Schockmoment für alle Von den Kindern beim Sex erwischt – und nun?
„Mama? Papa? Was macht ihr da so nackt?“: Eine Erziehungsexpertin verrät, wie Eltern in so einer Situation cool bleiben - und wie detailliert sie dem Kind erklären sollten, was es da gesehen hat.

Fürth - Eltern geben sich gerade ihrer Leidenschaft hin und mittendrin geht plötzlich die Tür auf – und da steht ein kleiner Mensch im Schlafanzug. Große Augen, offener Mund, betretenes Schweigen.
Jetzt folgen erstmal Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Man weiß nicht, wer mehr erschrocken ist: das Kind oder die Eltern. Danach die Frage - ob ausgesprochen oder an den Fragezeichen in den Augen erkennbar: „Mama? Papa? Was macht ihr da?“ Im Kopf der Eltern pocht jetzt auch eine Frage: „Müssen wir das jetzt erklären?“
Ja, sagt Dana Mundt, Diplomsozialpädagogin bei der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).
Sie rät, erst mal Ruhe zu bewahren und nicht in Scham zu verharren. „Fragen sie sich: Was hat das Kind tatsächlich gesehen?“ Je nach Alter und Entwicklungsstand sind Kinder unterschiedlich in der Lage, das Geschehene zu deuten. „Kleinere Kinder interpretieren körperliche Nähe oft gar nicht als Sexualität, bei älteren entstehen häufig Fragen“, so Mundt.
Die eigene Reaktion, also ob man selbst mit Lachen, Erschrecken oder Schreien reagiert hat, kann aber auch erst recht Fragen und Unsicherheit beim Kind auslösen. Darauf sollte man dann auch eingehen.
Die Strategie: Nur so viel erklären, wie gefragt wird
Statt nun eine vollständige Aufklärung zu liefern, hangelt man sich im Idealfall an den Fragen des Kindes entlang. „Wenn Kinder Fragen stellen, ist das ein gutes Zeichen. Dann dürfen Eltern aufgreifen, was das Kind wissen möchte. Aber bitte bewusst bei dieser Nachfrage bleiben und nur so viel erklären wie gefragt wird“, empfiehlt die Sozialpädagogin. Wichtig: All das sollte altersgerecht, ohne Details und nicht überfordernd passieren.
Das könnte etwa in diese Richtung gehen:
- „Wir waren uns sehr nah, weil wir uns lieben.“
- „Erwachsene zeigen sich manchmal auf diese Weise ihre Liebe“
Hilfreich sei dabei, bei diesem Gespräch eine Atmosphäre von Nähe und Sicherheit zu schaffen.
Aus der Beratung weiß Dana Mundt, dass für einige Eltern gerade das Überwinden der eigenen Sprachlosigkeit die größte Hürde ist, wenn es um das Thema Sex geht. Sie rät dazu, ohnehin Ausschau nach kindgerechten Büchern über Körper, Gefühle und Sexualität zu halten. „Sie bieten einen leichteren Gesprächseinstieg, ohne dass Eltern alles in eigene Worte fassen müssen.“
Gespräche über Sex, Liebe und Körper sind nie zu früh
Auch wenn Eltern oft denken, es sei doch noch viel zu früh mit Kindern über Nähe, Liebe, Grenzen und Körper zu sprechen, gilt laut Mundt gerade die Regel: Es ist nie zu früh. „Natürlich immer mit verständlichen, dem Alter entsprechenden Worten und im Tempo des jeweiligen Kindes.“
Was die Fachkräfte in der Erziehungsberatung auch oft hören: „Haben wir unser Kind traumatisiert, wenn es uns beim Sex erwischt hat?“. Das sei in den meisten Fällen nicht so, beruhigt Mundt. „Wenn wir als Eltern das Geschehene nicht irgendwie tabuisieren oder dramatisieren, sondern vielmehr dem Kind zugewandt begegnen, kann das Geschehene meist gut eingeordnet werden.“
Dabei gebe es in der Regel „richtig“ oder „falsch“, sondern nur den passenden Weg im Umgang damit - und vielleicht klare Absprachen zu Rückzug und Privatsphäre.