Burg l Seit mehr als 25 Jahren ist der 3. Dezember der Internationale Tag für Menschen mit Behinderung. 1993 hatten ihn die Vereinten Nationen ausgerufen. „Ich hoffe, dass an einem solchen Tag auch die Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind, achtsamer mit ihren Mitmenschen umgehen und die Maßnahmen, die für Menschen mit Behinderung unternommen werden, zu würdigen wissen“, sagte Elke Fenger-Schwindack im Gespräch mit der Volksstimme. Die 58-Jährige sitzt selbst im Rollstuhl, ist engagierte Strei- terin auch für die Rechte Behin- derter im Burger Stadtrat und als sachkundige Einwohnerin im Ausschuss für Soziales und Gesundheit im Kreistag.

Ihr fallen zahlreiche Punkte in der Stadt ein, die für einen Menschen ohne Behinderung völlig unauffällig sein mögen, für jemandem im Rollstuhl oder auch mit einem Rollator aber zu unüberwindlichen Hindernissen werden können. Manches ist allerdings nicht auf die Stadt Burg begrenzt.

Behindertenparkplätze

Gegenüber der Volksstimme-Redaktion hat sie ihr Auto abgestellt. An der Seite ist aber nicht genügend Platz, um die Tür weit genug zu öffnen und den Rollstuhl aus dem Wagen zu holen. Könnte sie nicht – wenn auch unter großen Anstrengungen – auch ein paar Schritte zu Fuß gehen, wäre hier der Ausflug schon beendet. Eine Situation, die ihr oft begegnet, ebenso dass diese Parkplätze von Nicht-Behinderten belegt werden.

Bilder

Postamt

Schon vor dem Postgebäude am Markt ist eine Stufe, die unüberwindlich ist. Zu der Treppe im Inneren gelangt man ohne fremde Hilfe gar nicht erst. Die soll durch eine nicht gerade auffällig angebrachte Klingel an der Hauswand geholt werden können. „Da gibt es aber keine Gegensprechanlage, so dass man erst einmal wartet“, erklärt Fenger-Schwindack. Und das kann lange dauern. Ein Rollstuhlfahrer habe mal gesagt, im Winter erfriere er, bei Regen werde er tropfnass und im Sommer werde er gegrillt. Tatsächlich musste Fenger-Schwindack bei einer ähnlichen Tour eine geschlagene halbe Stunde warten. Und wurde auf ihre Kritik hin von der Postmitarbeiterin angefeindet: „Sie müssen schon warten, wir haben auch drinnen Kunden“.

Mubi-Haus

Im Aktionshaus Musik und Bildung an der Magdeburger Straße gibt es einen Behindertenparkplatz auf dem Hof. Doch die Hintertür lässt sich vom Rollstuhl aus nicht öffnen. Am Vordereingang verhindert eine Treppe den Zugang, eine Klingel gibt es nicht. „Dann muss man vorher anrufen und sich anmelden“, erzählt Fenger-Schwindack mit einer Spur Galgenhumor.

Landratsamt Haus 2

Auch hier vom Prinzip eine gute Idee. Am Neubau des Verwaltungsgebäudes an der Bahnhofstraße wurde ein Behindertenparkplatz eingerichtet. „Der ist allerdings nicht barrierefrei“, erklärt Fenger-Schwindack. Zwischen dem Gebäude und dem Eingang ist noch eine schiefe Ebene als Hindernis. Für einen Nichtbetroffenen wirkt sie wie ein Klacks, doch Fenger-Schwindack hat schon mehrere Männer in ihren Rollstuhl gebeten, um es auszuprobieren. Alle, auch der Volksstimme-Reporter, scheiterten an dem, was sich als Kraftakt entpuppt. Die Kreisverwaltung hat ihr zugesagt, an anderer Stelle einen Parkplatz zu schaffen. Das ist drei Wochen her.

Arztpraxen

Auch an einem Ort, an dem man auf viel Verständnis hofft, kann es schwierig werden. „Achten Sie einmal darauf, in den Wartezimmern sind es immer geschlossene Stuhlreihen, wo soll denn da der Rollstuhl hin?“, fragt Fenger-Schwindack an.

Positivbeispiele

Es gibt aber auch die andere Seite. So hat die Stadt Burg vor der Eröffnung der Behindertentoilette auf dem Friedhof Elke Fenger-Schwindack testen lassen, ob die wirklich barrierefrei ist. „Die ist sehr gut gelungen“, lobt sie. Eine solche Zusammenarbeit, dass man zuhört und sich auch aus der Sicht einer Betroffenen beraten lässt, wünscht sie sich an noch viel mehr Stellen.