In Nestern mit verlorenem Nachwuchs stellen Loburger Experten "Triebabreaktion" fest

Aufgepäppelte Adebare werden bald freigelassen

Von Stephen Zechendorf 27.06.2013, 03:19

Nachdem einige Jung-störche in den Storchenhorsten der Region die feuchtkalte Witterung der Vormonate nicht überlebt haben, sind die Mitarbeiter der Loburger Vogelschutzwarte "Storchenhof" nun bemüht, den verbliebenen Jungtieren einen guten Start in ein Leben in Freiheit zu ermöglichen.

Loburg l Als ob der Frühling nicht schon genügend Probleme für Störche bereitgehalten hätte, erreichte den Storchenhof Loburg vor Kurzem die Nachricht, dass der Horst auf einem Strommast in Isterbies durch die jüngsten Stürme arg in Schieflage gebracht worden sei. Diese Nachricht wog deshalb besonders schwer, weil in besagtem Horst seit 70 Jahren erstmals wieder eine Brut registriert worden war, informiert Dr. Christoph Kaatz, Vorsitzender des Storchenhofvereines. Außerdem war hier der Nachwuchs - noch in den Eiern - vor dem kalten Frühjahr verschont geblieben.

Beim Storchenschutz haben Landesgrenzen keine Bedeutung

Umso dankbarer waren die Storchenhof-Leute, dass der regionale Strombetreiber E.on-Avacon schnell mit seiner Technik dafür sorgte, dass der Isterbieser Horst wieder gerade auf den Strommast gerückt werden konnte. Das Wohlergehen der Isterbieser Störche liegt den Vogelexperten sehr am Herzen: einer der Altstörche ist mit einem Datenlogger ausgestattet. Das Gerät gehört zu einem internationalen Forschungsprojekt, an dem die Loburger Vogelschutzwarte und eine Universität in Israel beteiligt sind.

Der Stromanbieter hatte ebenso dafür gesorgt, dass am Dienstagvormittag eine Schülergruppe aus dem Landkreis Goslar auf dem Storchenhof "landete". Die Grundschüler waren Gewinner eines Preisausschreibens, die Fahrt zum Storchenhof nach Loburg ein Hauptgewinn. "Im Harzvorland gibt es kaum Weißstörche", erklärt Dr. Christoph Kaatz. Nur der Schwarzstorch wagt sich auch in höhere Regionen.

Auf der Loburger Vogelschutzwarte konnten die Kinder auch einen Blick auf vier Jungvögel werfen, die morgen in Storchenhorste in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt werden sollen, um hier von Ziehstörchen bis zum Flügge-werden weiterversorgt zu werden. Die vier Störche waren noch als Eier aus Mecklenburg-Vorpommern nach Loburg gebracht worden, nachdem die Elterntiere verunglückt waren. Nach wenigen Tagen im Brutkasten schlüpften die vier Mini-Adebare und wurden fortan von Menschenhand aufgezogen. "Damit sie sich nicht an uns gewöhnen, nutzen wir einen Kunststoff-Storch, um die Jungvögel zum Fressen zu animieren, erklärte Storchenhof-Mitarbeiter Günther Krüger den Schulkindern aus Niedersachsen. Um den Storchenbestand in dem Bundesland nicht zusätzlich zu dezimieren, werden die Jungvögel dorthin zurückgebracht. Laut Aussagen von Christoph Kaatz zählt Mecklenburg-Vorpommern aus Sicht der Storchenexperten zu den Sorgenkindern: Der Bestand ist arg zurückgegangen. Für Kaatz ist diese Aktion ein weiteres Zeichen dafür, dass beim Storchenschutz Landesgrenzen keine Bedeutung haben.

Seit Jahresbeginn 30 Tiere zur Pflege aufgenommen

Wie der Loburger "Storchenvater" registrierte, legen "Magnus" und "Agatha", das Storchenpaar auf dem Hofgelände, welches seinen Nachwuchs im kalten Mai verlor, wieder ein Brutverhalten an den Tag. Jedoch handele es sich dabei lediglich um eine Triebabreaktion, erklärt der Ornithologe. "Es ist zu spät für eine neue Brut", weiß Kaatz, und der Blick mit der Kamera in den Horst verrät auch, dass keine neuen Eier gelegt worden sind.

Beim Nachbarpärchen "Albert von Lotto" und Mina gedeiht der Nachwuchs dagegen prächtig.

Nach derzeitiger Statistik wurden seit Jahresbeginn fast 30 Tiere zur Pflege in der Loburger Station aufgenommen und sieben Storcheneier künstlich ausgebrütet. Auf dem Gelände leben jedoch nicht nur Störche. Auch ein flugunfähiger Rotmilan und eine Sumpfrohreule haben in einer Voliere ein dauerhaftes Zuhause gefunden. Einen in Pflege genommenen Kolkraben hoffen die Tierpfleger, schon bald wieder auswildern zu können.

Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg e.V., Chausseestr. 18, Loburg, Telefon/Fax: (039245) 2516, Kontakt: [email protected] Spendenkonto: Sparkasse Jerichower Land, Konto-Nummer: 503001244, BLZ: 81054000