Faktencheck

Sitzen Apfelschorle-Fans bald auf dem Trockenen? 

Müssen die Verbraucher bald auf Apfelschorle verzichten? Angeblich werde das Getränk wegen unterbrochener Lieferketten derzeit nicht hergestellt. Doch an dieser Behauptung ist nichts dran.

Von Bernd Bergmann, dpa Aktualisiert: 14.11.2022, 16:03
Angeblich wird Apfelsaftschorle wegen unterbrochener Lieferketten derzeit nicht hergestellt. Das ist falsch, sagen Fruchtsaftverbände.
Angeblich wird Apfelsaftschorle wegen unterbrochener Lieferketten derzeit nicht hergestellt. Das ist falsch, sagen Fruchtsaftverbände. Robert Günther/dpa-tmn/dpa

Berlin - Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wirkt
sich auf viele Wirtschaftsbereiche aus. Auch auf die deutschen
Getränkehersteller? Angeblich könnten diese wegen des Kriegs in der
Ukraine gerade keine Apfelsaftschorle produzieren. Aber das stimmt
nicht - das fruchtige Getränk wird es weiterhin in den Regalen geben.

Behauptung: Der Krieg in der Ukraine habe zu einem Produktionsstopp
für Apfelsaftschorle geführt, weil dadurch die Lieferketten für
Apfelkonzentrat unterbrochen seien.

Bewertung: Falsch.

Fakten: Es gibt keinen bundesweiten Produktionsstopp für
Apfelsaftschorle, wie Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen
Fruchtsaft-Industrie (VdF) auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur
bestätigt.

In Deutschland werde momentan allerdings weniger Apfelschorle
hergestellt als normalerweise üblich, so der VdF. Die Einschränkungen
bei der Produktion hätten jedoch nichts mit einem Mangel an
Apfelkonzentrat aus der Ukraine zu tun. 2021 wurden für die deutsche
Fruchtsaftherstellung rund 6000 Tonnen Konzentrat aus der Ukraine
importiert. Das entspricht nur rund zwei Prozent der nach Deutschland
eingeführten Menge. Der Großteil des Konzentrats wird aus Polen
importiert.

CO2-Mangel sorgt für eingeschränkte Produktion

Verantwortlich für die derzeit verminderte Apfelschorle-Produktion
ist ein Mangel an Kohlendioxid (CO2) - und damit an Kohlensäure.
Diese entsteht bei einer chemischen Reaktion von CO2 und Wasser.

Das CO2 dafür beziehen die meisten Getränkehersteller als
Nebenprodukt der Düngemittelherstellung. Diese energieintensive
Produktion wurde wegen der gestiegenen Energiepreise
heruntergefahren. Deshalb steht der Getränkeindustrie derzeit weniger
CO2 und damit weniger Kohlensäure zur Verfügung als normalerweise.
Allein Hersteller, die eine eigene CO2-Gewinnung besitzen, sind davon
nicht betroffen.