Herr Kruse, sind acht Jahre Burg genug?
Alfred Kruse:
Wenn ich die Frage auf die Stadtwerke beziehe, sind acht Jahre nicht genug. Wir sind mitten auf dem Weg zum Jerichower Landwerk und lenken den Fokus immer mehr auf die gesamte Region. Diesen Weg gemeinsam mit den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat einzuleiten, ist von Beginn eine große Motivation gewesen und hat die Stadtwerke wirtschaftlich weiter vorangebracht. Der Bürger ist dankbar für die Nähe und Ansprechbarkeit und schenkt uns sein Vertrauen. Aber ich nehme an, Sie haben die Frage eher persönlich gemeint.

Das habe ich.
Ich sage vorweg: Der Abschied fällt mir wirklich schwer. Zum einen, weil es gelungen ist, mit vielen engagierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Stadtwerke für die Zukunft gut aufzustellen und neue Herausforderungen, wie die Energiewende, anzugehen. Zum anderen, weil ich natürlich viele Menschen vermissen werde, die mir beruflich wie privat Wegbegleiter geworden sind. In den vergangenen acht Jahren hat sich Burg auf vielfältige Weise entwickelt. Ich denke nur an die Landesgartenschau. Das erleben zu können und daran mit den Stadtwerken einen Anteil zu haben, dafür bleibe ich sehr dankbar. Ich bereue keine Stunde und bleibe gerne Botschafter von Burg. Kurzum: Jetzt nach insgesamt 13 Jahren fernab der Familie und zwei Haushalten möchte ich die weitere berufliche Etappe wieder bei meiner Frau, den Kindern und der großen Familie verbringen. Ich glaube und hoffe, dass dieser Schritt doch nachvollziehbar ist.

Sie übernehmen wieder Stadtwerke?
Ja, ich bleibe Stadtwerker und werde Geschäftsführer der Stadtwerke Ahlen. Das ist eine Stadt mit rund 56.000 Einwohnern. Die Stadtwerke dort sind breit aufgestellt, haben beispielsweise noch die Trinkwassersparte und weitere Beteiligungen. Mir steht also eine interessante Aufgabe bevor.

Sie erwähnten, dass die Stadtwerke in Burg für die Zukunft gut aufgestellt sind. Können Sie das konkretisieren?
Die Stadtwerke sind fest im Jerichower Land etabliert und an der Seite der Privat- und Geschäftskunden gleichermaßen. Es zahlt sich nach wie vor aus, den direkten Kontakt zum Kunden zu halten. Und das trotz der vielen Anbieter im Internet. Solche Projekte wie der Mieterstrom mit Hilfe von Photovoltaikanlagen auf Dächern der Wohnungsbaugenossenschaft Burg oder die Gründung der Energiegenossenschaft im Jerichower Land sind Meilensteine in puncto Bürgerbeteiligung und Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort. Mit unserem Jerichower Landstrom nutzen wir die Stromerzeugung vor Ort für die Belieferung unserer Kunden. Für die Wirtschaft und mittlerweile sieben Kommunen sind wir Vertragspartner, auch für Dienstleistungen wie Beleuchtung oder E-Mobilität. Unser besonderes Augenmerk hat der Ausbau von Netzwerken im Jerichower Land, wie mit der Sparkasse und nicht zuletzt der Volksstimme bei unserer App „jeppy“.

In einem der ersten Volksstimme-Gespräche hatten Sie vor acht Jahren erwähnt, große Anstrengungen unternehmen zu wollen, um neue Kunden zu gewinnen. Inwieweit ist das gelungen?
Seit 2012 konnten wir die Anzahl der Verträge mit Privat- und Geschäftskunden um mehr als 25 Prozent steigern. Insbesondere in Teilen des Landkreises außerhalb der Kreisstadt stieg die Zahl der Verträge von rund 800 auf mehr als 6000 an.

Ein Blick in die Zukunft: Wie können die Stadtwerke im Vergleich zu den Riesen im Energiegeschäft auch morgen noch Bestand haben?
Indem sie den lokalen und regionalen Vorteil gemeinsam mit den Kunden nutzen. Mehr denn je wird es darauf ankommen, komplexere Lösungen für Strom- und Wärmeversorgung anzubieten und mit der Energiewende Schritt zu halten. Wir stehen bei der Elektromobilität ganz am Anfang und werden erleben, dass zum Beispiel immer mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen. Der Bau von entsprechenden Ladestationen – in Firmen oder in der privaten Garage – wird ein ganz zentrales Thema sein.

Haben Sie noch Ratschläge für Ihre Nachfolger parat?
Nein. Annette Meyer war als Prokuristin in all den Jahren ohnehin meine engste Mitarbeiterin. Und Dr. Swen Löppen ist ein gestandener Techniker und Energiewirtschaftler. Beide werden die Arbeit erfolgreich fortsetzen, da bin ich mir sicher.