ALB-Holzbockkäfer

Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist vor allem in China, Korea und Taiwan heimisch. Durch Verpackungsholz kam er nach Europa.

Die Larven benötigen in Europa eine Entwicklungszeit von knapp zwei Jahren. Dafür fressen die Larven im Kronenholz. Bevorzugte Wirtspflanzen: Ahorn, Kastanie, Pappel, Weide, Platane, Erle, Birke, Hainbuche, Kuchenbaum, Baumhasel, Buche, Esche, Blasenbaum, Platane, Linde und Ulme.

Die Käfer haben in Deutschland keine natürlichen Feinde.

Rothensee/Biederitz/Hohenwarthe l Mit Pheromonfallen und Fangbäumen will das Land im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) Erfolge erzielen. Grundstücks-eigentümer können sich auf Wunsch daran beteiligen.

Von Juli bis Oktober vergangenen Jahres waren die ersten zehn Pheromonfallen im Stadtgebiet im Einsatz, berichtete Dr. Ursel Sperling von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) bei der Infoveranstaltung am Donnerstag in Rothensee. Sieben der aus schwarzer Pappe bestehenden Konstruktionen hingen damals entlang der Elbe im Wiesenpark, drei weitere wurden vorsorglich im Magdeburger Zoo installiert.

„Denn es ist nicht so, dass wir nur die Kettensäge im Repertoire haben“, sagte Hans-Ulrich von Wulffen von der LLG. Zu den Maßnahmen gehören u. a. 200 Pheromonfallen und 50 Fangbäume, die teilweise bereits angeschafft wurden, und der Einsatz von Suchhunden.

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In Kochsalzlösung

Der Magdeburger Zoo liegt zwar knapp außerhalb der 43 Quadratkilometer großen Quarantänezone. Aber genau wie beim ostelbischen Herrenkrug nahe Biederitz mit seinem historischen Baumbestand will man dort lieber auf Nummer sicher gehen und einmal öfter kontrollieren. Gefangen wurden dort glücklicherweise bisher keine Käfer. Aber in zwei Fallen auf ostelbischer Seite schwammen schließlich vier Käfer in der Kochsalzlösung im Auffangbehälter.

Die Fallen seien aber auch nicht unbedingt für den massenhaften Fang gedacht, erläuterte Sperling weiter, sondern sollen vielmehr dabei helfen, weitere befallene Bäume zu entdecken. Denn in einem Umkreis von maximal 150 Meter – so weit reicht der Lockstoff – muss sich bei einem Fang folgerichtig ein solcher Wirtsbaum befinden. 200 dieser Pheromonfallen sind bereits vom Land angeschafft worden.

Eine weitere Methode, die bereits erfolgreich beispielsweise in Bayern angewandt wird, sind Fangbäume. Diese jungen Bäume von Arten, die der Käfer bevorzugt, werden in beweglichen Containern in Risikogebieten aufgestellt. Sinn der Sache ist, dass der Käfer auf Wirtssuche diese Bäume zielgerichtet anfliegt.

Aufgrund der geringen Größe und wenigen Äste kann er dort leichter erkannt werden und dann samt Baum entfernt werden. Von den Fangbäumen sollen 50 Exemplare erworben und aufgestellt werden. Wer eine Pheromonfalle oder einen Fangbaum auf dem eigenen Grundstück aufstellen will, kann sich bei der LLG melden.

31 Fälle bisher

Mit den seit Anfang des Jahres sechs befallene Bäume innerhalb der bestehenden Quarantänezone stieg die Zahl auf insgesamt jetzt 31 Fälle. Weil sich die Bäume aber alle in den bekannten Risikogebieten befinden, ändert sich die 43 Quadratkilometer große Quarantänezone nicht.

Aber: Durch die sechs neuen Funde in diesem Jahr hat sich die Dauer der Quarantänezone mit all ihren Einschränkungen bis mindestens Frühjahr 2020 verlängert. Sie muss vier Jahre nach dem jüngsten Fund aufrecht erhalten werden. Erst wenn es in dieser Zeit keinen neuen Fall gab, gilt das Gebiet als käferfrei.

Wie lange das dauern kann, zeigt ein bayerisches Beispiel, das Ursel Sperling nannte. Dort fand man 2004 den ersten Käfer und erst jetzt, 12 Jahre später, konnte die Quarantäne beendet werden.

Quarantäne verlängert

Vier Bäume waren bei den Fällarbeiten im Wiesenpark entdeckt worden, ein Baum steht an der Saalestraße/Steinkopfinsel und ein Ahorn eben direkt vor der Tür der einer Kita in Rothensee. „Dort haben wir richtig dicke, fette Larven gefunden“, erklärte Sperling. Daraus würden in diesem Sommer flugfähige Käfer wachsen. Weil die Larven aber nicht den Baum verlassen können, galt die Devise „Erst die Information, dann die Säge.“

Seit 2014 treibt der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) sein Unwesen in Magdeburg. Vor allem im Norden der Landeshauptstadt wurde ein Befall gemeldet. Einen ersten Fall gab es im Herbst im Bereich des Landkreises Jerichower Land. Im Herbst des vergangenen Jahres wurden die Käfer im Wiesenpark - rund zwei Kilometer vom Herrenkrugpark - im Bereich des hiesigen Landkreises gefunden. Die Bäume im Umkreis von 100 Metern rund um die Fundstelle wurden gefällt.

Um mit dem ALB befallene Bäume wird außerdem vorsorglich im Umkreis von zwei Kilometern eine Quarantänezone gezogen. Einige Teile der Quarantänezone befinden sich ebenfalls auf der Gemarkung des Jerichower Landes. So reicht sie bis kurz vor Biederitz und Gerwisch sowie bis nach Hohenwarthe hinein.

Eigentümer benachrichtigt

Eigentümer von betroffenen Bäumen werden benachrichtigt. Die Kosten für Fällung und Entsorgung der Bäume, Hecken und Sträucher übernimmt weiterhin das Land. Geld für Wiederbepflanzung wird es vorerst aber nicht geben. Bei den künftigen Haushaltsplanungen des Landes soll das aber eine Rolle spielen, sagte von Wulffen.

Für die öffentlichen Grünflächen hatte Simone Andruschek vom Stadtgartenbetrieb eine gute Nachricht dabei. „In diesem Jahr stehen 160 000 Euro für deren Wiederbepflanzung zur Verfügung“, erklärte sie. Im Herbst soll sie erfolgen. Was und wo genau gepflanzt wird, steht derzeit noch nicht fest.

Kontakt bei Fragen oder möglichen Käferfunden unter Tel. 03941/33 43 41 oder hier.