Schartau/Burg l Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Davon ist auch Flussbereichsleiter Marco Schirmer überzeugt. Aber könnten wieder katastrophale Zustände mit Deichbrüchen die Folge sein? Der Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) zeigt die Pläne mit den milliardenschweren Deichsanierungen für die Elbe. „Bis 2020 sollen alle Hauptdeiche DIN-gerecht ausgebaut sein.“ Zusammen mit Polderflächen und neuen Deichabschnitten entlang der 300 Kilometer langen Elbstrecke in Sachsen-Anhalt ist der Schutz für die Bevölkerung dann um ein Vielfaches höher. „Das ist mit der Zeit vor 2013 nicht mehr vergleichbar.

Baufirmen haben gut zu tun

Die Deiche haben eine neue Qualität. Und wir liegen voll im Zeitplan mit der Sanierung“, sagt Schirmer. Von den etwa 21 Kilometern Elbdeich in der Einheitsgemeinde Burg befindet sich mittlerweile mehr als die Hälfte auf dem neuesten Stand. Etwas mehr als vier Kilometer werden derzeit beplant oder für den Bau vorbereitet. Und auf rund fünf Kilometern Deichabschnitt haben Baufirmen in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

Großer Lagerplatz bei Schartau/Rogätz

Wie zum Beispiel am Abschnitt an der Fährstraße Schartau/Rogätz unweit vom Anleger. Der Bereich hat sich bereits zu einer Großbaustelle gewandelt. Östlich der Straße ist ein großer Lagerplatz entstanden, schwere Kipper fahren vorher geprüfte Erde an, die für den Aufbau des Schutzkörpers verwendet wird. „Das hier ist eines der schwierigsten Planungsprojekte überhaupt“, sagt Schirmer. Denn dort soll der Polderdeich entstehen. Zwar ist das Poldergebiet (Flutungsteil) noch nicht beschlossene Sache und wird mit den Einwohnern und Kommunen noch erörtert, aber die Experten müssen den Deich dennoch nach diesen besonderen Maßstäben konzipieren, erklärt Schirmer.

Spundwand aus Stahl

Das Besondere daran: Der Polderabschnitt erhält neben seiner normalen Erhöhung um 50 Zentimeter eine sechs Meter lange Spundwand aus Stahl, wie sie teilweise auch in Hafenanlagen verwendet wird, die bis zehn Zentimeter unter der künftigen Deichkrone in den festen Untergrund eingerammt wird. Eine Unterströmung des Wassers soll auf diese Weise verhindert werden. Wenn alles reibungslos verläuft, könnten die Arbeiten im Oktober beginnen. Sollte das Poldergebiet dann tatsächlich einmal geflutet werden müssen, würde es eine deutliche Entlastung mit sich bringen.

Flächensenkung berücksichtigt

Aber auch für außergewöhnliche Hochwasser über den Scheitel von 2013 sind die neuen Deiche ausgelegt, versichert der Flussbereichsleiter. Als Grundlage für die Deichsanierung sei der Hochwasserscheitel von 2013 herangezogen worden. Als Puffer ist immer noch zwischen diesem so genannten Bemessungshochwasser und der Deichkrone ein Abstand von einem Meter einkalkuliert. Auch die in den kommenden 50 Jahren prognostizierte Flächensenkung der Ortslage Niegripp auf Grund des Kaliabbaus um 60 Zentimeter sei berücksichtigt worden, sagt Schirmer. „Wir haben also auf allen Deichabschnitten ausreichend Sicherheit“, so der Flussbereichsleiter.