Vehlitz l Eine Heizung, die fast nicht zu regulieren ist, kennt man aus DDR-Zeiten, aber doch nicht mehr aus der Gegenwart. Das Dorfgemeinschaftshaus in Vehlitz wird allerdings immer noch mit den Nachtspeicheröfen aus den 1970er Jahren beheizt. Alle Anträge des Ortschaftsrates, auf eine moderne Gasheizung umzustellen, wurden von der Einheitsgemeinde Gommern bislang zurückgestellt. Immerhin mit Kosten in Höhe von rund 25.000 Euro müsste gerechnet werden.

Feste im Dorf

Wie ernst es ihm mit der Gasheizung und der Sanierung des gesamten Gebäudes ist, machte Ortsbürgermeister Hartmut Specht (Wählergemeinschaft Vehlitz) der Stadtverwaltung klar, als er die Prioritätenliste für den Haushaltsplan 2019 einreichte. Unter Punkt 1, dem Einbau einer modernen Gasheizung, ließ er sieben oder acht Zeilen frei, „um zu zeigen, wie wichtig es uns ist“, sagte Hartmut Specht.

Das Dorfgemeinschaftshaus bietet die letzten größeren Räume im Dorf. Ob zum Erntedankfest im Oktober, zum winterlichen Spieleabend oder zu Familienfeiern von der Jugendweihe bis zum Kaffeetrinken nach Beerdigungen über das ganze Jahr verteilt: Die Vehlitzer brauchen ihr Bürgerhaus. Das Feuerwehrgerätehaus und sein Versammlungsraum wären schnell heruntergewirtschaftet, wenn man dort die ganzen Veranstaltungen durchführen würde, setzte Hartmut Specht hinzu.

Frosfrei gehalten

Im Moment ist es so, dass rechtzeitig vor Veranstaltungen im Haus die Nachtspeicheröfen eingeschaltet werden müssen. Über den Winter wird das Haus nur frostfrei gehalten, damit die Wasserleitungen nicht einfrieren. Gerade einmal acht Grad zeigte das Thermometer im Wintergarten beim Vor-Ort-Termin noch an.

Sein Büro im Dorfgemeinschaftshaus nutzt Hartmut Specht so gut wie nie. In der kalten Jahreszeit wäre es viel zu aufwendig, den Raum zu heizen. Dabei gibt es für Heizkörper die Aussparungen unter den Fenstern schon. Ob dort tatsächlich mal Heizkörper waren oder die Lücken nur vorsorglich gelassen wurden, ist unklar. Ohne regelmäßige Nutzung wurde auch der Telefonanschluss des Hauses abgemeldet.

Zweites WC

Derzeit verfügt die mittlere Etage nur über eine Toilette. Für Veranstaltungen ist das sehr wenig. Bei der Sanierung des Hauses soll deshalb ein zweites WC installiert werden. Die jetzige Abstellkammer neben der Küche bietet sich dafür an. Zum einen passt die Größe des Raumes, zum anderen liegen Wasser und Abwasser schon an.

„Uns ist klar, dass im Stadthaushalt nicht jeder immer alles durchkriegt“, sagte Hartmut Specht. „Aber über einen längeren Zeitraum muss jeder etwas abbekommen.“ Bislang sei Vehlitz immer zurückhaltend gewesen, auch weil die Ortschaft bei der Eingemeindung schon auf einem guten Stand gewesen sei.

Dort, wo es möglich ist, helfen sich die Vehlitzer immer selber. Über die MDR-Sendung „Mach dich ran“ wurde die Küche im Dorfgemeinschaftshaus hergerichtet. Seine Frau habe die Küchenmöbel zur Verfügung gestellt, Maler Bernhard Schade Tapetenbahnen neu eingeklebt und die Decke und Wände gestrichen, blickte Hartmut Specht zurück.

Für die Seniorenweihnachtsfeier heizt der Ortsbürgermeister vormittags den Kachelofen in der Küche an, damit der Raum für die Frauen eine annehmbare Temperatur hat. Das Geschirr muss schon einen Tag vorher hingestellt werden, damit es Raumtemperatur annimmt, sonst sind das Mittagessen auf dem Teller oder der Kaffee in der Tasse gleich kalt.

Hoffen auf Fördermittel

In diesem Jahr sind im Stadthaushalt 5000 Euro für die Planung der Sanierung des Vehlitzer Dorfgemeinschaftshauses eingestellt. Fließen die erhofften Fördermittel, soll 2020 die Sanierung beginnen.

Neben der öffentlich genutzten mittleren Etage sollte die Sanierung auch das in zwei Wohnungen unterteilte Obergeschoss umfassen. Bewohnbar sind die Räume schon seit einigen Jahren nicht mehr. Mehrere Möglichkeiten bestehen. Es könnte wieder eine Mietwohnung eingerichtet werden oder eine Gästewohnung, in der die Vehlitzer Besucher von außerhalb unterbringen können. Derzeit sind im Obergeschoss das Stuhllager der Gemeinde, die Wahlurnen, die Bibliothek und Ausrüstungsgegenstände für das Dorffest untergebracht.

Der Keller wurde in den vergangenen Jahren trockengelegt. Der damalige Gemeindearbeiter Hartmut Mainzer hatte an regnerischen Tagen von allen Wänden die Sprelacartplatten entfernt und dafür gesorgt, dass die Räume jetzt besenrein sind. Über gezieltes Lüften sind die Kellerräume inzwischen „staubtrocken“.