Burg l Kaum eine Stadtratssitzung hatte bei einem Punkt zu solchen umfassenden Diskussionen geführt wie die am 28. Februar 2013, als die mögliche Trassenführung einer Ortsumgehung für Burg zur Debatte stand. Dabei ging es nur um ein Stück Papier; genauer, ob der Bürgermeister einen Brief an den alten und neuen Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) schreiben soll, indem der Bau einer Umfahrung auch weiter Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans sein soll.

Dem vorausgegangen war sogar ein Forum mit der Stadt, dem Landesbetrieb Bau und der Volksstimme zu diesem sensiblen Punkt. Der Tenor: Viele Einwohner in Burg, vor allem in Süd, befürworteten das Projekt; zahlreiche Händler aus der Magdeburger Chaussee/Zibbeklebener Straße, dem Conrad-Tack-Ring oder der Zerbster Chaussee waren dagegen. Auch der Ortschaftsrat Reesen sah darin keinen Nutzen.

Nach einem intensiven Pro und Kontra hatte der Stadtrat letztlich mit 19 gegen 13 Stimmen für die Umgehung gestimmt. In dem Brief an Webel hieß es unter anderem: „In den Diskussionen (...) wurde deutlich, dass sich die Mehrheit der Bürger die Umsetzung des seit 1993 im Bundesverkehrswegeplan ausgewiesenen Projektes wünscht, denn die Bürger empfinden den Verkehr, der von der B 1 ausgeht, als erhebliche Belastung.“

Seitdem sind mehr als drei Jahre ins Land gegangen und der dicke Entwurf des Bundesverkehrswegeplans liegt auf dem Tisch – beziehungsweise ist im Internet einsehbar. Das Besondere, das die Diskussion jetzt neu entfacht: Die Trassenführung verläuft anders als zuvor gewünscht – und zwar tangiert sie Burg direkter und schließt Reesen mit ein.

Auf jeden Fall handelt es sich um eine sehr detaillierte Planung, in der umfassende Beurteilungen wie beispielsweise Geräusch- oder Abgasbelastungen sowie naturschutzrechtliche Komponenten eingeflossen sind, bestätigte der Sachgebietsleiter für Stadtentwicklung, Sven Wagener. So wird die 9,7 Kilometer lange Strecke – ein dreistreifiger Neubau – unterm Strich für den „Vordringlichen Bedarf“ eingestuft und kostet knapp 31 Millionen Euro. Etwa 9000 Fahrzeuge werden pro Tag prognostiziert. Und weiter: Während 5943 Einwohner auf diese Weise entlastet werden sollen, sind dagegen 53 Menschen stärker vom Lärm betroffen – nämlich die in Obergütter.

 

Für erheblichen Wirbel hat der Trassenverlauf bereits im Reesener Ortschaftsrat gesorgt. Denn deren Mitglieder hatten sich – wie erwähnt – gegen die Ortsumgehung für die Stadt Burg ausgesprochen. Nach der aktuellen Variante würde diese südlich von Reesen verlaufen und den Ort relativ nah tangieren. „Wir befürchten eine Beeinträchtigung von Flora und Fauna sowie eine Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bürger südlich der Bundesstraße 1“, begründete Ortsbürgermeister Otto Voigt. Und fügte hinzu: „Es sind durch die B 1n keine großartigen Veränderungen zu erwarten.“ Es sei im Gegenteil damit zu rechnen, dass „ausgeschlossene“ Ortschaften darunter leiden. Als Beispiel nannte der Ortschef Schermen, wo die Gaststätte mittlerweile schließen musste. „Potientielle Gäste fahren vorbei.“

Matthias Nielebock fordert dafür, an beiden Ortseingängen von Reesen Verkehrsinseln zur Verkehrsberuhigung und im Ort eine Bedarfsampel zu errichten. „Dann brauchen wir keine Umfahrung.“ Florian Kottler ist der Meinung, dass die Stadt Burg kein Verkehrsproblem habe. „Wenn man zweimal im Jahr dort im Stau steht, ist das nicht zu beanstanden.“ Und Anja Krüger ist sich sicher, dass „mit einer Ortsumfahrung die Stadt einschläft. Dann passiert in Burg noch weniger. Es gibt genügend warnende Beispiele in der Region.“ Dass es mit einer Umfahrung kaum Zeitersparnisse gibt, ist sich Sabrina Pfennighaus sicher. Außerdem: „Man will doch den Tourismus nach Burg holen und den Handel stärken. Mit einer Ortsumgehung fahren dann aber viele um Burg herum.“

Auch auf der kommenden Stadtratssitzung wird die Ortsumgehung thematisiert. Schon deshalb, weil die Kommunen eine Stellungnahme abgeben sollen. Allerdings nicht zu Einzelprojekten, sonderm zum Gesamtplan, sagte Sven Wagener.

Proteste gibt es auch aus der Siedlung Ost. Deren Einwohner fürchten einen deutlich höheren Lärmpegel als derzeit.

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