Nitratbelastung

Bauern weisen Kritik zurück

Der Verein „VSR-Gewässerschutz“ hat Alarm geschlagen: Bei Gewässerproben habe der Nitratwert über dem Grenzwert gelegen.

Von Nicole Grandt

Burg l Peter Deumelandt ist sauer auf den VSR-Gewässerschutz. Nicht nur, dass der Verein für ihn unsauber arbeitet und pauschal urteilt. Er ärgert sich, dass der Verein mit nahezu standardisierten Pressemitteilungen deutschlandweit mit seiner pauschalen Kritik an der Landwirtschaft Aufmerksamkeit bekommt. Auslöser seiner Kritik ist ein Beitrag in der Volksstimme vom 8. Januar 2021, in dem der Gewässerverein auf ungewöhnlich hohe Nitratwerte in zwölf von 59 Wasserproben aus dem Jerichower Land hinweist und die Düngepraxis in der Landwirtschaft und deren fehlende Bereitschaft umzudenken als Hauptursache dafür sieht.

„In der Meldung steht, dass die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Aufgabe sei, die sie – hier sind verallgemeinernd die Landwirte gemeint – versuchen zu umgehen. Damit wird suggeriert, dass die regionalen Betriebe der Landwirtschaft sich nicht an Gesetze halten“, kritisiert Deumelandt. Außerdem: „Für jeden Leser ist es mit einer einfachen Internetrecherche klar nachvollziehbar, dass diese Meldung deutschlandweit identisch versandt wird. Die einzige Änderung ist, dass aus Zerbst eben Burg wird und die Zahlen ausgetauscht werden. Der Verursacher der erhöhten Werte ist auch schnell ausgemacht, aus Sicht des Vereins ist es die intensive Landwirtschaft. Ein geflügeltes Wort, mit dem man irgendwie dem vermeintlichen Mainstream entspricht, aber was der Verein unter intensiver Landwirtschaft verstanden wird, gibt er nicht preis.“

Diese unklare Formulierung stuft Deumelandt als problematisch ein. „Die Fakten sind vielmehr, dass wir im Landkreis aufgrund der historischen Entwicklungen größere Betriebe haben als im deutschen Durchschnitt. Aber ist das eine Intensivierung? Oder sind es für den VSR die Tierbestände, die im Landkreis bei 0,7 Großvieheinheiten je Hektar (GV) liegen, gegenüber 1,3 GV/ha im Bundesdurchschnitt?“

Für ähnlich unklar wie die Definition von „intensiver Landwirtschaft“ hält Deumelandt auch die Analysepraxis des Gewässerschutzvereins.

Auf seiner Homepage weist der Verein Ergebnisse aus sieben Bundesländern aus. Darunter auch Sachsen-Anhalt – konkret unter anderem jene Aktion vom 13. Oktober in Burg, bei der Menschen unter anderem aus Trypphena, Hohenwarthe, Möser, Detershagen und Schartau insgesamt 59 Proben zur Untersuchung gebracht hatten. Laut Verein lag in jeder fünften Probe der Nitratgehalt über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Besonders hoch war der Wert demnach in Tryppehna mit 160 Milligramm pro Liter.

Deumelandt zweifelt massiv an der Aussagekraft der Proben, obwohl er grundsätzlich Wasseranalysen befürwortet. „Bei jeder Art von Analysen ist eine qualifizierte Probennahme sehr wichtig, dafür gibt es Normen und Handlungsanweisungen. Bei der Probennahme für diesen Verein – es macht jeder Kunde für sich allein – werden diese wissenschaftlichen Grundanforderungen nicht erfüllt, womit exakte und vor allem nachvollziehbare Analysen kaum möglich sind.“ Er empfiehlt deshalb, das eigene Wasser durch den örtlichen Wasserversorger prüfen zu lassen.

Auch die Orte, an denen gemessen wird, sind für den Geschäftsführer des Kreis-Bauernverbandes relevant: „Wie auch an den staatlichen Messstellen stellt sich bei den privaten Brunnen die Frage, was sich in den letzten Jahrzehnten in der Nähe befand. Waren oder sind es undichte Kanalisationssysteme, der Misthaufen, ehemalige Sickergruben, ehemalige Stallanlagen mit undichten Güllekellern oder Altstandorte von Deponien, die es früher an fast jedem Dorf gab?“

Ein Argument, das offenbar häufig von Kritikern angeführt wird und deshalb auf der Homepage des Vereins von Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz, aufgegriffen wird: „Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli, auch als E.coli bekannt. Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Unsere Untersuchungen ergaben, dass fast alle Wasserproben mit hohem Nitratgehalt nicht mit diesen Bakterien belastet waren. Deswegen ist davon auszugehen, dass im Grundwasser keine Abwasserbelastung vorliegt“, heißt es dort. Speziell für das Jerichower Land erklärt Bereiß-Gülzow, E.Coli-Bakterien seien nur in einer Probe aus Burg nachgewiesen worden.

Sie kann die Kritik der Landwirte an der Arbeit des VSR nicht akzeptieren: „Eine Verringerung der Belastung unserer Gewässer ist dringend nötig. Der VSR-Gewässerschutz findet es schade, dass die Landwirtschaftsverbände von den Nitratbelastungen, die von der Agrarindustrie ausgehen, ablenken wollen“, so die VSR-Vorsitzende. „Es wird höchste Zeit, die Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung stellen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“, so Susanne Bareiß-Gülzow.

Deumelandt hält den Vorwurf, die Landwirtschaftsverbände wollten von einer durch sie verursachten Nitratbelastung ablenken, für ungerechtfertigt: „Nun will ich nicht jeden landwirtschaftlichen Einfluss auf die Grundwasserqualität wegdiskutieren. Nein, auch unsere Landwirtschaft hat Einfluss auf das Grundwasser. Nur können wir ihn nur begrenzt steuern.“ Er nennt Einflüsse aus der Natur als Gründe dafür. „Denn trotz maximaler Sorge um eine passgenaue Düngung, wirtschaftet die Landwirtschaft in der Natur mit schwankenden Niederschlägen oder Temperaturen. Ist es mal sehr kalt und regnet viel, nehmen die Pflanzen nicht so viel des für sie gedachten Nährstoffs auf. Diese nicht von den Pflanzen verwendeten Nährstoffe werden in der Nährstoffbilanz jedes Betriebes erfasst.“

Entgegen den Meldungen des VSR sieht er eine positive Entwicklung: „Auch der Nitratbericht der Bundesregierung zeigt auf, dass die Landwirte immer besser werden, was eine zielgenaue Düngung ihrer Pflanzen angeht. So zeigt der Nitratbericht 2020 abermals, dass die Nitratwerte im Grundwasser sinken und damit die Richtung beim Gewässerschutz stimmt.“

Zudem kann es sich laut Deumelandt ein Landwirt gar nicht erlauben, zu verschwenderisch mit Düngemitteln umzugehen: „Gerade auch in unserer Region gehen die Landwirte sehr verantwortungsbewusst mit Düngemitteln um, da sie ein großer Kostenfaktor in der Produktion sind. Die Diskussionen und Demonstrationen der vergangenen Wochen und auch Jahre zeigen eindringlich auf, dass ein Zuviel an Dünger oder auch Pflanzenschutzmitteln ökonomisch überhaupt nicht darstellbar ist, da ein landwirtschaftlicher Betrieb genau wie jedes Unternehmen nach dem Decken der Kosten auch Gewinne realisieren sollte.“ Auch müsse für jede angebaute Kultur eine detaillierte Düngebedarfsermittlung stattfinden.

Eine bedenkliche Lage stellt Deumelandt im Übrigen für das Jerichower Land nicht fest, dies sei auch am Grundwasserbericht des gewässerkundlichen Landesdienstes (GLD) zu erkennen, bei dessen Messstellen der Grenzwert bei der „übergroßen Mehrheit“ nicht überschritten worden sei: „Schlussendlich möchte ich festhalten, dass die Trinkwasserbrunnen in unserem Landkreis insgesamt sehr geringe Nitratwerte aufweisen und heute und in Zukunft keinen Grund zur Sorge darstellen.“