Burg l Schritt für Schritt wird das öffentliche Leben auch in Burg stillgelegt, um Corona die Stirn zu bieten. Nicht zuletzt deshalb, weil das Robert-Koch-Institut am Dienstag das Gesundheitsrisiko für Deutschland auf Grund der stetig steigenden Fallzahlen von mäßig auf hoch eingestuft hat. Während öffentliche Einrichtungen bereits am Montag geschlossen wurden und Schwimmhallenmitarbeiter beispielsweise vor einem leeren Becken ohne Badegäste stehen, drohen nun auch dem Handel massive Einschränkungen – bis auf Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Baumärkte, Banken, Lieferdienste oder der Post. Soll heißen: Nach einer Landesverordnung, die ab heute in Kraft tritt, muss beispielsweise der kleine Textilladen in der Einkaufsmeile vorerst seine Türen schließen. Steffen Händler, der ein Fernsehgeschäft in der Schartauer Straße betreibt, hat mit solch einer Entscheidung gerechnet. „Das ist keine wirkliche Überraschung für mich. Wenn es insgesamt hilft, eine Ausbreitungswelle des Virus zu verhindern, geht das in Ordnung.“ Ihm komme dabei zugute, dass er auch im Außendienst reichlich zu tun habe. „Wir müssen die Situation so annehmen und das Beste draus machen“, sagt der Geschäftsmann.

Das sieht auch Karen Ahlert so, die sich wenige Meter entfernt in der Magdeburger Straße in ihrem Geschäft für Kunstgewerbe und Geschenkartikel voll auf Ostern eingestellt hat. Seit etlichen Tagen schon zählt sie weniger Kunden. „Am Montag war gerade mal einer hier. Der Osterverkauf ist nun gelaufen“, sagt sie. „Na ja, dann haben wir jedenfalls genügend Artikel fürs nächste Jahr“, sagt die junge Frau. Die Einzelhändlerin bleibt trotz der möglichen Einbußen halbwegs optimistisch: „Wir müssen alle solidarisch sein. Ich hoffe, dass die Kunden aus Burg und dem Umland dann nach der Krise auch hier einkaufen und uns so unterstützen.“ Und: „Wichtig ist, dass die Politik, wenn es um Unterstützung geht, auch an die kleinen Geschäftsleute und Familienbetriebe denkt und nicht nur an die großen Unternehmen.“

Einschränkungen nicht richtig definiert

Das ist für Dorit und Udo Vogt auch entscheidend. Ihr Blumenfachgeschäft in der Einkaufsstraße ist bekannt, die Kundschaft kommt. Vogt blickt schon voraus: „Es wird am Ende nicht ausreichen, dass Bund und Land zusätzliche Darlehen ausreichen, wenn die Geschäfte über Wochen oder gar Monate dichtmachen müssen und kein Cent mehr in die Kasse kommt.“ Restriktive Maßnahmen, um der Pandemie Herr zu werden, seien zwar grundsätzlich richtig, aber die Politik müsse auch an die kleineren, oftmals inhabergeführten Firmen und ihre Zukunft denken. Überhaupt seien die Einschränkungen nicht schlüssig definiert. „Gartenmärkte dürfen öffnen und Blumengeschäfte wiederum nicht“, beklagt Vogt. Außerdem hätte die Politik vor einige Monate vorher reagieren müssen.

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Wie es nach der Schließung konkret weitergeht, weiß Elvira Niemann heute noch nicht. Seit 2002 hat sie ihren Mode-Express am Magdalenenplatz. „Das hängt davon ab, wie lange ich tatsächlich das Geschäft nicht öffnen darf. Notfalls muss ich mir noch eine Arbeit suchen“, sagt sie. Dass kleinere Läden, in denen sich ohnehin keine Gruppen, sondern in der Regel nur ein, zwei Leute aufhalten, dichtmachen, sei hart, ,„aber nicht zu ändern. Wir werden diese Anordnung natürlich befolgen.“ In der Hoffnung, „dass die Ansteckungswelle nicht so schlimm wird“, sagt Niemann. „Ich hoffe auch, dass die Kunden uns die Treue halten.“

Kein Handschlag mehr

Rund um den Magdalenenplatz tummelten sich Dienstag zahlreiche Markthändler. Hans-Dieter Wirtoff schaut öfter mal als guter Kunde vorbei, wie er sagt. Einer Gruppe von Männern grüßt er aus der Ferne zu. „Diesmal gibt es keinen Handschlag“, sagt der Rentner. Nach einer Herzoperation vor zwei Jahren ist er ohnehin vorsichtig. Er will noch schnell ein paar Pflanzen kaufen. „Wer weiß, wie lange das noch möglich ist. Die Ereignisse überschlagen sich ja ...“