Gerwisch l Das wollen die freie Journalistin Manuela Langner und Gerwischs Ortsbürgermeisterin Karla Michalski erreichen. Denn der Ort hat dem Fabrikanten-Ehepaar viel zu verdanken. Gut 25 Gerwischer waren am Sonnabend zur feierlichen Einweihung der Gedenktafel für Henriette und Gustav Brentke auf den Gerwischer Friedhof gekommen. Die Tafel befindet sich direkt am Grab der Familie.

Henriette und Gustav Brentke waren 1878 nach Gerwisch gekommen. Sie entwickelten eine Konservenfabrik – erst als Pächter und später als Eigentümer – zur größten ihrer Art in der Provinz Sachsen. Hier wurde Gemüse in Konserven verarbeitet und bis nach Brasilien, Schweden und Ostafrika geliefert. Außerdem war Gustav Brentke kaiserlicher Hoflieferant.

Die Fabrik hatte enorme Auswirkungen. Die großen Plantagen rund um den Ort und die Fabrikgebäude in der Bahnhofstraße – Gerwisch habe jahrzehtnelang wohl eher wie eine „Konservenfabrik mit Dorf als ein Dorf mit Konservenfabrik“ gewirkt, hatte Langner einmal gesagt.

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Als es ihre Möglichkeiten zuließen, finanzierten Brentkes Feuerwerke oder bezahlten das Harmonium für die Kirche des Ortes.

„Die Fabrik war maßgebend für das Dorf“, sagte Karla Michalski zur Einweihung der Gedenktafel. Gerwisch sei dadurch kein Bauerndorf mehr gewesen, sondern habe sich weiterentwickelt. Es gab plötzlich Arbeit, beispielsweise auch für Handwerker.

Sie und Manuela Langer seien sehr erstaunt gewesen, was sie zur Fabrik und deren Auswirkungen auf den Ort alles hätten recherchieren können, so die Ortsbürgermeisterin.

Langner sagte, „Herr und Frau Fabrikant“ seien einzigartig in der Geschichte von Gerwisch. Und obwohl sie die Entwicklung des Ortes so maßgeblich bestimmten, habe sich in Gerwisch wenig Erinnerung an Henriette und Gustav Brentke erhalten. „Damit ihre Leistung nicht noch mehr in Vergessenheit gerät, wird heute die Gedenktafel enthüllt“, so Langner.

Die Tafel befindet sich am Grab und das Grab direkt an der Friedhofskapelle, die Henriette Brentke 1909 zum großen Teil finanzierte. Hierhin wurde nach ihrer Fertigstellung der Sarg des ehemaligen Konservenfabrikanten überführt, der kurz vor dem Schritt in den Ruhestand überraschend plötzlich im März 1908 gestorben war. Fast das ganze Dorf sei dabei gewesen, als die Kapelle eröffnet wurde, hat Manuela Langner recherchiert.

Die Idee der Gedenktafel gehe auf Sibylle Verseck zurück, sagte Langner. Sie hatte sich angeboten, ihr bei der ehrenamtlichen Grabpflege zu helfen. Bei einer Besprechung dazu kam der Gedanke an eine Gedenktafel auf. Um die Gestaltung und Platzierung am Grab kümmerten sich Michalski und Langner gemeinsam. Parallel dazu ermöglichte die Gerwischer Familie Sieberling die Reparatur der Grabstätte des Ehepaars Brentke.

Die Einweihung wurde am Sonnabend von einer kleinen Ausstellung zur Konservenfabrik Gustav Brentke in der Friedhofskapelle begleitet. Der Gemischte Chor Gerwisch sang „Segne dieses Dorf“ und „Freude schöner Götterfunken“.

Michalski und Langner hatten im Sommer 2019 auch die Ausstellung „Breiter Weg im Wandel der Zeit – Teil 2“ organisiert, deren Fokus ebenfalls auf dem Wirken des Fabrikanten-Ehepaares lag. Ihre Recherchen zu diesem Thema seien noch nicht abgeschlossen, sagte die Journalistin jetzt.