Berlin (dpa) - Ob Drogenfahnder oder Wehrmachtsoffizier, ob Frauenmörder oder Zeitungsverleger, Bundeskanzler, Bankräuber, Alt-68er oder Macho: Heiner Lauterbachs Rollenportfolio kann sich sehen lassen. Der Schauspieler ist längst eine feste Instanz in der hiesigen Filmbranche und weiter gut im Geschäft.

Diesen Karfreitag wird Lauterbach 67. Mit diesem Alter ist er geradezu prädestiniert gewesen, um in der Komödie "Enkel für Anfänger" einen griesgrämigen Leih-Opa zu geben, der vom Leben im Ruhestand gelangweilt ist und zunächst nicht viel von kleinen Kindern hält. Die Generationen-Komödie ist Anfang Februar im Kino gestartet.

Im echten Leben ist er ein paar Monate zuvor Großvater geworden, doch er arrangiert sich mit dem Unvermeidlichen. Der "Berliner Zeitung" sagte er vor kurzem: "Es gibt gewiss spaßigere Dinge als Altwerden, aber die einzige Alternative wäre früher sterben, und das ist ja auch Scheiße. Insofern sollte man dankbar sein, in einem vernünftigen Zustand älter werden zu dürfen."

Er trotzt dem körperlichen Verfall im übrigen aktiv, indem er sich mit Sport fit hält und schon lange dem Rauchen, Trinken sowie seinem früher exzessivem Partyleben abgeschworen hat, wie er in zwei Autobiografien (erschienen 2006 und 2013) schreibt.

Geboren am 10. April 1953 in Köln als Sohn eines großen Sanitärunternehmers, soll der Junior nach Wunsch der Eltern eines Tages das Geschäft übernehmen. Die Schule verlässt er mit der Mittleren Reife, eine Lehre zum Installateur bricht er schnell wieder ab.

Er sucht, jobbt hier und da und nimmt Anfang der 70er Jahre Schauspielunterricht in seiner Heimatstadt. Erste Erfahrungen in seinem Beruf macht er am Theater, bald auch beim Film. Aber: "Ich wollte wirklich Schauspieler werden und nicht berühmt werden", verriet er im Podcast-Interview "Das blaue Sofa" des Senders Bayern1. Beides ist ihm gelungen.

Seinen Durchbruch verdankt er der Autorin und Regisseurin Doris Dörrie. Sie hat 1985 den bis dahin noch recht unbekannten Lauterbach als selbstherrlichen Fremdgeher und Familienvater besetzt, der vorübergehend in eine WG zieht und alles daransetzt, seine Gattin wiederzugewinnen. Die Kinokomödie "Männer" avanciert zu einem riesigen Überraschungserfolg für alle Beteiligten und lässt Lauterbach wie seinen WG-Genossen Uwe Ochsenknecht über Nacht zu Stars werden.

Von 1988 bis 1993 geht er unter die "Eurocops", im Anschluss ermittelt er als Kommissar "Faust" in Hamburg (bis 1997). Seitdem hat Lauterbach oft mit Regisseuren aus der ersten Reihe gedreht, darunter mit Dieter Wedel ("Der Schattenmann", 1996), Helmut Dietl ("Rossini", 1997) oder Joseph Vilsmaier ("Die Gustloff", 2005).

Auf seiner Website stellt er sich aber nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Produzent und Unternehmer vor. Er ist Honorarprofessor an einer privaten Hochschule in Berlin und betreibt zusammen mit seiner Frau Viktoria eine Lernplattform mit jeweils den Besten ihres Fachs - vom Spitzenkoch bis zum Opernsänger. Er selbst gibt Einblicke in die Schauspielkunst.

Fast 19 Jahre ist Lauterbach in zweiter Ehe verheiratet. Mit Viktoria hat er zwei Kinder, mit seiner Kollegin Katja Flint (60), mit der er von 1985 bis 2001 verheiratet war, einen erwachsenen Sohn. Lauterbach senior lebt mit seiner Familie am Starnberger See bei München.