige Stadtwanderung auf. Besonders lecker: der Schokoladenkuchen! Extra schokoladig und sogar vegan.
Auch interessant: Abseits vom Alltag Kraft tanken – dafür bietet Sachsen-Anhalt vielerorts Möglichkeiten. Die Redaktion stellt sieben besondere Wanderwege für Familien vor.
So gestärkt, sind die nächsten Schritte ein Klacks. Der Weg führt entlang der Saale über die Würfelwiese. Besonders süß: Hier wohnen putzige Nutrias, die man beobachten, aber nicht füttern darf. Weiter geht’s über die Dreierbrücke, vorbei an der Schleuse Gimritz und unter der Brücke der Freundschaft hindurch über die Ziegelwiese. Spaziergänger überqueren nun die Mühlgrabenbrücke und wandern entspannt auf dem Riveufer. Unterwegs laden etwa die Bootsschenke „Marie Hedwig“ oder der „Felsenpavillon“ zur Einkehr.
Für eine kurze Rast bietet die Lounge-Bar „Saaleterrasse“ an der Giebichensteinbrücke unterhalb der Burg Giebichenstein Getränke und kleine Snacks. Besonders empfehlenswert: Eine Tasse heißer Birnensaft wärmt kalte Finger. Weiter geht’s auf der Saalepromenade am Fluss entlang, und schon ist man inmitten der Klausberge. Über einige Treppen geht es hoch – ein kleiner Abstecher zur Höhle, in der sich „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn in seiner halleschen Studentenzeit oft versteckte, ist empfehlenswert – und wieder runter zum Fluss.
Spaziergänger treffen nun auf die Forstwerderbrücke, im halleschen Volksmund auch Katzenbuckelbrücke genannt. Hat man diese überquert, gelangt man auf die Insel Forstwerder. Ein dicht gewachsener Auenwald bietet Lebensraum und Brutstätte für zahlreiche Tierarten. Deshalb steht die Insel teilweise unter Naturschutz und darf nur in Teilen rücksichtsvoll erkundet werden.
Erholung und Ruhe pur: ein Spaziergang rund um den Süßen See
Der Spaziergang rund um den Süßen See in Mansfeld-Südharz ist genau richtig für alle, die sich nach den vielen Wochen der weihnachtlichen Gemütlichkeitsroutine einmal richtig durchpusten lassen wollen. Der Rundweg misst circa 14 Kilometer und ist in drei bis 4,5 Stunden geschafft. Die Belohnung für die gelaufenen Kilometer erhalten Spaziergänger schnell mit herrlichen Ausblicken auf den See und teilweise völliger Abgeschiedenheit und Stille.
Doch bevor es losgeht, muss der Flaneur Kraft tanken. Das geht zum Beispiel im Restaurant „Seeterrassen“ am Südufer, kurz nachdem der Weg aus Seeburg hinausführt. Deutsche und internationale Küche sowie Kuchen und Torten stärken für den langen Weg. Der führt am Südufer entlang durch die Wochenendhaussiedlung und durch das kleine Örtchen Aseleben, wo es mit dem Strandhotel auch eine Möglichkeit zur Einkehr gibt.
Der Seeweg geht nun mal direkt am See entlang, mal über Wiesen, aber immer inmitten der stillen Natur. Durch Lüttchendorf und vorbei an Salzgraben und „Böser Sieben“, dem Flüsschen, das den See speist, geht es nun in Richtung Nordufer. Malerisch führt die Route entlang des Ufers auf der rechten und der Weinberge auf der linken Seite.
Zur Rast lädt die Schiffsgaststätte „Seeperle“ mit Fischgerichten und einem hübschen Ausblick auf den See. Die letzte Etappe führt durch Seeburg, vorbei am gleichnamigen Schloss, das leider nicht besichtigt werden kann. Das sollte aber niemanden von dem entspannenden Spaziergang um den Süßen See abhalten.
Der Klassiker im Weltkulturerbe: ein Spaziergang im Wörlitzer Park
Ein Spaziergang im Wörlitzer Park? Den kennt bestimmt beinahe jeder Sachsen-Anhalter, ist er doch ein Klassiker der Freizeitgestaltung im Land. Er lohnt sich aber nicht nur in wärmeren Zeiten, sondern auch im Winter, denn der Park zeigt sich jetzt von seiner besonders ruhigen Seite.
Um die zu erkunden, bieten sich zwei Routen an. Die kleine Runde beginnt am Parkplatz an der Coswiger Straße und führt in Richtung „Schochs Garten“. Schwanen- und Roseninsel lässt der Spaziergänger rechts liegen – die Fähren haben im Winter keinen Betrieb – überquert erst Wolfsbrücke, dann Neue Brücke und genießt den Blick auf das „Kleine Walloch“ und das Monument. Weiter geht’s zum Venustempel, zur Luisenklippe und durch die „Romantische Partie“ mit Grotten und schmalen Gängen. Nach Floratempel und Palmenhaus ist nach etwa einer Stunde der Ausgangspunkt wieder erreicht.

Der ist bei der großen Runde, für die man etwa zwei Stunden einplanen sollte, der gleiche. Doch diesmal geht es an der Rousseau-Insel entlang und über die Friederickenbrücke zur Gondelstation und weiter zum Schloss Wörlitz – im Küchengebäude gibt es mit der Gastwirtschaft die erste Möglichkeit zur Einkehr –, vorbei an der Synagoge und in Richtung Insel Stein. Im Restaurant des Ringhotels „Am Stein“ gibt es Köstlichkeiten aus der Region. Nach Eiserner und Sonnenbrücke entdeckt der Spaziergänger Pantheon und Monument, wo sich die große Runde mit der kleinen Runde vereint.
Wo die Trauben wachsen: ein Spaziergang an der Freyburger Neuenburg
Nicht nur wenn laue Sommernächte locken, ist das Winzerstädtchen Freyburg einen Ausflug wert. Auch bei frostigem Wetter lohnt ein Besuch. Dieser startet in der Innenstadt, beispielsweise am Schützenplatz. Von dort geht es erst einmal leicht hinauf in den Wald zum Weinlehrpfad, der Wissenswertes rund um den Saale-Unstrut-Wein vermittelt und der bis zum Weinberghotel „Edelacker“ reicht.
Dort im Restaurant kann sich der müde Spaziergänger stärken, bevor es wieder auf den Weg zurück geht. Für den Restaurantbesuch ist stets eine Anmeldung erforderlich. Besonders lecker und ein schönes Andenken: Selbstgemachtes Weingelee als Brotaufstrich oder zu Wein und Käse für zu Hause mitnehmen.
Zurück auf dem Rundweg geht es weiter in Richtung Schloss Neuenburg, das hoch über Freyburg thront. Das Schloss ist auch in der Nebensaison bis März dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Zu entdecken gibt es das Burg-, Uhren- und Weinmuseum.
Nach der Kultur steht der Endspurt an. An der Schlossmauer wartet noch ein schöner Aussichtspunkt über das Unstruttal, dann geht es auf schmalen Wegen zurück in Richtung Stadt. Vorbei an der Schlossmühle führt die Straße nun nach circa drei Kilometern und einer Stunde zum Ausgangspunkt zurück. In Freyburg warten weitere gemütliche Lokale und mit der Rotkäppchen-Erlebniswelt ein touristischer Höhepunkt der Region.
Lesen Sie auch: Ausflugstipps für Familien in Sachsen-Anhalt - von Musical und Theater bis Action und Abenteuer
Flanieren im Naturschutzgebiet: ein Spaziergang in Friedeburg mit Schloss
Natur-Fans sind rund um Friedeburg, einem Teil von Gerbstedt (Mansfeld-Südharz), gut aufgehoben. Dort erstreckt sich ein Teil des Naturschutzgebietes „Saaledurchbruch bei Rothenburg“. Ausgangspunkt der Route ist das Schloss Friedeburg, in dem an manchen Wochenenden Kaffee und Kuchen angeboten werden. Spaziergänger sollten sich vorab informieren.
Der Weg führt nun in nordwestliche Richtung raus aus dem Ort. Auf der Straße „Borngrund“ passieren die Wanderer rechterhand die letzten Häuser und biegen dann links ins Naturschutzgebiet ein. Die Runde kann auf verschiedenen Wegen gegangen werden. Sie ist etwa drei Kilometer lang, der Spaziergang dauert etwa eine Stunde. Zurück im Ort, lädt der Gasthof „Zum alten Stammer“ zur Einkehr ein.
Wer noch nicht genug hat, spaziert aus Friedeburg auf der Rothenburger Straße Richtung Brucke, einer winzigen Siedlung am Saaleufer. Dort hält die Fähre nach Rothenburg, dem Ort, der dem Naturschutzgebiet seinen Namen gibt. Auf dieser Seite der Saale liegt nicht weit entfernt das Künstlerdorf Dobis (Saalekreis), in dem sich mit der „Weißen Wand“ eine geologische Besonderheit aus der Kreidezeit befindet.