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  7. Gespräch mit Kinderpsychologin: Das können Eltern von Affe Punch und seinem Kuscheltier lernen

Gespräch mit Kinderpsychologin Inés Brock-Harder Der virale Affe Punch und sein Kuscheltier: Das können Eltern von ihm lernen

Der kleine Affe Punch berührt Millionen von Menschen im Netz: Von seiner Mutter verstoßen findet er Halt bei einem Kuscheltier-Orangutan. Kinderpsychologin Dr. Inés Brock-Harder erklärt, warum auch viele Kinder stark an ihren Kuscheltieren hängen.

Von Franceska Rein Aktualisiert: 04.03.2026, 16:03
Nicht nur das Affenbaby Punch, sondern auch sein geliebtes IKEA-Djungelskog-Orangutan-Stofftier wurde zur Berühmtheit im Internet.
Nicht nur das Affenbaby Punch, sondern auch sein geliebtes IKEA-Djungelskog-Orangutan-Stofftier wurde zur Berühmtheit im Internet. (Foto: IMAGO/ZUMA Press)

Halle (Saale). Ein Jungtier, das allein wirkt, keinen Anschluss findet – Punch, ein junger Afffe, ein Japanmakak, im Ichikawa City Zoo nahe Tokio, klammert sich an einen Plüsch-Orang-Utan, den er überallhin mitnimmt. Genau diese Szenen gehen seit Tagen in den sozialen Medien viral.

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Affe von der Mutter abgewiesen

Laut Berichten der Zoo Mitarbeiter wurde Punch kurz nach der Geburt von seiner Mutter abgewiesen und fand in der Gruppe zunächst schwer Anschluss. Pflegerinnen und Pfleger gaben ihm daraufhin das Kuscheltier als eine Art Trostspender.

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Seitdem nimmt er es überall hin mit. Andere Szenen zeigen, wie Punch von den anderen Affen im Gehege geschubst und schikaniert wird – ein Verhalten, dass bei Makaken selten, aber durchaus normal sei, wie die Zoo Mitarbeiter berichten. Punch zeige dabei vor allem „Widerstandsfähigkeit und mentale Stärke“.

Kinderpsychologin Dr. Inés Brock-Harder erklärt: „Wir haben alle ein Bedürfnis nach Sicherheit“

Wir haben bei der Kinderpsychologin und Vorsitzenden des Bundesverbandes für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e.V. Dr. Inés Brock-Harder nachgefragt: Kann man das Verhalten von dem Affenbaby Punch auch auf uns Menschen übertragen?

Viele Kinder hängen stark an ihren Kuscheltieren. Sie nutzen diese als „emotionale Anker“ bei Trennung, Stress – und sie helfen beim Einschlafen. Für viele Kinder sind Kuscheltiere oft treue Begleiter, bis ins höhere Alter.

An alle Eltern: Keine Sorge – Das ist ganz normal!

Das ist für Dr. Inés Brock-Harder völlig normal – denn wir haben „alle Übergangsobjekte, manche sagen Talisman dazu, andere haben Fotos irgendwo im Portemonnaie oder einen Stein, den sie in der Tasche haben oder eine Kette mit einem bestimmten Anhänger.“

Vor allem für Kinder kann ein Übergangsobjekt ein Kuscheltier, ein Tuch oder ein sonstiger Gegenstand sein, der Stresssituationen und Unsicherheit abfedert, „um Trennungssituationen besser zu überstehen“.

Dahinter steckt ein normaler Entwicklungsschritt der mit einem Sicherheitsbedürfnis verknüpft ist: Sobald Kinder begreifen, dass Dinge (und damit auch Mama oder Papa) nicht weg sind, nur weil sie gerade nicht sichtbar sind, kann ein vertrautes Objekt helfen, dieses Wissen emotional auszuhalten – besonders bei Kita-Eingewöhnung, bei Oma und Opa übernachten oder später sogar bei einer Klassenfahrt.

Beim Einschlafen, erklärt Dr. Brock-Harder, sei das Prinzip ähnlich: Viele Kinder empfinden das Loslassen in die Nacht als unheimlich, im Alter um drei oder vier kommen oft Dunkelheitsängste dazu; etwas Vertrautes zum Ankuscheln stärke dann den Schutzraum des eigenen zu Hause.

Ein Ersatz-Kuscheltier kaufen? Das sollten Eltern beachten, wenn ein Kuscheltier verloren geht

Neue Videos zeigen: Die Tierpfleger des kleinen Affen Punch tauschen den dreckigen IKEA-Orangutan mit einem neuen, identischen Stofftier aus. Dr. Brock-Harder rät bei Kindern aber eher davon ab: Beim Verlust rät sie zur Ehrlichkeit statt Ersatzlogik.

„Verlust ist Verlust“, betont sie, Trauer sei eine wichtige Emotion, die Kinder lernen müssten auszuhalten. Und falls Eltern sich sorgen, das Kuscheltier „zu sehr“ zu erlauben, ist ihr Ansatz pragmatisch: nicht wegnehmen oder schlechtreden – sondern „die Situationen, wo es nicht gebraucht wird, zu vermehren“, damit Kinder Schritt für Schritt mehr Selbstregulation und Selbstwirksamkeit erleben.

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Wichtig zu wissen ist vor allem eines: Wie lange ein Kind so einen Anker braucht, sei „kein Qualitätskriterium für die Eltern, das ist eher kinderbedingt“. Erst wenn ein Kind in der Grundschule dauerhaft gar nicht ohne Kuscheltier zurechtkommt, würde Dr. Brock-Harder genauer hinschauen – dann könne „ein kleiner Entwicklungsschub“ oder Unterstützung sinnvoll sein.

Warum berühren Punch und sein Kuscheltier so viele Menschen?

Dass Punch‘s Geschichte so durch die sozialen Medien rauscht, liegt nicht nur an den niedlichen oder zu Tränen rührenden Bildern – sie trifft mehrere psychologische „Knöpfe“ gleichzeitig.

Tiere werden oft ganz automatisch vermenschlicht: In Punch wird nicht nur ein Makake gelesen, sondern ein „pelziges Kleinkind“, das Trost braucht. Das Kuscheltier in seinen Armen wirkt dabei wie ein universelles Zeichen für Schutzbedürfnis – etwas, das die Menschen sofort verstehen können. Gleichzeitig spricht die Szene die Empathie an, gerade in einer Zeit, in der sich viele mit Themen wie Einsamkeit, Ablehnung oder „Nicht-dazugehören“ identifizieren.

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Wer Punch sieht, denkt unwillkürlich: Wie fühlt es sich an, wenn man allein ist und Anschluss sucht? Kommentare und Hashtags wie #HangInTherePunch sind wie ein kollektives Daumen-Drücken – die Vorstellung, dass nach einem schwierigen Start doch noch Wärme, Sicherheit und ein bisschen Glück möglich sind.

Punch findet in einem Plüschaffen einen Mutter Ersatz.
Punch findet in einem Plüschaffen einen Mutter Ersatz.
(Foto: IMAGO/Anadolu Agency)

Aufklärung ist wichtig: Affen sind in Gefangenschaft viel Stress ausgesetzt

Alle haben mit dem kleinen Makaken Punch mitgefühlt – wichtig ist aber auch zu verstehen, dass dieses Verhalten bei Affen nicht grundlos passiert. Primatenmütter verstoßen ihre Babys aufgrund von Stressfaktoren, Traumata oder gesundheitlichen Problemen.

In Gefangenschaft sind diese Faktoren oft erhöht. Auf Instagram melden sich demnach auch Tierschützer zu Wort: Michi Schreiber ist seit über zehn Jahren erfahrene Tierschützerin und Primatologin in der Rehabilitierung und Auswilderung von Primaten.

In einem Beitrag auf Instagram schreibt sie: „Die Abweisung und Aggression ist keine Grausamkeit. Sondern ein Warnsignal.“ Mittlerweile ist bekannt, dass Punch‘s Mutter aufgrund einer Hitzewelle mit der Geburt überfordert war und erst einmal ihr eigenes Überleben priorisieren musste.

So geht es dem Affen Punch heute

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Mittlerweile soll sich Punch in die Gruppe integriert haben und auch seine Mutter kann ihm nun mit Liebe und Fürsorge entgegnen. Das Stofftier gehört aber weiterhin zu seinem treuen Begleiter. Wer jetzt nach „Punch der Affe“ googelt, kann sich über eine niedliche Punch-Herzregen-Animation freuen.