Berlin (dpa) - Schon im Grundschulalter gewann sie den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", später Grammys und erst vor wenigen Tagen holte sie ihren Polar-Preis in Stockholm ab. Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreichte ihn am 11. Juni unter minutenlangem Applaus an Anne-Sophie Mutter.

Ihre Dankesrede auf Englisch nutzte die Geigerin aus Deutschland, um auf immer noch längst nicht zufriedenstellende Gendergerechtigkeit und auf starke Frauen aufmerksam zu machen. Sie nannte Königin Silvia, die sich um in Not geratene Kinder kümmert, die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg und Pippi Langstrumpf, diese "willensstarke, unabhängige, eigenwillige" Heldin ihrer Kindheit und Jugend. Heute wird Anne-Sophie Mutter 56.

"Für mich war die Violine die größte Entdeckung meines Lebens und ist es bis heute geblieben", schreibt sie auf ihrer Website. Die Musikerin war am 29. Juni 1963 in der badischen Kleinstadt Rheinfelden zur Welt gekommen und wuchs im Schwarzwald auf. Mit fünf Jahren begann sie auf eigenen Wunsch mit Musikunterricht, zunächst am Klavier. Doch die Violine gefiel ihr besser, sie wechselte das Instrument. Der Dirigent Herbert von Karajan (1908-1989) hörte von dem überaus talentierten Mädchen und lud es eines Tages zum Vorspielen ein. Als "Wunder" soll er die Kleine bezeichnet haben. Er ließ sie mit 13 Jahren bei den Salzburger Pfingstfestspielen als Solistin mit seinen Berliner Philharmonikern debütieren. Das war 1977.

Seitdem entwickelte sich die Musikerkarriere dieser "Jahrhundert-Begabung" steil, sie avancierte schnell zum Star der internationalen Klassikszene. Mutter durfte mit Maestros wie Daniel Barenboim, Zubin Mehta, James Levine oder Kurt Masur und ihren Weltklasse-Orchestern zusammenarbeiten und ist in den renommiertesten Konzertsälen rund um den Globus aufgetreten.

Nebenher ist Mutter Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern geworden. Sie stammen aus ihrer ersten Ehe mit einem Rechtsanwalt, der 1995 starb. In zweiter Ehe war sie mit dem Pianisten und Komponisten André Previn (1929-2019) verheiratet, der für sie das 2002 von ihr uraufgeführte Violinkonzert "Anne-Sophie" schrieb. Am 6. Juli wird sie es mit dem Boston Symphonie Orchestra in Tanglewood, Massachusetts, spielen, am 7. Juli an selber Stelle ein Konzert mit Filmmusiken von John Williams. "Across The Stars" heißen das Konzert und die CD, die am 30. August erscheinen soll (Deutsche Grammophon), wie sie auf ihrer Homepage ankündigt.

Dort nennt sie auch ihre Philosophie, die sie auf die kurze Formel bringt: "Musik soll packen, Menschen bewegen, soll etwas erzählen, soll etwas bewirken." Anne-Sophie Mutter versteht sich darauf, sie hat den Bogen raus. Ein Workaholic ist sie ihrer eigenen Einschätzung nach deshalb noch lange nicht. "Ich bin leider wahnsinnig faul", sagte sie im Mai dem "Münchner Merkur". "Ich genieße es, mal wochenlang nichts zu tun - und kenne gleichzeitig Kollegen, die täglich spielen." Das sei toll und sehr effizient - "aber nichts für mich", betonte die Wahl-Münchnerin.