Kein Geld mehr

Burg: Aus fürs Quartiersprojekt in Nord

Nach gut einem Jahr steht nun das Ende des Quartiersprojekts der AWO in Burg-Nord bevor. Die Deutsche Klassenlotterie hat sich gegen eine Verlängerung entschieden. Projektmitarbeiterin Josephine Tetzner ist noch bis August dabei.

Von Thomas Pusch
Mit viel Freude beim Bemalen der in der Lebenshilfe hergestellten Bänke dabei waren Celine, Annika, Riba, Lisa und Tim von der Kindertagesstätte ?Käte Duncker?. Die Kita ist auch im Quartiersbeirat vertreten.
Mit viel Freude beim Bemalen der in der Lebenshilfe hergestellten Bänke dabei waren Celine, Annika, Riba, Lisa und Tim von der Kindertagesstätte ?Käte Duncker?. Die Kita ist auch im Quartiersbeirat vertreten. Foto: Thomas Pusch

Burg - Die Mitglieder des Quartiersbeirates hatten schon mit der Einladung zur jüngsten Sitzung des Gremiums von dem Paukenschlag erfahren. Nach gut einem Jahr läuft das Quartiersprojekt der AWO in Burg-Nord aus, die Deutsche Klassenlotterie hat als Geldgeber einer Verlängerung um weitere zwei Jahre nicht zugestimmt. „Wir haben massiv nach weiteren Fördermöglichkeiten gesucht, aber leider war das nicht von Erfolg gekrönt“, sagte die AWO-Referentin während der Sitzung, die ein weiteres Mal virtuell per Videokonferenz stattfand. Die bisherigen Projektaktivitäten sollen aber nicht umsonst gewesen sein, so besteht die Möglichkeit, die Initiative unter Federführung des Quartiersbeirats ehrenamtlich fortzuführen. Die AWO würde dazu die Übernahme von Sachkosten und die Zusammenarbeit mit der Ehrenamtsakademie anbieten.

Viele Anregungenzusammengetragen

Die wurde von Ruben Herrn,, Referent für Engagementförderung im AWO-Landesverband, vorgestellt. „Insgesamt gibt es 600 000 Engagierte in Sachsen-Anhalt, damit sind wir im unteren Viertel in Deutschland“, sagte er. Die Akademie arbeite daran, diese Position zu verbessern. Zu den Projekten gehört ein Projekt mit dem Titel „Zu zweit auf drei Rädern“. Mit einer Rikscha werden Senioren durch die Landschaft gefahren, erleben so eine besondere Form des mobilen Besuchsdienstes. „Wir wollen wir Aufmerksamkeit durch auffällige Aktionen erzeugen, die auch nachhaltig sein können“, so Herrn.

Dass es eine ernüchternde Situation ist, wollte auch Projektmitarbeiterin Josephine Tetzner nicht verhehlen, die stets Optimismus ausstrahlt. Sie stellte die Ergebnisse der jüngsten Aktion vor, der Bürgersteiggespräche in Nord. Die Antworten deckten sich zumeist mit den Einschätzungen aus vorhergehenden Erhebungen über das Wohnviertel. Ruhe und Grün werden geschätzt, Sitzmöglichkeiten und Papierkörbe werden vermisst. Die Sanierung von Gehwegen und Straßen wird als notwendig angesehen, Stadtteilfeste, Bewegungsangebote oder kreative Veranstaltungen könnten für mehr Begegnungen in Nord sorgen.

In einer Präsentation fasste die Projektmitarbeiterin die Erkenntnisse aus einem Jahr Quartiersarbeit zusammen. Die Struktur des Viertels sei seit Jahrzehnten ähnlich, neue Angebote und Veränderungen seien oftmals schwer vorstellbar. Allerdings würden auch in Burg-Nord Menschen leben, die sich mehr Miteinander wünschen. Wichtig sei es, Generationen zusammenzubringen, eine Anlaufstelle für Belange, Orte zum Treffen zu haben. Eine lange Liste mit Ansätzen fürs Viertel hatte Tetzner zusammengestellt. Sie reichte von unregelmäßigen Angeboten wie Konzerten, Theater und kleinen Märkten über regelmäßige Angebote wie Schnatter-Runden, Beratungen und Nachbarschaftshilfe bis zur verstärkten Einbindung lokaler Akteure.

Gedrückte Stimmungim Quartiersbeirat

Hatte es beim ersten Beiratstreffen noch einen munteren Austausch gegeben, so war dieses Mal doch zu spüren, dass die veränderte Situation auf die Stimmung drückte. „Das ist sehr schade, wir haben doch gerade erst begonnen“, sagte Silvia Müller vom Teilhabemanagement des Landkreises. Es sei aber wichtig, die Arbeit nicht einschlafen zu lassen. „Ich bin noch ein bisschen sprachlos“, meinte Nicole Hildebrand, Sachbearbeiterin Städtebauförderung-Stadtplanung in der Stadtverwaltung. Man werde interessiert auf Akteure und Projekte warten. „Der Anker und Mittelpunkt fällt weg“, stellte Felix Lück fest. Er ist Erzieher in der Kindertagesstätte „Käte Duncker“. Dort entstanden in diesen Tagen die ersten sichtbaren Spuren des Quartiersprojekts, womit auch eine vielfach geäußerte Anregung aufgegriffen wurde. Bei der Lebenshilfe wurden Sitzbänke gebaut, die dann von Kindern angemalt wurden. Demnächst werden sie aufgestellt. Sponsor war die Burger Wohnungsbaugenossenschaft.

Über die Zukunft der Aktivitäten soll in diesen Tagen entschieden werden. Bis zum heutigen Mittwoch haben die Mitglieder des Quartiersbeirates Zeit, sich zur Möglichkeit einer ehrenamtlichen Fortsetzung zu positionieren.