Burg l „Ich bin Solafa“, erklärt die jungen Syrern Solafa Hansen. Mit ihren Eltern ist sie gerade erst in gerade erst in Deutschland angekommen. Gemeinsam mit zwei anderen syrischen Familien hat die 14-Jährige vor wenigen Tagen ihr neues Zimmer in Burg bezogen. Einer ihrer ersten Anlaufpunkte: Das Sprachcafé im Soziokulturellen Zentrum (SKZ). Beim ersten Mal hatte noch keiner Zettel oder Stift dabei. Das sieht in der zweiten Stunde Deutschunterricht schon ganz anders aus.

Helferin Alina Geßner schreibt die deutschen Buchstaben groß und deutlich an die Tafel. „A, B, C, D“, rattert Solafa runter. Für ihre Eltern ist es schwieriger. Die Aussprache von ‚H‘ und ‚R‘ fällt den Erwachsenen schwer. Die arabischen Schriftzeichen ihrer Heimat haben nichts mit den deutschen gemeinsam. Für die SKZ-Praktikantin Alina Geßner heißt das: Wieder zurück auf Null. Gerade erst hat sie die jungen Syrer und Afghanen ihrer Sprachgruppe soweit gehabt, dass sie sich beim Einkauf oder beim Arzt verständigen - und sogar ihre Gefühle ausdrücken können. Diese Teilnehmer wechseln jetzt in eine Sprachcafé-Gruppe, wo sie weiter gefördert werden. Im Nebenraum bespricht Helfer Jochen Kind nämlich bereits die Besonderheiten der deutschen Vokale und Umlaute. Ein Wort mit ‚Ö‘? Dem 17-jährigen Fahim aus Afghanistan fällt ‚Öse‘ ein. Der ehrenamtliche Lehrer gibt sich Mühe, allen Schülern zu erklären, was das Wort bedeutet. Beim ‚Ä‘ wird es leichter. Abdulbaset hat sofort das Wort ‚Ärmel‘ parat. Jochen Kind achtet auf die genaue Aussprache. „Das klingt doch schon sehr gut“, gibt es Lob.

Gelobt wird auch im Unterrichtsraum von den Helfern Eva-Maria Halm-Kulke und Manfred Krause. Dort steht die Wegbeschreibung auf dem Stundenplan. Manfred Krause malt einen Stadtplan in Großformat an die Tafel. Die Schüler beschreiben genau, wo lang es von der Burger Gemeinschaftsunterkunft bis zum nächsten Supermarkt oder dem SKZ geht. Auch dort sitzen zwischen den Afrikanern zwei Männer aus Syrien. Adel ist die Freude an diesem Tag ins Gesicht geschrieben. Vor zwei Tagen ist endlich seine Frau mit den beiden kleinen Töchtern in Burg angekommen - sie waren seit einem Jahr getrennt auf der Flucht.

Alina und die ehrenamtliche Helferin Helma Krause nehmen sich währenddessen mit vollem Elan den anderen neu angekommenen Flüchtlingen aus Syrien an. Helma Krause hat ein Bilderbuch für Kinder zum Deutsch lernen dabei. Die Burgerin zeigt auf die verschiedenen Obstsorten. „Banane“, kennt Solafa bereits. Die Erwachsenen achten genau auf ihre Aussprache und wiederholen die Wörter.

Nach 90 Minuten Unterricht ist es Zeit für ein Gruppenfoto. Solafa will allerdings nicht mit auf das Bild. Die hübsche junge Frau ziert sich - wie ein typischer Teenager. Nur das sonst gerade fast nichts in ihrem Leben dem eines deutschen Teenagers gleicht. Ein Leben auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien.