Burg l Ab 2020 soll das staatlich kontrollierte, jedoch freiwillige so genannte „Tierwohllabel“ auf Fleisch in Supermärkten darauf hinweisen, wie gut es dem Tier bei der Haltung ergangen ist. Die Güte der Haltung wird dabei in drei Stufen unterschieden. Das hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) Mittwoch in Berlin verkündet. Für Verbraucher soll sichtbar werden, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden. In Stufe Eins hätten Schweine zum Beispiel 20 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet etwa für ein Tier mit 50 bis 110 Kilogramm 0,9 statt 0,75 Quadratmeter. Ob das Logo aber wirklich die Schweinehaltung verbessert, da sind sowohl Tier- als auch Verbraucherschützer noch skeptisch.

Abwartende Haltung

Peter Deumelandt vom Kreisbauernverband sagt, die Landwirte stehen momentan noch in abwartender Haltung gegenüber dem Logo: „Viele Landwirte sind ja bisher bereits bei der Initiative ,Tierwohl‘ dabei gewesen“, erklärt er. Dies zeige, dass es durchaus eine Bereitschaft im Jerichower Land gebe, Betriebe auf das Tierwohl hin auszurichten. Um den Standards des Kennzeichens zu entsprechen, wären aber Veränderungen nötig. „Die Schweine brauchen mehr Platz, Buchten müssen anders strukturiert werden. Es gibt bereits einige Betriebe, die sich schon in diese Richtung verbessert haben“. Entscheidend wäre, ob die Nachfrage bei den Verbrauchern besteht.

Eine Hilfe für Kunden

Evamaria Blamberg, in der Verbraucherzentrale Magdeburg zuständig für Lebensmittel, findet Logos zur Qualitätsunterscheidung grundsätzlich hilfreich für Kunden. Jedoch hänge die Güte und Zuverlässigkeit des Labels davon ab, inwieweit die Kriterien schließlich umgesetzt werden. „Viele Handelsketten haben ja bereits ein eigenes Tierwohlkennzeichen, das auf der selben Stufe wie die staatlichen Mindestanforderungen steht. Zudem können Verbraucher sich auch nach dem Bio-Siegel richten“. Aber selbst innerhalb dieser Güteklassen gebe es Unterschiede. „Ein einheitliches Siegel wäre für den Verbraucher wirklich gut“, sagt sie.

Zu wenige Standards

Der deutsche Tierschutzbund sieht in der Stufe Eins des Labels eindeutig zu wenige Standards erfüllt. „20 Prozent mehr Platz, als gesetzlich vorgeschrieben, sind viel zu wenig“, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Bundesverbandes der Organisation. Bei diesen laschen Kriterien ginge es wohl darum, in die Breite zu gehen, das Tierwohl bleibt dabei auf der Strecke“, so Schmitz. „Wenn mehr Landwirte da mitziehen, wird es mehr Produkte geben. Das ist dann aber eine Mogelpackung“, so Schmitz. Der Bund selbst fordert 50 Prozent mehr Platz. Bei genügend Platz und guter Haltung trete zum Beispiel das stressbedingte Schwanzbeißen nicht auf.

Verbot der Ferkelkastration

Der deutsche Tierschutzbund hat ein eigenes Logo. Es gilt nicht nur, aber auch für die Haltung von Schweinen. Es sieht zum Beispiel bereits seit 2013 ein Verbot der Ferkelkastration vor. Mit diesem Logo will die Organisation auch in Zukunft Produkte bestücken. Ansonsten werde man jetzt erst einmal sehen, wohin die Reise bei dem freiwilligen, staatlichen Logo gehe, bevor man das eigene abschaffe.

Finanzieller Aspekt

Ralf Beke-Bramkamp, Sprecher des Schweinezucht-Unternehmens LFD-Holding, das im Jerichower Land an drei Standorten vertreten ist, sieht den Änderungen gelassen entgegen. Aus Sicht der LFD-Holding sei es notwendig, dass etwas für gute Tierhaltung getan wird. Dabei spiele für ihn vor allem der finanzielle Aspekt eine Rolle: „Mehr Geld muss vom Verbraucher in Richtung Landwirte gehen“, sagt er. Der Kunde müsse von dem neuen Siegel auch einen Mehrwert an Qualität erhalten. Dies gelte vor allem, da bereits andere solche Label auf dem Markt sind.

Zahlen für Mehrwert

Allerdings wolle das Unternehmen zunächst erst einmal abwarten, ob der Verbraucher bereit ist, für diesen Mehrwert auch zu zahlen. Bei einigen Punkten der Richtlinien, wie zum Beispiel der Abschaffung der Ferkelkastration, sei die LFD-Holding bereits mit dabei. Andere Veränderungen, wie deutlich mehr Platz für die Schweine in Ställen, wären die Betriebe nur bereit umzusetzen, wenn sich herausstelle, dass die Nachfrage dafür auch da ist. Schließlich müssten diese auch finanziell abgesichert werden. Wenn er sich jedoch Statistiken ansehe, nach denen sehr wenige Menschen bereit seien, für Qualität zu zahlen, blickt er dem skeptisch entgegen.