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Menstruation Tampon oder Tasse - was ist in der Regel nachhaltiger?

Wohin mit dem Periodenblut, wenn's nicht in den Slip fließen soll? Tampons saugen es im Körper auf - und sind dann Müll. Anders ist es bei der Tasse. Wissenswertes rund um Ökobilanz und Handhabung.

Von Ricarda Dieckmann, dpa 26.02.2026, 00:05
Eine Menstruationsdisc ist eine flachere Variante der Menstruationstasse.
Eine Menstruationsdisc ist eine flachere Variante der Menstruationstasse. Christin Klose/dpa-tmn

Berlin - Am Bändchen ziehen, den Tampon in Klopapier wickeln und in den Eimer neben der Toilette fallen lassen: Diese Handgriffe sind für viele während der Periode eine feste Routine. Und zwar mehrmals täglich. 

Jedes Mal entsteht dabei Müll. Das muss aber gar nicht sein: Eine Alternative zu Tampons sind Menstruationstassen, die das Periodenblut auffangen und sich anschließend einfach ausspülen und wiederverwenden lassen. 

Ist das für die Umwelt wirklich besser? Und wie gelingt der Umstieg von Tampon auf Tasse? Zwei Expertinnen verraten, worauf es ankommt. 

Ist die Tasse aus ökologischer Sicht besser als der Tampon? 

Geht es nach Janine Korduan vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), lautet die Antwort: Ja. 

„Mehrweg sollte das neue Normal werden, daher empfehlen wir Tassen statt Tampons“, sagt die Expertin für Kreislaufwirtschaft. Zwei Aspekte sorgen dafür, dass die Ökobilanz von Tampons in aller Regel schlechter ausfällt als die von Tassen: 

  • Problem 1: Der Baumwollanbau

Tampons bestehen zum Großteil aus Baumwolle. Deren Anbau verschlingt viel Wasser, zudem werden Pestizide und Düngemittel eingesetzt, so Korduan. Dazu kommen weite Transportwege: Baumwolle wird beispielsweise in China, Indien oder Brasilien angebaut.

Damit sich die Baumwollfasern in einen Tampon verwandeln können, müssen sie gereinigt, gebleicht und gepresst werden, wie Janine Korduan erklärt. Auch das frisst Energie und benötigt Chemikalien. 

  • Problem 2: Der Wegwerf-Charakter

Ein benutzter Tampon ist ein Fall für den Müll, Recycling ist nicht möglich. „Da Tampons Einwegprodukte sind, fällt ihre Umweltbelastung bei jeder Nutzung erneut an. Über mehrere Jahrzehnte summiert sich das auf mehrere Tausend Produkte pro Person“, sagt Janine Korduan. Hochrechnungen zufolge nutzt eine Frau im Laufe ihres Lebens rund 10.000 bis 17.000 Tampons. 

Und was ist mit der Menstruationstasse? Ihre Herstellung ist energieintensiv: Damit medizinisches Silikon entstehen kann, muss Quarzsand mit hohen Temperaturen behandelt werden. 

Es gibt aber einen großen Pluspunkt: Die Menstruationstasse, die am Ende entsteht, kann fünf bis zehn Jahre lang genutzt werden. Janine Korduan: „Dadurch verteilt sich der ökologische "Herstellungsrucksack" auf viele Jahre und zahlreiche Zyklen.“

Zum Auskochen der Tasse zwischen den Blutungen braucht es zwar Wasser und Energie, „was im Verhältnis zur Neuproduktion von Einwegartikeln allerdings gering ins Gewicht fällt“, lautet die Einschätzung der Expertin. 

Der größte ökologische Trumpf der Tasse ist also ihre lange Lebensdauer. „Insgesamt schneiden Menstruationstassen daher in Ökobilanzen meist deutlich besser ab als Einwegprodukte“, so die Expertin. Je länger man sie nutzt, desto besser.

Viele, viele bunte Tassen: Welches Modell passt zu mir? 

Die unbefriedigende Antwort lautet: Ganz sicher lässt sich das nur durch Ausprobieren herausfinden. Ein Anhaltspunkt, den frau bei der Auswahl der Menstruationstasse aber einbeziehen kann, ist die Größe. „Bei stärkerer Blutung kann ein Modell mit mehr Fassungsvermögen praktisch sein“, so Stephanie Eder vom Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF). Dann muss man weniger häufig wechseln. 

Eine Option ist womöglich auch eine Disc. Diese Variante der Tasse ist an ihrer flacheren Form zu erkennen. „Eine Menstruationstasse sitzt im Vaginalkanal und dichtet meist über einen leichten Unterdruck ab. Eine Disc liegt eher hinter dem Schambein und kommt oft mit weniger Unterdruck aus, das können manche als angenehmer empfinden“, erklärt Eder den Unterschied. 

Vielversprechende Tasse oder Disc gefunden? Ehe es damit zur Kasse geht, rät Janine Korduan, den Strichcode mit der App „ToxFox“ des BUND zu scannen. So lässt sich checken, ob das Produkt Schadstoffe enthält. „Schließlich tragen wir diese Produkte teils stundenlang in empfindlichen Bereichen.“

Ist das Produkt bislang nicht in der Datenbank verzeichnet, kann man in der App die sogenannte „Giftfrage“ stellen. Hersteller sind dann gesetzlich verpflichtet, innerhalb von 45 Tagen zu antworten, wenn ein Produkt besonders gefährliche Stoffe enthält.

Wie nutze ich eine Menstruationstasse? 

Ein Blick auf die Anleitung des Herstellers liefert die Antwort. Im Prinzip geht es so: Mit frisch gewaschenen Händen die Tasse falten, dann in die Vagina in Richtung Steißbein einführen - und zwar weniger weit als ein Tampon. Dort entfaltet sie sich mit einem „Plopp“. Nun besteht ein Unterdruck, der die Tasse an ihrem Platz hält. Drückt sie nicht, ist das ein gutes Zeichen, so Gynäkologin Stephanie Eder.

Die Hersteller geben auch an, nach wie vielen Stunden die Tasse spätestens herausgenommen und geleert werden sollte. Wer kein Überlaufen riskieren will, entfernt die Tasse lieber etwas früher. „Wichtig beim Herausnehmen: erst den Unterdruck sanft lösen, nicht einfach an der Rückholhilfe ziehen“, so Eder. Das klappt, indem man unten vorsichtig auf die Tasse drückt. 

Frauen, die mit einer Spirale verhüten, sollten beim Herausholen der Tasse besonders vorsichtig vorgehen. Spiralen sind nämlich am unteren Ende mit Fäden ausgestattet. Wer nicht aufpasst, kann beim Herausnehmen der Tasse versehentlich an ihnen ziehen. Das kann die Spirale verrutschen lassen. 

Wie reinige ich die Tasse richtig? 

Das Menstruationsblut darf in die Toilette wandern. Anschließend ist gründliches Abspülen der Tasse mit Wasser angesagt, ehe sie bereit für den nächsten Einsatz ist. „Unterwegs können eine kleine Wasserflasche, Feuchttücher und Handdesinfektion hilfreich sein“, sagt Stephanie Eder. 

Ist die Periode vorbei, sollten Tasse oder Disc ausgekocht werden, um Bakterien abzutöten. Auch hier ist ein Blick auf die Angaben der Hersteller sinnvoll: Meist raten sie zu einem Bad in kochendem Wasser für 5 bis 20 Minuten. Stephanie Eder rät, die Tasse sicherheitshalber auch vor der Periode - also nicht nur danach - auszukochen. 

Eine Menstruationstasse kann eine Begleiterin für mehrere Jahre sein, doch irgendwann ist Schluss. „Wenn das Material brüchig wird oder Risse hat, sollte man das Produkt austauschen“, so Stephanie Eder. Gebrauchte Menstruationstassen sind im Restmüll richtig aufgehoben.