Vor den Winterferien Halbjahreszeugnis: Wichtige Zwischenbilanz mit gemischten Gefühlen
Am Freitag gibt es in Sachsen-Anhalt die Halbjahreszeugnisse, einen Tag später starten die Winterferien. Für viele Familien ist das eine emotionale Zeit. Was Eltern erwarten, warum Noten nicht immer motivieren – und welche Hilfe es bei Zeugnisstress gibt.

Magdeburg/Halle (Saale). Zeugnistag und Ferienstart liegen dicht beieinander – und bringen in vielen Familien gemischte Gefühle mit sich. Wann die Halbjahreszeugnisse in Sachsen-Anhalt ausgegeben werden, wie die Ferien anschließen und warum das Zeugnis vor allem eine Standortbestimmung ist.
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Halbjahreszeugnisse: Wichtige Termine im Überblick
Die Halbjahreszeugnisse werden in Sachsen-Anhalt in diesem Schuljahr am Freitag, 30. Januar 2026, ausgegeben. Direkt im Anschluss beginnen am Samstag, 31. Januar, die Winterferien, die bis Freitag, 6. Februar 2026, dauern.
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Das Halbjahreszeugnis dient als Zwischenbilanz im laufenden Schuljahr. Es zeigt den aktuellen Lernstand eines Kindes – und lässt zugleich Raum für Entwicklung und Verbesserungen bis zum Abschlusszeugnis.
Hohe Erwartungen – aber auch Zweifel an Noten
Eine Forsa-Umfrage unter 1.003 Eltern schulpflichtiger Kinder zeigt, dass fast die Hälfte (48 Prozent) überwiegend Einsen und Zweien auf den Zeugnissen ihrer Kinder erwarten. 31 Prozent rechnen damit, dass sich bessere und schlechtere Noten die Waage halten, während neun Prozent überwiegend schlechtere Noten erwarten.
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Interessanterweise glaubt weniger als die Hälfte der Eltern (47 Prozent), dass Halbjahreszensuren eine motivierende Wirkung auf ihre Kinder haben. 14 Prozent befürchten sogar, dass das Zeugnis ihren Nachwuchs belastet.
Die Umfrage ergab auch, dass fast jeder dritte Vater (30 Prozent) und fast jede zweite Mutter (46 Prozent) Noten auf dem Zeugnis nicht für die beste Lösung halten. Diese Eltern würden stattdessen individuelle Rückmeldungen zum Lernstand ihres Kindes bevorzugen.
Zeugnisse ohne Noten: Diese Alternativen gibt es
In Sachsen-Anhalt können Grund- und Förderschulen für Erst- und Zweitklässler seit einigen Jahren auf klassische Halbjahreszeugnisse verzichten.
Möglich sind unter anderem:
- standardisierte Protokolle von Lernentwicklungsgesprächen
- Berichtszeugnisse
- tabellarische Einschätzungen des Lern- und Arbeitsverhaltens
Ziel ist es, Lehrkräfte zeitlich zu entlasten und zugleich eine differenzierte Rückmeldung für Kinder und Eltern zu ermöglichen.
Schlechte Noten – was Eltern jetzt tun können
Wenn die Noten im Halbjahreszeugnis nicht den Erwartungen entsprechen, raten Experten zu folgenden Maßnahmen:
Nicht schimpfen: Durch Schimpfen ändert sich nichts an der Note und auch das Kind ist sicher unglücklich über schlechte Zensuren
Ursachenforschung betreiben: Eltern sollten herausfinden, wie es zu der Note kommen konnte. Oft wissen die Kinder selbst, woran es gelegen hat.
Einen Plan machen: Gemeinsam mit dem Kind sollten Eltern klären, welcher Unterrichtsstoff gut verstanden wurde und wo Verständnislücken sind. Danach können realistische Etappenziele festgelegt werden.
Unterstützung suchen: Es kann hilfreich sein, jemanden zu finden, der dem Kind die Inhalte erklären und Fragen beantworten kann.
Erfolge feiern: Kleine Fortschritte sollten gewürdigt werden, um das Selbstbewusstsein und die Motivation des Kindes zu stärken.
Hilfe bei Zeugnisstress: Beratungsangebote
Rund um die Zeugnisausgabe werden in vielen Bundesländern zusätzliche Beratungsangebote eingerichtet.
In Sachsen-Anhalt wird kurz vor der Vergabe der Halbjahreszeugnisse die „Nummer gegen Kummer“ freigeschaltet, wie der Kinderschutzbund mitteilt.
Wichtige Kontakte:
Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 oder 0800 1110333 (kostenlos, anonym, Mo–Sa 14–20 Uhr)
Elterntelefon bei Zeugnisstress: 0800 1110550 (Mo–Fr 9–11 Uhr, Di/Do 17–19 Uhr)
Jugendliche beraten Jugendliche: samstags 14–20 Uhr
Online-Beratung über die Website der Nummer gegen Kummer
Zwischenbilanz, kein Endurteil
Wichtig bleibt: Das Halbjahreszeugnis ist kein Abschluss, sondern eine Momentaufnahme.
Gerade in der zweiten Hälfte des Schuljahres gibt es noch viele Chancen, Lernlücken zu schließen und Entwicklungen positiv zu beeinflussen – am besten im gemeinsamen Gespräch.
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Wegweiser nach Klasse 4: Die Schullaufbahnempfehlung in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt hat das Halbjahreszeugnis für Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse eine besondere Bedeutung. Mit ihm erhalten sie eine nicht bindende Schullaufbahnempfehlung für den weiteren Bildungsweg – etwa für das Gymnasium, die Sekundar- oder die Gemeinschaftsschule.
Die Empfehlung stützt sich auf Noten, individuelle Fähigkeiten und fachliche Kompetenzen. Die endgültige Entscheidung über die weiterführende Schulform liegt bei den Eltern. Vorgeschrieben ist jedoch eine verpflichtende Beratung durch die Grundschule, in der die Empfehlung erläutert und gemeinsam besprochen wird.