„Goof-Off-Day“ 2022

Tag des Faulenzens: Diese verrückten Weltrekorde entstanden durch Nichtstun

Auch Abhängen oder Nichtstun will gelernt sein. Am 22. März wird diese demonstrative Haltung mit dem „Tag des Faulenzens“ gefeiert. Auf die Spitze treiben es diese Rekorde der Unproduktivität.

Von Hilal Özcan 21.03.2022, 10:43
Am "Tag des Faulenzens" wird zum kollektiven Nichtstun aufgerufen.
Am "Tag des Faulenzens" wird zum kollektiven Nichtstun aufgerufen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin/dpa - In unserer schnellen Welt bleibt selten Zeit dafür: Einfach mal einen Tag lang nichts zu tun - dazu fordert der „Goof-Off-Day“ (Deutsch: Tag des Faulenzens) am 22. März auf. Demonstrative Unproduktivität hat bereits zu Höchstleistungen geführt, die schwer zu toppen sein dürften:

Tag des Faulenzens: Verrückte Weltrekorde im Nichtstun

Still gestanden: Akshinthala Seshu Babu hatte es in Neu-Delhi ganze 35 Stunden lang geschafft, absolut nichts zu tun. Mit einem Stock in der Hand stellte er sich wie eine Statue auf ein Podest und hielt so lange still, bis er nicht mehr konnte.

Babu kleidete sich dazu wie der Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi, weil er dessen Prinzipien bewunderte. Das erklärte er 2002 in einem BBC-Interview. Auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Nichtstun alles andere als eine verschwendete Zeit, denn es kann die Kreativität steigern. Die Holländer sehen darin sogar einen eigenen Lifestyle und nennen ihn „Niksen“.

Dauer-Telefonat: In Zeiten von Handy-Flatrates und daher fehlendem Kostendruck können auch Telefonate von Faulheit geprägt sein. Auf die Spitze trieben es zwei Teams 2012 in Riga, Lettland, die 54 Stunden und vier Minuten miteinander telefonierten. Das bescherte ihnen einen Weltrekord im Guinness-Buch der Rekorde.

Vor einem reinen Zeitvertreib mit dem Handy warnt der Soziologe Peter Vorderer von der Universität Mannheim. Als Beispiele nennt er den Warteraum in der Praxis oder die Kasse im Supermarkt. Denn solche Momente böten eine Möglichkeit zur Rückbesinnung und zum Reflektieren, die der ständige Blick aufs Handy blockiere, erklärt Vorderer.

Auch Jenny Odell empfiehlt in ihrem Buch „Nichts tun“, die Zeit nicht mit dem Handy zu verschwenden. Sie beschreibt die eigene Aufmerksamkeit als ein sehr wertvolles Gut. Der Rat der Autorin lautet deshalb, mal in Ruhe die Natur zu beobachten und damit auch dem Druck der Produktivität zu entkommen.

Längste Umarmung: Mit dem Lieblingsmenschen kuscheln und sich umarmen - nicht sonderlich produktiv, aber schön und manchmal total romantisch: Aus diesen Zutaten ist der Weltrekord von Theresa Kerr und Ron O'Neil entstanden. Die beiden umarmten sich 24 Stunden und 33 Minuten lang. Die Aktion im Jahr 2010 an einem Strand in Kanada hatte auch einen wohltätigen Zweck. Es wurde Geld gesammelt, das an eine Stiftung für Diabetesforschung ging.

Liegen bleiben: Einfach abhängen, das schrieben sich die Mainzer im Jahr 2016 auf die Fahnen. Bei einem Stadtfest nahmen 269 Menschen gleichzeitig eine Hängematte in Beschlag. Damit wurde auch ein neuer Weltrekord aufgestellt - mindestens 250 mussten belegt sein.

Arbeit ohne Arbeit: Es gibt sogar Arbeitsstellen, bei denen fürs Nichtstun Geld bezahlt wird. Bei einem Job in Schweden kann man alles oder nichts tun. Für einen monatlichen Lohn von rund 2.000 Euro ist es nur zwingend, morgens und abends bei der Arbeitsstelle ein- und auszuchecken.

Was oder ob dazwischen etwas geleistet wird, ist freigestellt. Die Initiatoren des Projektes wollen damit symbolisch Produktivität und permanentes Wachstum in Frage stellen.

Auch die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg vergab 2021 drei Stipendien. Die Bewerber – 3.000 nahmen teil - sollten mit ihrer Idee zum Nichtstun überzeugen.