Protest

Firmen im Burger Gewerbepark und Anwohner fordern neue Straßenplanung

Die Kritik am geplanten Ausbau der Lindenallee im Burger Industrie- und Gewerbepark (IGP) und der favorisierten Trasse der Entlastungsstraße hält an. Unternehmer, Anwohner der Grabower Landstraße und die Ortsbürgermeister von Dörfern an der Landesstraße 52 fordern die Stadt zum Handeln auf.

Von Mario Kraus
Variante einer alternativen Entlastungsstraße  im Gewerbepark Burg.
Variante einer alternativen Entlastungsstraße im Gewerbepark Burg. Quelle: Thomas Wagner

Burg - Unternehmer aus dem Industrie- und Gewerbepark haben auf einer Informationsveranstaltung Stadtrat und Stadtverwaltung erneut aufgefordert, die Pläne für den Ausbau der Lindenallee und der Entlastungsstraße in Richtung Landesstraße 52 neu zu konzipieren. Auch die Ortsbürgermeister von Grabow und Theeßen sehen erhebliche Nachteile für die Bewohner der jeweiligen Dörfer an der ohnehin vielbefahrenen Strecke.

Mehrere Firmenchefs machten sich auf einem Informationsabend im Regio-Hotel Luft und gingen mit der Stadt hart ins Gericht. Sie bemängelten unter anderem, dass im Rahmen der bisherigen Planungen „längst nicht alle Firmen in Kenntnis gesetzt wurden“. Patricia Wagner, Geschäftsführerin von High Tech-Color, sieht als Reaktion sogar unternehmerische Vorhaben in Gefahr: „Als größter Gewerbepark im Jerichower Land und somit wichtigster Teil dessen Wirtschaft sehen wir uns als Gewerbesteuerzahler nicht mehr ambitioniert, bei solchen Missständen künftige Investitionen am Standort vorzunehmen, um weitere Arbeitsplätze zu sichern beziehungsweise zu schaffen.“

Noch mehr Verkehr auf L 52 befürchtet

Konkret wird eine erneute Diskussion über die Form des Ausbaus der Lindenallee als zentralem Zubringer ins IGP erwartet. Und zwar ohne, dass große Flächen der Betriebe als Baustraße herhalten müssten. Zudem wird eine Anbindung der Entlastungsstraße, deren Bau an sich unstrittig ist, an die Landesstraße 52 abgelehnt. Die Befürchtungen, dass auf diese Weise zusätzlicher Autobahnverkehr durch Teile von Burg gelockt wird und damit noch mehr Lkw die Maut-Strecken umgehen, teilen vor allem Anwohner der Grabower Landstraße und auch von Grabow und Theeßen. „Wir ersticken dann völlig im Lkw-Verkehr“, sagte Thomas Lindemann, Ortsbürgermeister von Grabow. Mit einer Anbindung zum IGP würden noch mehr Brummis direkt von Ziesar oder Theeßen die Landstraße nutzen, um das IGP in Burg zu erreichen. Und auch Gerald Hüttner aus Gütter schwanen chaotische Zustände: „Schon jetzt fahren beispielsweise Bundeswehrangehörige aus der Region Genthin durch unseren Ort, um dann über die so genannte Notausfahrt in die Kaserne zu gelangen. Denn so können drei Ampeln umgangen werden.“

Keine Antwort von Stadt Burg

Die Gefahr, dass noch mehr 40-Tonner über die Grabower Landstraße ins IGP geführt werden, sehen auch Doreen Haseloff sowie Dirk und Claudia Theele als Anwohner. Sie hatten bereits auf dem Kreistag sowie Stadtrat und Ausschüssen auf die Lärmbelastung und zunehmenden Straßenschäden aufmerksam gemacht. „Eine Reaktion oder schriftliche Antwort beispielsweise vom städtischen Umweltausschuss haben wir bis heute nicht“, sagt Claudia Theele. Rede und Antwort stand ihnen zumindest Andreas Boehle, Fachbereichsleiter Planung der Landesstraßenbaubehörde (LSBB). „Ich weiß, dass die Anwohner zeitweise mit erheblichem Verkehrsaufkommen leben und der Straßenzustand nicht besser wird, aber eine Sanierung der L 52 ist vorerst nicht geplant.“ Der Beamte bezeichnete die von der Stadt in Auftrag gegebene Entlastungsvariante mit Anschluss an die L 52 als „schlüssig“.

High Tech-Color-Geschäftsführer Thomas Wagner verwies dagegen auf eine Variante, die durch den Gewerbepark nahe von Pro Papier entlang zurück auf die Kastanienallee (Solarpark) und wiederum auf die Bundesstraße 246a führt. Das hätte zahlreiche Vorteile. Unter anderem würde der Lkw-Verkehr nicht zusätzlich durch die Stadt geführt und böte kurze Wege zur Autobahn 2. Darüber hinaus wäre weniger Fläche erforderlich als durch die Feldmark mit Querung des Fliegergrabens.

Ausschüsse des Stadtrates tagen gemeinsam

Ob die Planungen noch einmal überarbeitet werden, ist derzeit völlig offen. Die Stadt hat nach eigenen Angaben alle Unternehmen im IGP noch einmal angeschrieben, für ihre Positionen geworben und um Rückmeldungen bis Ende Mai gebeten. „Wir sind selbstverständlich immer gesprächsbereit und wollen mit den Unternehmen zusammenarbeiten“, sagt Pressesprecher Bernhard Ruth. Außerdem sei eine gemeinsame öffentliche Sitzung der Ausschüsse für Bau, Umwelt und Wirtschaft am 23. Juni in der Stadtverwaltung zu diesem Thema geplant, an der auch das Magdeburger Planungsbüro teilnehmen soll.

Grünen-Stadtrat Volker Voigt will indessen einen Stadtratsbeschluss mit dem Ziel einbringen, die alten Beschlüsse aufzuheben.  

 

Thomas Wagner, Chef der Firma High Tech-Color, stellt eine alternative Entlastungstrasse durch den Gewerbepark vor.
Thomas Wagner, Chef der Firma High Tech-Color, stellt eine alternative Entlastungstrasse durch den Gewerbepark vor.
Foto: Mario Kraus