Burg l Mindestens 25 Jahre alt und fünf Jahre im Besitz eines Autoführerscheins, dann nur noch eine 90-minütige Theorieeinheit und sechs Fahrstunden absolvieren – schon wären die Voraussetzungen für das Führen einer sogenannten 125er Maschine erfüllt. Zumindest lautet so der Vorschlag des Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU).

Mobilität soll gesteigert werden

Die leichten Motorräder haben bis zu 15 PS und können damit über 100 km/h erreichen. Bisher war zum Führen eines solchen Zweirads der Führerschein A1 notwendig. Ein Ziel dieser Lockerung: Die Mobilität in den ländlichen Regionen soll gesteigert werden.

Ein Gedanke, den Stephan Besthorn von der Verkehrswacht nicht richtig findet: „Man sollte besser die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen, um mehr Mobilität zu schaffen. Ein Motorrad ist außerdem etwas ganz anderes als ein Auto. Die Idee ist in meinen Augen einfach absoluter Quatsch.“ Besthorn merkt an, dass durch die wenigen praktischen Fahrstunden kein Gefühl für ein Motorrad entwickelt werden kann. Denn: Die Übungsstunden könnten nur auf einem Übungsplatz absolviert werden, so der Vorschlag von Scheuer.

Der Burger Fahrlehrer Andreas Gries erzählt: „ Normalerweise braucht man für einen A1 Motorradführerschein 12 Fahrstunden und dazu noch Stadtfahrten. Dazu kommen 12 Stunden Theorie und vier extra Stunden nur für Zweiradfahrer.“

Also einige Stunden mehr, als von Verkehrsminister Scheuer angedacht. Was der Fahrlehrer von dem neuen Gesetz halte, dazu wollte er sich lieber nicht äußern. „Da halte ich mich lieber einfach raus“, sagt Gries.

Große Skepsis

Berufskollege Michael Kahlfuss ist bei der aktuellen Diskussion weniger zurückhaltend. Für ihn sei die Idee bisher absolut nicht nachvollziehbar. „Ich betrachte das Vorhaben mit großer Skepsis“, so der Burger Fahrlehrer. Einer seiner aktuellen Motorrad Fahrschüler wirft ein: „Ich denke da gehört schon etwas mehr Ausbildung dazu, als das was da geplant wird.“ Und der Fahrschüler muss es wissen, er macht grade den diskutierten A1 Führerschein.

Michael Kahlfuss sagt, dass der Vorschlag schon eine interessante Geschichte sei. Denn: „Grade bei den Zweiradführerscheinen achten wir als Fahrschule auf ein besonders vorsichtiges heranführen an den Straßenverkehr. Wir bilden da sehr intensiv aus“, erzählt Michael Kahlfuss. Dabei sieht er den wohl größten Widerspruch zum aktuellen Vorschlag des Verkehrsministers und der momentanen Situation.

Michael Kahlfuss sei außerdem selbst passionierter Motorradfahrer. Deshalb könne er durchaus gut verstehen, warum der Gedanke für einige Menschen attraktiv wäre, ohne einen extra Führerschein Motorrad fahren zu dürfen. Allerdings unterrichtet Kahlfuss bereits seit 35 Jahren Fahrschüler und weiß genau, worauf es bei der Ausbildung ankommt: Sicherheit.

Michael Kahlfuss stimmt außerdem Stephan Besthorns Meinung zu, dass der Gedanke, die Mobilität in ländlichen Regionen zu unterstützen, eher fragwürdig ist. Für ihn sei dabei außerdem besonders der Aspekt des Umwelt- und Klimaschutz wichtig.

„Überall hört man vom Klimaschutz. Da sollten doch andere Lösungen einfallen, als jeden mit einem Motorrad mobil zu machen“ , so Kahlfuss. Sein Vorschlag: „Öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Das wäre doch mal was wirklich Gutes“