Durchblutungsstörung im Gehirn

Schlaganfall: Wie zeigt er sich? Auslöser, Anzeichen, Symptome, Behandlung

Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Wodurch ein Hirnschlag ausgelöst wird, wie er sich zeigt und viele weitere Fragen zum Thema beantwortet Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz im Interview.

05.08.2022, 09:22
Bei Auftreten eines Schlaganfalls muss sofort gehandelt werden.
Bei Auftreten eines Schlaganfalls muss sofort gehandelt werden. Foto: dpa

Halle (Saale)/DUR/acs - Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Wenn eine solche Störung auftritt, muss sofort gehandelt werden. Doch wie erkennt man einen Schlaganfall überhaupt? Was passiert bei einem Schlaganfall? Und kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Diese und weitere Fragen beantwortet Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie Bielefeld im Interview.

AS: Was passiert, wenn ein Schlaganfall auftritt? Was ist der Auslöser für einen Schlaganfall?

WRS: Ein Schlaganfall entsteht durch einen akuten Verschluss eines gehirnversorgenden Gefäßes. Das ist die häufigste Form, der sogenannte ischämische Schlaganfall. Die eher seltenere Form, ungefähr 10 Prozent aller Fälle, ist die sogenannte Gehirnblutung, wenn ein gehirnversorgendes Gefäß platzt.

Wenn eines dieser beiden Dinge passiert, dann entsteht im Gehirn in dem von diesem Gefäß versorgten Areal eine „Minderdurchblutung“ und es fehlt Sauerstoff und Glukose, die Nervenzellen sterben ab. Dann entstehen von der ersten Sekunde an neurologische Symptome.

Wie zeigt sich ein Schlaganfall? Welche Symptome treten auf?

Die häufigsten Symptome sind Gesichtslähmungen, Lähmungen der Arme oder Beine, Sprachstörungen, aber auch Sensibilitätsstörungen, zum Beispiel als Halbseitensensibilitätsstörung und auch Sehstörungen in Form von Gesichtsfelddefekten.

Natürlich gibt es eine Reihe an anderen Symptomen, die auch auf einen Schlaganfall hindeuten können, wie Schwindel und Kopfschmerzen. Das sind aber eher unspezifische Symptome.

Wie fühlt sich ein kleiner Schlaganfall an?

Das ist eine gute Frage. Ich hatte jetzt noch keinen *lacht*. Sie ja wahrscheinlich auch nicht . […] Aber wie sich das anfühlt, kann man sich aufgrund der Symptome vorstellen. Stellen Sie sich vor, Sie schlafen in der Nacht auf Ihrem Arm und dann fühlt der sich wie eingeschlafen an. So zum Beispiel kann sich das anfühlen.

Oder wenn Sie sich vorstellen, in Ihrem Gesichtsfeld plötzlich auf einer Hälfte nichts mehr zu sehen. Oder Sie trinken zum Beispiel viel Alkohol und dann sprechen Sie undeutlich und verwaschen.

Kündigt sich ein Schlaganfall im Voraus an? 

Also wie der Name schon sagt, ein ‚Schlaganfall‘ tritt schlagartig und anfallsartig auf und in der Regel ohne besondere Vorboten.

Kann man einem Schlaganfall vorbeugen oder kann es jeden treffen?

Letztlich kann es jeden treffen, ja. Es gibt ja auch Schlaganfälle bei jüngeren Leuten, bei 20- und 30-Jährigen. Vorbeugen kann man aber schon. Nämlich durch die Vermeidung oder letztlich auch Behandlung der Risikofaktoren, die da sind: Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Diabetes mellitus, also Zuckererkrankung, Herzrhythmusstörung, sogenanntes Vorhofflimmern und natürlich durch Maßnahmen, wie zum Beispiel Nikotinprävention, also Nicht Rauchen, aber auch ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung.

Es scheint, als würden immer häufiger junge Menschen einen Schlaganfall erleiden. Ist dieser Eindruck richtig? Und wenn ja, woran liegt das?

Ja, da gibt es auch Daten zu. Da wurde von der deutschen Schlaganfallgesellschaft vor einer Weile auch eine Pressemitteilung herausgegeben. […] Tatsächlich kann man das so sehen. […] Eine der Ursachen dafür ist natürlich auch, dass die Risikofaktoren bei jüngeren Leuten häufiger anzutreffen sind in unserer Zeit, wie zum Beispiel Diabetes, Fettstoffwechselstörung und damit verbunden sich natürlich auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen erhöht.

Was passiert nach einem Schlaganfall? Was gibt es für Behandlungsmöglichkeiten?

Wenn man einen Schlaganfall hat, wird man normalerweise in Deutschland auf eine Stroke-Unit gebracht, eine Schlaganfallstation. Hier erfolgt dann die Diagnostik und Therapie. Für den sogenannten ischämischen Schlaganfall, der mit der Verstopfung eines gehirnversorgenden Gefäßes einhergeht, gibt es mittlerweile sehr gute Therapiemöglichkeiten; und zwar indem man dieses Blutgerinnsel versucht mit einer sogenannten „Lyse-Therapie“ aufzulösen. Das ist eine Infusion, bei der man ein starkes gerinnungshemmendes Medikament gibt und das dann praktisch dazu führt, dass das Gefäß wieder frei wird.

Gerade, wenn die großen gehirnversorgenden Arterien verstopft sind, kann man auch mit einem katheterbasierten Eingriff direkt in das Gehirngefäß gehen, wo der Thrombus, also das Blutgerinnsel, sitzt und dieses mit dem Katheter rausholen.

Das sind die beiden eigentlich wirksamsten Therapieverfahren, die auf der Stroke-Unit angewendet werden. Dann erfolgt natürlich noch jede Menge Diagnostik, Bildgebung, Herzuntersuchung, Rhythmusuntersuchung. Und wenn dieser Teil abgeschlossen ist, dann kann man normalerweise auch genauer sagen; was ist das für ein Schlaganfall, wo kommt der her und wie hoch ist das Risiko, dass man einen neuen Schlaganfall kriegen kann.

Wenn das alles abgeschlossen ist, wird der Patient auch medikamentös behandelt und danach kommt er in der Regel, je nachdem wie schwer der Schlaganfall ist und wenn noch Symptome da sind, in eine Rehabilitation. Dort folgt dann nochmal über drei Wochen, oder auch länger, je nachdem, wie schwer die Symptome sind, die Anschlussbehandlung.