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Portion Gelassenheit gefällig? So behalten Sie in turbulenten Börsenzeiten die Nerven

Kurse abgerutscht? Wer jetzt seinen Kopf verliert, büßt dafür in der Regel finanziell - Anlegerinnen und Anleger tun darum gut daran, ruhig zu bleiben. Diese fünf Tipps helfen dabei.

Von Sandra Markert, dpa 04.03.2026, 07:47
Die Börsenkurse fallen und verunsichern: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren, langfristig denken und auf Diversifikation setzen.
Die Börsenkurse fallen und verunsichern: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren, langfristig denken und auf Diversifikation setzen. Alexander Heinl/dpa/dpa-tmn

Frankfurt - Wenn die Kurse auf Talfahrt gehen, werden Anlegerinnen und Anleger nervös. Denn dort, wo die Depotstandsanzeige zuletzt noch höchst erfreuliche Zuwächse verkündete, ist auf einmal kaum noch was von übrig. In der Theorie wissen Verbraucherinnen und Verbraucher zwar, dass es immer mal wieder zu Abschwüngen an der Börse kommen kann. Wem das lieb gewonnene Ersparte aber gefühlt sprichwörtlich durch die Hände rinnt, dem fällt es trotzdem oft schwer, richtig gelassen zu bleiben.

„Diese Nervosität kommt auch daher, dass viel Irrglaube darüber herrscht, was man so alles beeinflussen kann und was nicht“, sagt Finanzprofessor Andreas Hackethal von der Universität Frankfurt. Erst kürzlich hat er das Finanzratgeber-Buch „Dein Financial Lifestyle Code“ veröffentlicht, in dem Anlegerinnen und Anleger Strategien lernen können, wie man Impulsen widersteht und finanzielle Fehlentscheidungen vermeidet.

Doch wie genau das funktioniert das nun, ruhig zu bleiben, während die Börsenkurse abrutschen und der Depotwert immer weiter absinkt? Diese fünf Tipps können helfen:

Tipp 1: Den Nachrichtenstrom begrenzen

Andreas Hackethals erster Tipp lautet: Abstand halten vom steten Strom an Informationen über Dinge wie den täglichen Goldpreis, die Entwicklung einzelner Aktien oder ETFs oder politische Turbulenzen, die Einfluss aufs Depot nehmen könnten. „Auf solche Marktmechanismen kann ich als Privatanleger ohnehin keinen Einfluss nehmen“, sagt Hackethal. „Schwankungen sind normal und dürfen mich nicht meine Gelassenheit kosten.“

Zumal der Verhaltensökonom Prof. Matthias Weber von der Universität St. Gallen beobachtet, dass viele Privatanleger den Informationen, die sie haben, zu viel Bedeutung beimessen. „Wenn ein Laie von irgendwelchen Entwicklungen liest, sind diese ohnehin schon in den aktuellen Aktienpreisen enthalten“, sagt Weber. Wer dennoch handle - und zum Beispiel Anteile abstoße -, müsse in aller Regel hohe Transaktionskosten in Kauf nehmen.

Da sich ein tagesaktuelles Reagieren auf Marktentwicklungen für Privatanleger aus den genannten Gründen in aller Regel nicht rechnet, rät Volkswirtschaftler Markus Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln auch davon ab, tagtäglich die Schwankungen im eigenen Depot im Blick zu haben. Dies gelte insbesondere dann, wenn man sich dadurch beunruhigen lasse. „Wer Interesse daran hat und nicht gleich die Nerven verliert, kann es aber natürlich machen“, sagt Markus Demary.

Tipp 2: Verluste ins Verhältnis zum Gesamtvermögen setzen

Wenn die Kurse um 10, 20 oder gar 30 Prozent fallen, dann sind die Buchverluste im eigenen Depot entsprechend hoch. Nur: „In Aktien haben die meisten ohnehin nur einen kleinen Teil ihres wahren Gesamtvermögens angelegt“, sagt Andreas Hackethal. Denn die eigene Arbeitsfähigkeit, auch Humankapital genannt, sei von Börsenturbulenzen genauso wenig betroffen wie Rentenansprüche, Bankguthaben, Versicherungen oder eigene Immobilien. „Mache ich mir das bewusst, reduziert das meine prozentualen Vermögenseinbußen deutlich und ich kann entspannter auf die Börsenverluste blicken“, so der Finanzprofessor.

Voraussetzung dafür ist aber, dass es ein stimmiges Gesamtkonzept für die Geldanlage gibt. „Habe ich sehr viel Geld in Aktien investiert und brauche es womöglich kurzfristig, weil mein Auto kaputtgeht, dann ist es durchaus nachvollziehbar, dass jemand in Panik verfällt, wenn die Börse abrutscht“, sagt Markus Demary. 

Für Privatanleger sei dann ein guter Zeitpunkt ihre gesamte Anlagestrategie zu überdenken - und Risiken herauszunehmen, indem man breiter streue. Einen Teil des Ersparten in festverzinsliche Anlageformen wie Tages- oder Festgeld zu investieren, kann den Puls womöglich stabilisieren.

Tipp 3: Risiken richtig beurteilen

Solange man im persönlichen Portfolio weiterhin auf Aktien setzt, gehört Andreas Hackethal zufolge auch dazu, sich eines klarzumachen: Mit Aktien lassen sich höhere Renditen erzielen als mit einem Sparbuch. Mit der Chance auf eine höhere Rendite nimmt aber immer auch das Schwankungsrisiko zu. „Das ist der Deal, darüber muss ich mich nicht ständig aufregen oder mich jedes Mal verrückt machen, wenn im Depot mal ein rotes Minuszeichen auftaucht“, sagt Andreas Hackethal.

Dennoch ist es möglich, diese Risiken zu reduzieren: „Ich wähle ein möglichst breites Portfolio und Produkte, die wenig Gebühren kosten“, sagt Matthias Weber. Beides zusammen erhalte man bei den klassischen Welt-ETFs, also börsengehandelten Indexfonds, die gängige Aktienindizes nachbilden. „Für Privatanleger sind das die besten Standardprodukte, und da muss ich mich dann auch nicht mehr groß drum kümmern“, sagt Weber.

Dass es in einem solchen Portfolio immer mal zu Schwankungen einzelner Aktien komme, sei für Anleger dann sogar beruhigend, so Andreas Hackethal. „Wenn ein Teil rot und ein Teil grün aufleuchtet, beweist das, dass ich breit aufgestellt bin. Und das verringert insgesamt mein Risiko.“

Tipp 4: Die Einnahmen im Blick haben

Mit Aktien-ETFs lassen sich gute Renditen erzielen. Aufgrund der Marktmechanismen können Privatanleger hier allerdings persönlich nicht viel beeinflussen, um zu mehr Geld zu kommen. Ganz anders sieht das auf der persönlichen Einnahmeseite aus. 

„Wer einen größeren finanziellen Spielraum haben möchte, sollte besser über einen Karriereschritt nachdenken oder vielleicht sein Arbeitspensum von Teilzeit auf Vollzeit erhöhen“, sagt Andreas Hackethal. Mehr Einnahmen könnten dann auch zu mehr finanzieller Gelassenheit beitragen. „Was sich dagegen sicher nicht rechnet, ist, das Arbeitspensum zu reduzieren, um in dieser Zeit mit Aktien zu handeln“, so Hackethal weiter.

Tipp 5: Sich auf das Beherrschbare konzentrieren

„Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt“, sagte schon der amerikanische Industrielle Henry Ford und betonte damit die Bedeutung der Sparsamkeit für die eigene finanzielle Lage.

Um herauszufinden, ob man im Rahmen seiner Möglichkeiten genügend spart, empfiehlt Matthias Weber die 50-30-20-Regel: Sie besagt, dass 50 Prozent des Einkommens für unbedingt notwendige Dinge wie Miete, Versicherungen und Lebensmittel aufgewendet werden können und 30 Prozent für Sachen wie Freizeitaktivitäten und Dinge, die das Leben einfacher oder lebenswerter machen. Die restlichen 20 Prozent gehören gespart. „Es lohnt sich, regelmäßig zu schauen, ob diese Sparquote noch passt“, sagt Matthias Weber. „Falls ich einen Sparplan habe, kann ich auch immer wieder mal prüfen, ob ich die Raten dort vielleicht entsprechend anpassen kann“, sagt Matthias Weber.

Wer seine Einnahmen und Ausgaben sowie die Sparquote im Griff hat, hat eine gute Kontrolle über seine persönlichen Finanzen - und damit auf die Dinge, die man wirklich selbst beeinflussen kann. So aufgestellt kann man Hackethal zufolge deutlich gelassener bleiben, wenn es an den Börsen mal unruhiger zugeht, und lässt sich weniger zu Aktionismus verführen. Das erspart Stress - und führt zu einer besseren Rendite.