Magdeburg l „Hai! Ho! Hi!“ Hui, was tönt denn da für ein Geschrei durch den Flur? Die Quelle ist schnell ausgemacht: Hinter einer Tür, die links vom Gang abgeht, befehden sich sechs Jugendliche lautstark mit fiktiven Samuraischwertern. Dabei wird ordentlich gefeixt. Mittendrin steht Angela Mund und grinst.

Mund ist Theaterpädagogin, die Samurai-Simulation ein Reaktionsspiel zur Lockerung. In den vergangenen Monaten hat die 29-Jährige hier in der Clearingstelle Magdeburg, die minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung beherbergt, wöchentlich einen Theaterkurs gegeben. Gerade ist er ausgelaufen. Ein ähnliches Projekt möchte sie nun ab Februar im Jugend- und Familienzentrum des Vereins „Die Brücke Magdeburg“ anbieten.

Im Vergleich zum alten Kurs allerdings soll der neue Migranten und Deutsche zusammenbringen. Dabei sind auch Erwachsene willkommen. „So können sich Flüchtlinge und Anwohner kennenlernen“, erklärt Mund. Denn „Die Brücke“ liegt nur ein paar hundert Meter von den Flüchtlingsunterkünften im Stadtteil Olvenstedt entfernt.

Ein ganzes Theaterstück soll entstehen

Nach Vorstellung der Theaterpädagogin soll das Ganze völlig ungezwungen ablaufen: „Der Kurs ist nicht dazu da, Vorurteile zu thematisieren. Wir praktizieren einfach ein normales Miteinander.“ Dazu sei das Theaterspiel ein wunderbares Mittel. „Wo man mit Sprache nicht weiterkommt, setzt man den Körper ein.“ Außerdem, sagt Mund, helfe es, in Rollen zu schlüpfen. So würden sich Flüchtlinge eher trauen, zu riskieren, auch mal etwas sprachlich Falsches zu sagen.

Und noch einen Unterschied gibt es im Vergleich zum alten Projekt: Mund will mit der neuen Truppe nicht nur einzelne Übungen machen, sondern ein komplettes Theaterstück auf die Beine stellen. Wer keine Lust auf Schauspielerei hat, der kann Kostüme nähen oder am Bühnenbild werkeln. „Es geht darum, gemeinsam etwas zu erschaffen.“

Bisher fehlt für das Projekt bei der „Brücke“ allerdings noch Geld – und zwar nicht nur für das Honorar der Fachfrau. Zu Buche schlagen vor allem Holz und Farbe fürs Bühnenbild und Stoff für die Kostüme.

Genügend Theaterwillige zu finden, dürfte ein Leichtes sein. Davon ist „Brücke“-Chef Steffen Hickisch überzeugt: „Eine deutsche Schauspielgruppe haben wir schon jetzt. Und mit den Flüchtlingen stehen wir in gutem Kontakt. Viele kommen fast täglich zu uns ins Jugendzentrum.“