Gommern l Für das heutige Aufkommen an Lkw wurde das Straßennetz in der Gommeraner Altstadt nicht entworfen. Viel zu eng sind die Straßen für die großen, schweren Fahrzeuge. „Die Lärmbelastung ist sehr hoch“, sagte Günther Langowsky. Als Anwohner des Kreuzungsbereiches Salzstraße/Dornburger Straße ist er von der Situation doppelt betroffen. Zum einen rollen die Fahrzeuge - etwa 9000 Stück täglich nach seiner eigenen Verkehrszählung - vor seinem Haus entlang. Auf dessen Höhe geben die Lkw-Fahrer spätestens Gas, weil sie hinter der Kreuzung wieder 50 km/h fahren können. Zum anderen bekommt Günther Langowsky auf der entgegengesetzten Fahrtrichtung auch den Abbiegevorgang jedes einzelnen Lkw in die Dornburger Straße mit. Die Lkw-Fahrer müssen auf langsames Tempo abbremsen, um den Kurvenradius zu schaffen. Geradeaus in die Salzstraße geht es nicht weiter, da es sich auf diesem Abschnitt um eine Einbahnstraße handelt.

Es wäre für die Anwohner eine große Entlastung, würde schon etwa ab Höhe Einfahrt zum Robinienhof die Geschwindigkeit für Lkw auf 30 km/h reduziert werden. Mit einer Unterschriftensammlung in der Salzstraße stellte Günther Langowsky unter Beweis, dass seine Forderung nach Verkehrsberuhigung und Minderung des Verkehrslärms viele Unterstützer hat.

Bei einem Vor-Ort-Termin mit einem Vertreter der Verkehrsbehörde sei es so laut gewesen, dass sie sich neben dem fließenden Verkehr stehend kaum unterhalten konnten. „Ich hatte die Hoffnung, dass jetzt etwas passiert.“

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Eine Lärmmessung wurde durchgeführt. „Im weiteren Verfahren wurde festgestellt, dass es Unstimmigkeiten über die Anwendung der Rechtsgrundlage gibt“, informierte Kreis-Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann auf Nachfrage der Volksstimme. Der Landkreis musste das Verfahren aussetzen, bis das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt die Frage geklärt hat, welche Rechtsgrundlage anzuwenden ist.

Die Kreisverwaltung sei wirklich bemüht, für die Salzstraße eine Lösung zu finden, sagte Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos). Weil es sich bei der Salzstraße um eine Bundesstraße handelt, sind ihm die Hände gebunden. Der Landkreis dürfe das Tempo 30 auch nicht vorsorglich anordnen. Das hatte eine Rücksprache mit den zuständigen Landesbehörden ergeben. „Hier wiehert der Amtsschimmel ganz erheblich“, merkte der Gommeraner Stadtchef an. Als Anwohner trug er sich in die Unterschriftenliste ein. Als Bürgermeister lässt er keinen Zweifel daran, dass die Stadt auf Seiten der betroffenen Anwohner steht. „Wir bemerken den zunehmenden Lkw-Verkehr, der nicht zuletzt bei Umleitung dazu führt, dass Lkw an Lkw fährt.“ Da die Ortsumgehung im Bundesverkehrswegeplanung nicht mehr berücksichtigt wurde, müsse es andere verkehrsregelnde Maßnahmen geben.

Für Günther Langowsky ist es nicht nachzuvollziehen, dass die Realisierung so lange dauert. Schließlich handele es sich bei einer Begrenzung auf 30 km/h um eine kostengünstige Lösung.

„Der Lärm ist nicht mehr zu ertragen“, setzte er hinzu. Sei es mal eine Zeit lang ruhig, dann falle das regelrecht auf. Den Lkw-Fahrern will er ausdrücklich keine Vorwürfe machen. Die seien auch nur gebeutelte Arbeitnehmer.

Dabei hatte Günther Langowsky im Juni eine gefährliche Begegnung mit einem Sattelauflieger. Dieser streifte an seinem Kopf vorbei, als er den Bordstein säubern wollte. Seitdem lässt er das.

Der starke Kraftverkehr treibe zudem die Fahrradfahrer auf den Gehweg, wo sie wiederum Fußgänger und Anwohner, die aus ihren Haustüren treten wollen, gefährdeten. Deshalb sollte eine Fahrradspur angelegt werden, regte Günther Langowsky zusätzlich an. Ob eine Fahrradspur möglich ist, überprüft gerade der Landkreis.