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Neuerscheinung 2026 Ferdinand von Schirachs erstes Kinderbuch – und plötzlich taucht Donald Trump auf

Ein Krieg, ein gestürzter Tyrann und die Suche nach gerechten Gesetzen: In „Alexander“ erzählt Bestsellerautor Ferdinand von Schirach erstmals eine Geschichte für Kinder. Ein ungewöhnliches Buch über Demokratie, Macht und die Frage, wie wir zusammenleben wollen.

Von Jessica Quick 25.02.2026, 07:00
Ferdinand von Schirachs erstes Kinderbuch "Alexander" erscheint am 25. Februar 2026 und ist für Kinder ab 10 Jahren.
Ferdinand von Schirachs erstes Kinderbuch "Alexander" erscheint am 25. Februar 2026 und ist für Kinder ab 10 Jahren. (Foto: Penguin JUNIOR)

Halle (Saale)/Magdeburg. Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller – und bislang vor allem für Bücher wie "Verbrechen" und "Schuld" bekannt. Nun hat er sein erstes Kinderbuch veröffentlicht: "Alexander" (Penguin Junior). 

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Dass ausgerechnet ein Autor, der wie kaum ein anderer über Schuld, Recht und moralische Abgründe schreibt – und selbst keine Kinder hat –, nun für junge Leserinnen und Leser erzählt, überrascht zunächst. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick.

Worum geht es in von Schirachs Kinderbuch?

Die Geschichte spielt in der Stadt Kaliste. Dort lebt Alexander, dessen Kindheit jäh endet: Der König beginnt einen Krieg gegen das Nachbarreich. Nicht der Herrscher selbst zieht in die Schlacht, sondern er schickt die Männer seiner Stadt – unter ihnen Alexanders Vater. Dieser kehrt nicht zurück. Der Tyrann und König wird aus der Stadt gejagt. 

Die Illustrationen in dem Buch hat der Bestsellerautor Ferdinand von Schirach selbst gezeichnet. 
Die Illustrationen in dem Buch hat der Bestsellerautor Ferdinand von Schirach selbst gezeichnet. 
(Foto: Penguin JUNIOR)

Alexander wird schließlich auserwählt, gerechte Gesetze zu finden, um die Stadt vor einem neuen Tyrannen zu bewahren. 

Alexanders Reise beginnt. Auf seinem Weg begegnet er sehr unterschiedlichen Menschen: einer Modeschöpferin, einem Philosophen, verrückten Zwillingen, einem Orakel, einer Bibliothekarin. In Gesprächen mit ihnen nähert er sich Schritt für Schritt den Grundprinzipien eines gerechten Zusammenlebens.

Im Kern geht es um nichts Geringeres als um die Frage:
Wie können Menschen friedlich miteinander leben?

US-Präsident Donald Trump als Schaumschläger

Von den ersten Seiten an ist klar: Dieses Buch nimmt seine jungen Leserinnen und Leser ernst. Es beschönigt nichts. Krieg bedeutet Verlust. Angst. Trauer.

Auch interessant: Warum Ferdinand von Schirach keine Angst vor dem Tod hat

Dass ein Jurist Rechtsphilosophie für Kinder verständlich machen möchte, ist ungewöhnlich – aber konsequent. Von Schirach übersetzt klug große Begriffe wie Würde, Gerechtigkeit und Verantwortung in Dialoge und Bilder.

Dabei scheut er nicht vor aktuellen Bezügen. So kommt Alexander bei seiner Reise an einem einstigen Tyrannen vorbei. "Sie sind verrückt nach Macht, Geld und Krieg", erklärt  die Blumenverkäuferin. "Wir haben unseren Tyrannen auch aus dem Amt gejagt wie ihr."

Donald Trump wird in Alexander zum "Schaumschläger".
Donald Trump wird in Alexander zum "Schaumschläger".
(Copyright: Ferdinand von Schirach / Penguin JUNIOR)

Und weil er sich nicht ganz vertreiben ließ, sitzt er nun in der  Badewanne und muss er dort den ganzen Tag Schaum schlagen, so sieht man nicht, dass er nackt ist. Die dazugehörige Illustration – von Ferdinand von Schirach selbst gezeichnet – zeigt eine auffällig gelbe Frisur über dem Badeschaum. Eine Parallele zum US-Präsidenten Donald Trump? Sicher, verrät der Bestseller-Autor im aktuellen Podcast "Hotel Matze". Von Schirach hat Humor. 

Parallelen zum Leben von Ferdinand von Schirach

Auf den letzten Seiten des Buches findet sich eine persönliche Note: eine Zeichnung des Autors als Junge in seinem Kinderzimmer. Die Wände sind – wie in der Geschichte – von seinem Vater mit Dschungeltieren bemalt. Ein Elefant, der über ihn gewacht hat und im Buch auch Alexander Schutz und Trost spendet.

Warum ein Kinderbuch? Die Antwort findet sich ebenso in von  Schirach Leben. Vor mehr als 30 Jahren verbrachte er einen Sommer bei Freunden in Süditalien. Er war Pate ihres damals elfjährigen Sohnes. Ihm erzählte von Schirach die Geschichte von „Alexander aus Kaliste“, der gespannt und neugierig lauschte.

Jahrzehnte später, inzwischen ist der Junge selbst Vater, bat er ihn, diese Erzählungen aufzuschreiben. 

Fazit für Eltern: Ein Kinderbuch – aber kein leichtes

Die Geschichte erinnert in ihrer Struktur an "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry: Ein junger Held reist, begegnet symbolhaften Figuren und lernt durch die Gespräche mit ihnen. Neu ist das Motiv nicht – wohl aber die juristisch-philosophische Zuspitzung.

Kinder wachsen heute mit Nachrichten über Kriege, Krisen und politische Konflikte auf. Sie hören Gespräche, sehen Bilder, lesen Schlagzeilen – auch in sozialen Medien.

Dieses Buch bietet einen Anlass, mit ihnen über große Fragen zu sprechen: Was bedeutet Würde?, Warum ist Demokratie wichtig?, Wie entsteht Krieg?

Allein gelesen kann die Geschichte überfordern. Gemeinsam mit den Eltern besprochen und erklärt, entfaltet sie ihre Stärke.

Von Schirachs Kinderbuch ist kein Märchen zur guten Nacht. Es ist eine Einladung zum Gespräch zwischen Erwachsenem und Kind zu Hause, vielleicht auch im Klassenzimmer.