Stegelitz l Weil es im Vorfeld Forderungen nach einer Bürgerinformationsveranstaltung gab, hatte sich der Geschäftsführer der Biogas Stegelitz GmbH & Co KG Sandy Enke bereit erklärt, ausführlich über das Projekt zu informieren, sobald es konkrete Fakten gibt.

Nach einer Standortverlegung innerhalb des Industriegebietes auf das ehemalige Kalksandsteinwerksgelände und damit einhergehenden Planänderungen war nun der Zeitpunkt gekommen, Details zu der Anlage öffentlich vorzustellen.

55.000 Tonnen Substrat

Als Rohstoffe, die in die Anlage eingebracht werden, sollen 55.000 Tonnen Substrat eingesetzt werden. Nach aktueller Planung sollen dafür 36.000 Maissilage, 16.000 Tonnen Zuckerrüben und 1000 Tonnen Getreide in die Anlage gebracht werden.

Die Verträge mit Landwirten, die die erforderliche Menge liefern, seien bereits abgeschlossen, ebenso der Abnahmevertrag mit Avacon, in dessen Gasleitungsnetz die Biogasanlage einspeisen wird. Die Biogasanlage Stegelitz ist nach Angaben von Sandy Enke auf 700 Normkubikmeter pro Stunde ausgelegt. Der Geschäftsführer rechnet mit einem Baubeginn und der Inbetriebnahme im Jahr 2019.

Vier Hochbehälter

Die eigentliche Biogasanlage besteht aus vier Hochbehältern, zwei Rübenlagern, zwei Annahmebunkern und einer sogenannten Fahrsiloanlage mit vier Kammern, die jeweils 110 Meter lang und 25 Meter breit sind. Diese Silos werden dort errichtet, wo bisher die großen Solarpaneele des früheren Grundstückseigentümers stehen. Diese Photovoltaikanlagen werden umgesetzt und südlich des Kalksandstein-Gebäudes neu aufgebaut. „Vorteil“ dieses Umzuges: die hohen Paneele verdecken vermutlich die Sicht auf die runden, etwa drei Meter hohen Hochbehälter der Biogasanlage.

Ein ebenfalls geplantes Blockheizkraftwerk soll seinen Platz in dem ehemaligen Gebäude des Kalksandsteinwerkes finden und ausschließlich die Anlage mit Wärme versorgen. Die Nennleistung wird mit 500 kW angegeben.

Sechs Hektar

Es werden laut Sandy Enke sechs Hektar der Betriebsfläche in Anspruch genommen, was in etwa der ehemaligen gewerblichen Nutzung auf dem Gelände entspricht. Die alten Abraum- und Abbauflächen, die sich die Natur längst zurückerobert hat, sollen in ihrem jetzigen Bestand erhalten bleiben, heißt es.

Enke sicherte den Stegelitzern zu, dass die Gewerbesteuer in der Stadt Möckern bleiben werde und stellte zudem weitere Neuansiedlungen im Industriegebiet sowie Synergieeffekte in Aussicht. Sechs bis acht Mitarbeiter sollen hier beschäftigt werden.

Geruchsbelästigung?

Die Gesellschaft habe alle Forderungen des Bebauungsplanes für das Industriegebiet bezüglich des Bundesimmissionsschutzgesetzes berücksichtigt, so Enke. Er trat Befürchtungen einer möglichen Geruchsbelästigung entgegen: „Was soll denn da stinken? Wir verarbeiten Mais, Zuckerrüben und Getreide.“ Der Stegelitzer Ortsbürgermeister Erhard Fischer fügte hinzu, dass ein Vergleich mit der Möckeraner Anlage, in welcher auch Schlachtabfälle eingebracht würden, nicht realistisch sei.

Sollte also weniger mit Geruchsbelästigung zu rechnen sein, ist aber doch ein steigendes Verkehrsaufkommen im Industriegebiet zu erwarten. Der jährliche Input von 55.000 Tonnen Substrat entspricht nach Aussagen von Geschäftsführer Enke einem linearen Eintrag von etwa 150 Tonnen am Tag. „Bei einem Betrieb der Anlage von Montag bis Sonnabend würden durchschnittlich sechs Lkw zu je 30 Tonnen am Tag die Anlage beliefern“, rechnete Enke vor. Er wies jedoch auch mehrere Außensilos in der Umgebung hin, in welchen Inputmaterial zwischengelagert und erst beim tatsächlichen Bedarf von dort zur Anlage gefahren werde.

Wenig Interesse

Ratsmitglied Thomas Teichgräber wunderte sich nach der Projektvorstellung, wie wenige Stegelitzer zu der Sitzung gekommen waren. Im Vorfeld hatte es schließlich auch kritische Stimmen gegeben, ob denn solch eine Biogasanlage nicht erst einmal vorgestellt und genehmigt werden müsste. Der an dem Abend anwesende Bauamtsleiter der Stadt Möckern, Arne Haberland, gab zu bedenken, dass in einem solchen ausgewiesenen und bestätigten Industriegebiet eine ganze Reihe von Unternehmen zugelassen seien, sofern sie sich an die Vorgaben des Bebauungsplanes halten. In solchen B-Plänen werden auch konkrete Vorgaben zu Lärm- und Geruchsbelästigungen und Mindestabständen zu bebauten Wohnflächen gemacht.

Die wenigen Einwohnerfragen an dem Abend bezogen sich etwa darauf, ob die Stegelitzer angesichts der kurzen Transportwege des Gases auf geringere Gaspreise hoffen könnten, ob die Biogasanlage nicht auch Grünschnitt entgegen nehmen könnte, wo es doch keinen Grünschnittplatz im Ort mehr gibt oder wohin denn eigentlich der ganze vergorene Bio-Output hinkommt, den so eine Anlage wieder ausspuckt. Auch wurde befürchtet, dass mit der Biogasanlage noch mehr Monokultur auf den Feldern zu erwarten ist.

Output für Landwirte

Zu möglichen Preisvorteilen für heimatnah erzeugtes Gas wollte Sandy Enke den Stegelitzern wenig Hoffnung machen, auch sei der angelieferte Grünschnitt vermutlich zu grob für die sensible Anlage. Der biologische Output der Anlage – die Rede ist von 38.000 Kubikmetern im Jahr – werde wieder den Landwirten zur Verfügung gestellt, die auch den Input lieferten, so Enke. Dieser feste und flüssige Dünger landet demnach auf den Äckern im Umkreis von 20 bis 25 Kilometern, so Enke weiter.