Möser l Schon beim Betreten der Verwaltung zeigten sich die Ukrainer sehr gespannt. Hartmut Dehne, stellvertretender Bürgermeister und Leiter des Bauamtes der Gemeinde, erläuterte ihnen auf Nachfrage das Wappen der Gemeinde und hob dabei die Bedeutung der blauen Streifen hervor. „Sie stehen für die Wasserwege, die in unseren Ortschaften – aufgrund der Nähe zur Elbe – einen besonderen Stellenwert haben“, sagte er.

Interesse an der Infrastruktur

Im Trauzimmer der Gemeinde wurden die Ukrainer von Bürgermeister Bernd Köppen auf russisch begrüßt. In seiner Muttersprache erklärte Köppen weiter, dass die Gemeinde Möser mit ihren sechs Ortschaften, vier Kindertagesstätten, vier Sporthallen, sechs Feuerwehren, einer Grund- und einer Sekundarschule „eine gute Infrastruktur“ besitze. Außerdem seien die Ortschaften naturräumlich schön gelegen an der Elbe, mit einigen Naturschutzgebieten.

„Wir haben nur wenig Gewerbe“, sagte Köppen, „die große Industrie fehlt.“ Aber: Entgegengesetzt zum Trend zögen nach Möser viele junge Familien, so der Bürgermeister. Die Einwohnerzahl steige. Die Gemeinde habe deshalb zwei große Wohngebiete erschlossen, einmal mit 80 und einmal mit 50 Bauplätzen. „Die steigenden Einwohnerzahlen haben weitere Folgen“, erklärte der Bürgermeister den ukrainischen Gästen. So werde die Grundschule gerade für 3 Millionen Euro erweitert. Eine neue Kindertagesstätte soll im kommenden Jahr für 2,5 Millionen Euro gebaut werden.

Bürgerbus wird nicht angenommen

Ein Projekt der Gemeinde interessierte die Teilnehmer der ukrainischen Delegation besonders: der Bürgerbus. „Den Bus fahren ausschließlich ehrenamtliche Fahrer“, sagte Hartmut Dehne dazu. Wachsende Ortschaften und zeitgleich zurückgehender öffentlicher Personennahverkehr – in Möser sei als Problem erkannt worden, dass insbesondere ältere Menschen und Familien mit Kleinkindern zum Teil zu wenig mobil sind, um Ärzte, Geschäfte oder die Verwaltung zu erreichen. „Der Bürgerbus sollte kurze Wege schaffen“, sagt Dehne. Er betonte das Wort „sollte“, denn die aktuellen Zahlen sprechen für sich: Der Bürgerbus wird nicht angenommen. Durchschnittlich 14 Fahrgäste nutzen den Bus pro Monat. Einnahmen in Höhe von 130 Euro stehen monatliche Kosten für die Gemeinde von 2000 Euro gegenüber.

Das sei aber nicht wirtschaftlich, wunderten sich die ukrainischen Besucher und erhielten von Hartmut Dehne zur Antwort: „Wir haben den Bürgerbus nicht aus wirtschaftlichen Gründen eingeführt.“ Vielmehr sei die Idee gewesen, eine Lücke in der Mobilität der Einwohner zu schließen und zusätzlich das Ehrenamt zu fördern, da Vereine und Feuerwehren den Bus für Sonderfahrten nutzen können.

„Ich würde mir natürlich wünschen, dass mehr Bürger den Bus nutzen“, betonte Dehne. Die Bedingungen dafür sind jedenfalls gut: 38 neue Haltestellen hat die Gemeinde für den Bürgerbus geschaffen und damit die 26 Haltepunkte des öffentlichen Personennahverkehrs ergänzt. Alte und neue Wohngebiete in allen Ortschaften sind an das Netz angeschlossen. Unter anderem Bahnhof, Ärzte, Geschäfte und Verwaltung werden mit dem Bürgerbus erreicht.

Welche Voraussetzungen denn die Fahrer erfüllen müssen, wollten die ukrainischen Gäste wissen. Und Dehne erklärte, dass diese bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen erfüllen sowie eine Erlaubnis zur Beförderung von Fahrgästen erworben haben müssen.

Mit EU-Mittel gefördert

Der Bus selbst wurde im vergangenen Jahr über das EU-Projekt „Rumobil – Mobilität in ländlichen Gebieten im Zeichen des demografischen Wandels“ durch das Verkehrsministerium gefördert. Ziel von „Rumobil“ ist es, neue Ansätze der Mobilität zu erproben und weiterzuentwickeln.

Über das Landesverkehrsministerium war auch die ukrainische Delegation an die Gemeinde Möser vermittelt worden.